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Düsseldorf: Maskenpflicht spaltet Schulgemeinden

Kopfschmerzen, Schwindel, Verständnis : Die Maskenpflicht ist umstritten

Alternativlos oder unzumutbar – der Mund-Nasen-Schutz im Unterricht ist umstritten. Weniger Präsenzunterricht und mehr Lernen auf Distanz könnten das Problem entschärfen. Doch darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Die Corona-Krise und ihre Folgen bestimmen auch zwei Wochen nach Unterrichtsbeginn die Debatten an den Düsseldorfer Schulen. Kann es bei der Maskenpflicht im Klassenraum bleiben? Macht eine Mischung von Präsenzunterricht und Lernen auf Distanz Sinn? Nicht nur über diese Fragen gehen die Meinungen weit auseinander. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Wie wird das Thema in
den Schul-Gemeinden diskutiert?

„Sehr kontrovers“, sagt Inge Schleier-Groß, Leiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums in Golzheim. Total-Verweigerer hat sie in den letzten zwei Wochen beim Thema Masken nicht erlebt. Lediglich einer Schülerin musste sie „mal ordentlich den Kopf waschen“. Trotzdem nimmt sie wahr, wie sehr das Thema spaltet: „Es gab einen Vater, der hat Schüler mit herabgezogener Maske, die in der Pause nach einem Snack in ihrer Brotdose kramten, gefilmt. Das Ganze hat er dann ins Netz gestellt. Sein Vorwurf: Der Aufsicht führende Lehrer schreite nicht ein, obwohl die Schüler in diesem Moment weder essen noch trinken.“ Für die erfahrene Pädagogin ist das inakzeptabel. „Niemand kann hier einfach filmen und Bilder online stellen“, sagt sie.

Der Vorgang sei aber nur die eine Seite der Medaille. Jeden Tag setzt sich die Schulleiterin mit Eltern auseinander, denen die nordrhein-westfälische Regelung zu weit geht.Tenor dieser Beschwerden: Sieben oder acht Stunden fast ohne Unterbrechung einen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen, sei schlecht fürs Lernen und für die Gesundheit. Wenigstens am Sitzplatz in der eigenen Klasse müsse die Pflicht fallen, am besten schon zum 1. September.

Schleier-Groß sieht das Ganze mit gemischten Gefühlen. Die Pausenaufsicht hat sie im neuen Schuljahr verdreifacht und seit ein paar Tagen die Lehrer für die Pausen mit Warnwesten ausgestattet. „Dieses Signal halte ich für sinnvoll, dennoch widerstrebt es mir, dass inzwischen so eine Art Kontroll-
Klima entstanden ist.“

Wie empfinden Schüler,
Eltern und Lehrer die Auflagen
im Alltag?

Isabelle Appenburg ist hin- und hergerissen. Einerseits hofft die 19-jährige Gymnasiastin auf eine Lockerung zumindest für die eigentliche Unterrichtsstunde. „Immer wieder habe ich Kopfweh und mir ist schwindelig. Unser Schultag geht oft bis 16 Uhr, da ist der Mund-Nasen-Schutz eine enorme Belastung“, sagt sie. Auf der anderen Seite zählt bei ihr ein Elternteil zur Risikogruppe. „Als Kind spüre ich da eine hohe ­Verantwortung.“

Eine Einschätzung, die Susanne Koehn, deren Kind ebenfalls auf die Golzheimer Schule geht, gut nachvollziehen kann. „Im Herbst wird weniger gelüftet, schon deshalb muss es im Sinne des Infektionsschutzes bei den Masken bleiben – auch während des Unterrichts.“

Dass das aktuelle Prozedere die Schüler belastet, erlebt Kristina Mandalka, Leiterin der Georg-Schulhoff-Realschule, jeden Tag aufs Neue. „Aber solange wir den täglichen Präsenzunterricht für alle zum Maßstab machen, bleiben kaum Spielräume. In den vollen Klassen können wir keine Abstandsregeln einhalten“, sagt die Pädagogin, die für 21 Klassen nur 18 Klassenräume zur Verfügung hat. Eine Lücke, die sie durch die Umwidmung von Fachräumen ausgleichen kann.

Könnte die Mischung von
Präsenz-Unterricht und Lernen auf Distanz die Maskenpflicht überflüssig machen?

Grundsätzlich ja. Denn weniger Schüler vor Ort bedeuten kleinere Klassen und Lerngruppen. Auf eine Maskenpflicht könnte verzichtet werden, weil Mindest-Abstände wieder eingehalten würden. Doch die Meinungen darüber gehen weit auseinander. „Ich würde mir ein solches Modell wünschen“, sagt Angelika Pick, Leiterin des Lore-Lorentz-Berufskollegs. Mischformen zwischen Präsenz-Unterricht und Lernen auf Distanz hält sie für machbar. „Man kann das auf die Kette kriegen, wenn man sich dahinterklemmt“, sagt die erfahrene Pädagogin und ist davon überzeugt, dass man dabei sogar die Lehrpläne einhalten kann.

Zurückhaltender ist Kristina Mandalka. „An unserer Realschule käme theoretisch ein Modell mit A- und B-Woche, bei dem jeweils die Hälfte der Schüler vor Ort und die andere Hälfte zuhause lernt, infrage“, sagt sie. 200 i-Pads gebe es inzwischen für 640 Schüler. Damit könne man schon etwas anfangen. „Aber bislang können wir die Geräte gar nicht ausleihen, weil uns die Vorlagen für die Nutzungs- und Leihverträge fehlen.“ Für Inge Schleier-Groß sprechen vor allem pädagogische Gründe gegen ein Zwei-Säulen-Modell. „Im Lockdown haben Kollegen Hausbesuche gemacht, um Schüler zu erreichen“, sagt sie. Zudem gebe es in einigen Elternhäusern oft nur ein mobiles Endgerät und eine Billig-Flat mit kleinem Datenvolumen. „Wir erreichen längst nicht alle so, wie wir es müssten, um die zweite Säule gleichwertig zu machen“, sagt sie.

Ähnlich sieht das Wolfgang Drummer. Er ist Vater einer 14-jährigen Gymnasiastin. „Im Präsenzunterricht gibt es sechs Stunden Unterricht am Tag plus eine Stunde Hausaufgaben. Beim Home Schooling halte ich im besten Fall drei Stunden Lernzeit für realistisch.“ Drummers Prognose: „Wir werden auch im Unterricht noch länger mit dem Mund-Nasen-Schutz leben müssen.“