Neuer Ort für Erinnerungsarbeit Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat neues Bildungszentrum mitten in der Altstadt

Düsseldorf · Das neue Beatrice-Strauss-Bildungszentrum zieht in ein Gebäude, das selbst eine interessante Historie hat.

Das neue Beatrice-Strauss-Zentrum als räumliche Erweiterung der Mahn- und Gedenkstätte ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden. Das sei „ein großer Schritt nach vorne und eine wichtige räumliche Entlastung“, sagte der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann. Die Einrichtung sei inzwischen zu klein für das große Angebot, das sie bereithalte. Das Zentrum befindet sich an der Marktstraße 2 im Herzen der Altstadt, direkt gegenüber dem Rathaus und nur wenige Minuten zu Fuß von der Gedenkstätte an der Mühlenstraße entfernt. Künftig sollen es beispielsweise Schulklassen und Jugendgruppen für Workshops nutzen, aber auch Abendveranstaltungen sind hier geplant.

„Die Mahn- und Gedenkstätte leistet seit Jahrzehnten bedeutende Arbeit in der Demokratiebildung, der Bildungs- und Erinnerungsarbeit“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU). Wie wichtig dieser Auftrag sei, zeige auch die Weltlage. „Die letzten Monate waren in besonderer Weise aufwühlend“, sagte Keller: Noch immer tobe der schlimme Krieg in der Ukraine, zudem habe der Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober Leid über die Familien in Israel gebracht. Man stehe „an der Seite unserer israelischen Freunde“, betonte Keller. Natürlich sehe man auch das große Leid der Zivilbevölkerung in Gaza; der Krieg aber sei durch den Angriff der Hamas entstanden – und man werde „keine Täter-Opfer-Umkehr akzeptieren“.

Die Räume in dem Gebäude an der Marktstraße wurden von der Stadt nur angemietet – hier befand sich einst der marktseitige Eingang des 1905 an dieser Stelle errichteten jüdischen Warenhauses Gebrüder Hartoch AG. Für die aktuelle Nutzung wurden die Räume barrierefrei ausgebaut und unter anderem mit Leinwänden, einer Bühne und einem Beamer ausgestattet. Geblieben ist jedoch ein Merkmal, das sich kaum übersehen lässt: „Nicht die Beamer-Leinwand hängt schief, das Dach hat eine Neigung“, sagte Bastian Fleermann mit Blick auf die leicht schräge Anmutung der hinteren Raumwand.

Pädagogin war nach
Minsk deportiert worden

Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte und die Bezirksvertretung 1 haben den Umbau finanziell unterstützt. Trotzdem würden in den kommenden Monaten noch weitere Hilfen für die Ausstattung benötigt, betonte die Vorsitzende des Förderkreises, Henrike Tetz – nach den Sommerferien soll die pädagogische Arbeit der Einrichtung starten. Der neue Raum ist dem Andenken an die deutsch-jüdische Wissenschaftlerin und Pädagogin Beatrice Strauss gewidmet, die an der Jüdischen Volksschule an der Kasernenstraße unterrichtete. Die bei ihren Schülern beliebte Pädagogin war 1941 von Derendorf aus nach Minsk deportiert und später dort ermordet worden.

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