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Düsseldorf: „Mein Hobby sind die Derendorfer Schützen“

Derendorfer Schützen : „Mein Hobby sind die Derendorfer Schützen“

Dirk Schurse ist neuer 1. Chef der St. Sebastianer Derendorf. Er ist jung, voller Ideen und will den großen Traditionsverein in die Zukunft führen.

Dirk Schurse, von Beruf Prokurist in einer großen Lichttechnik-Firma, hat ein ganz besonderes Verhältnis zu den Derendorfer Schützen. Es ist gleichsam seine zweite Heimat. Seit 42 Jahren ist der 51-Jährige Mitglied. Er hat so gut wie alle Stationen durchgemacht und immer Verantwortung getragen, als zweiter und später als erster Hauptmann, als zweiter und seit zwei Jahren als erster Geschäftsführer und nun als neuer Chef. Er ist also kein Neuer im Verein, und er ließ sich auch nicht lange bitten, das Ehrenamt zu übernehmen. Inzwischen mischt sogar sein älterer Sohn als erster Vorsitzender der Jungschützen mit. „Wenn wir zu Hause am Tisch sitzen, sitzen zwei Chefs. Der zweite Sohn will sich auch dahingehend orientieren“, so der Familienvater.

Glückliches Derendorf, möchte man angesichts dieser Treue zum Verein sagen. Aber das ist nicht die richtige Bezeichnung für die Derendorfer Schützen. Dirk Schurse korrigiert daher sofort: „Wir haben einen größeren Bannkreis. Wir beziehen Düsseltal, Pempelfort, Derendorf, Golzheim und Mörsenbroich mit ein. All dies sind große Stadtteile.“

Aber der neue Chef macht sich nichts vor: „Wir müssten vor Mitgliedern überlaufen, denn wir haben über 100.000 Einwohner in unseren fünf Stadtteilen. Dafür sind 420 Mitglieder ziemlich wenig. Das Brauchtum, egal welcher Art, hat Nachwuchsmangel. Es fehlt das Interesse am Ehrenamt. Es fehlt die Selbstverständlichkeit, den Tisch, an dem man sitzt, auch einmal zu decken.“

Der neue Vorstand des Schützenvereins St. Sebastianus Derendorf von 1655: Heiko Fühles (1. Geschäftsführer), Dirk Schurse (1. Chef) und Sven Cramer (1. Kassierer). Foto: Schützenverein

Der erste Schritt in die Zukunft ist die neue Öffnung des Vereins für Frauen. Bisher war das weibliche Geschlecht nur im Reitercorps vertreten. Aber Schurse meint: „Manche Frauen wollen zwar in den Schützenverein eintreten, aber sie wollen nicht reiten. Deshalb ist es ab sofort auch möglich, eine weibliche Fuß-Kompanie zu gründen, ohne Ross und Reiterin.“ Die Satzungsänderung kam noch unter dem bisherigen Chef Heinz-Willi Lang. Sie fiel knapp aus, denn für die Änderung der Statuten sind mindestens 75 Prozent der Stimmen notwendig. 76 Prozent stimmten dafür. Ab sofort sind also Frauen willkommen.

Die Derendorfer Schützen sind finanziell gut aufgestellt. Das verdanken sie den Vorvorgängern nach dem Krieg. Sie besitzen ein ehemaliges Trümmergrundstück am Vogelsanger Weg, dass sie in eigener Arbeit saniert, planiert und gepflastert haben. Dort steht eine ehemalige Tennishalle, die an das Badminton-Center vermietet ist. Da die Freiflächen gleichfalls groß sind, können 400 Stellplätze vermietet werden, ein kleinerer Teil an die Nachbarn, ein größerer Teil an Flughafen-Parker.

Die Einnahmen kommen den Schützen zugute. Im Festzug ziehen 80 Pferde mit, gibt es mindestens zwölf Kutschen und über 200 Musikanten. Dirk Schurse erklärt:“Umzug und Parade sind unser Aushängeschild. Wir erlauben uns den Luxus, denn das Geld kommt durch die Parkgebühren in die Kasse.“ Für den alten wie den neuen Vorstand ist der Verkauf des Grundstücks tabu. Schurse erklärt: „Investoren hätten das Filetstück natürlich gern. Aber ich werde den Teufel tun, es zu verkaufen.“

Ab sofort gilt unter dem neuen Chef die Devise: „Jedes Mitglied muss mithelfen, junge Leute in den Verein zu locken. Wir haben mit einem kleinen Gästeschießen begonnen und Kinder eingeladen, mit der Armbrust zu schießen. Jeder hat etwas gewonnen, auch die Geschwister und die Schulkameraden. Wir müssen handeln, denn die Alterspyramide im Verein lässt uns keine andere Wahl.“