Düsseldorf: Klimanotstand? „Der Diesel rechnet sich einfach immer noch“

Umwelt : Abgasskandal: „Der Diesel rechnet sich einfach immer noch“

Nach einem leichten Rückgang stabilisiert sich die Nachfrage. Gerade Gewerbetreibende nutzen Diesel-Fahrzeuge.

Am 4. Juli rief der Stadtrat mit knapper Mehrheit den Klimanotstand aus. Umweltspuren werden ausprobiert und die Diskussion um Dieselfahrverbote erhitzte in den letzten Monaten die Gemüter. Bleibt die Frage, wirkt sich diese Entwicklung irgendwie auf den Autokauf aus? Wer fährt und schafft denn überhaupt noch einen Diesel an?

Bernhard Brinkmann zum Beispiel. Der 59-jährige ist Tischlermeister und viel im Stadtgebiet unterwegs. „Das geht nur mit einem Diesel. Ein Benziner wäre einfach zu teuer“, meint Brinkmann. Er habe schon einmal über einen Hybrid nachgedacht. „Aber am Ende bin ich bei meinem Transporter geblieben.“ Und ein Elektroauto, wäre das keine Option? „Ganz klar nein“, wehrt er ab und fragt zurück: „Glauben Sie wirklich, das sei eine Alternative? Das ist doch viel zu kurz gedacht“, wird der Handwerker deutlich. „Allein was die Herstellung der Batterien an Energie verschlingt“.

Jörg Heeckt, Verkaufsleiter der Ford NRW-Garage Düsseldorf, sieht es genauso. „Für die Batterien werden seltene Erden verwendet. Das ist nicht nur teuer, sondern auch ökologisch mehr als bedenklich. Doch leider wird es sich wohl dahin entwickeln“, wagt er eine Zukunftsprognose.

Hybrid- oder E-Autos sind vielen Kunden einfach zu teuer

Im vergangenen Jahr und auch Anfang 2019 konnte Jörg Heeckt einen Rückgang der Diesel-Nachfrage verzeichnen. Dazu passen die Erhebungen des Amtes für Statistik: War die Zahl der zugelassenen Diesel-Fahrzeuge in der Stadt seit zehn Jahren stetig gestiegen, ging sie 2018 erstmals wieder zurück, um rund 1500 auf knapp 118 000 Fahrzeuge im Verhältnis zu 307 571 zugelassenen Pkw insgesamt in der Stadt. Nun stabilisiere sich aber die Zahl der Verkäufe von Dieselfahrzeugen wieder, sagt Heeckt.

Eine Erklärung hat er auch dafür: „Gewerbetreibende, insbesondere Handwerksbetriebe oder Zulieferer, haben eigentlich kaum eine andere Wahl, als weiterhin Diesel zu fahren.“ Schließlich seien Benziner einfach zu kostenintensiv. „Wir sprechen hier vor allem von Unternehmen, die oft gerade so über die Runden kommen, nur wenige Mitarbeiter haben oder Handwerker, die selbständig sind“, stellt der Verkaufsleiter klar. „Die haben in der Regel nicht das Geld, einen Hybrid oder sogar ein E-Auto zu leasen.“

Abgesehen davon hätten die neueren Dieselmodelle ja alle einen „Euro6“-Motor, mit dem man auch im Falle von Fahrverboten wohl in die betroffenen Innenstädte käme.

Bei Privatpersonen sei das nicht so viel anders wie bei gewerblich genutzten Fahrzeugen, ist Heeckt überzeugt. „Die werden nur durch Preise und niedrige Leasingraten überzeugt, keinen Diesel mehr zu kaufen“, meint er und fügt hinzu, dass sich ein Benziner für Vielfahrer einfach nicht rechnet, weil die Spritkosten zu hoch seien.

Ein paar Meter weiter auf Düsseldorfs Automeile in Flingern stellt Hartmuth Friese gerade seinen VW-Diesel ab. „Ich fahre den schon viele Jahre und bin zufrieden damit“, bilanziert der Versicherungskaufmann. Er sei viel im Außendienst unterwegs und da sei das „Thema preiswert tanken omnipräsent. Die Preise schwanken nur oft innerhalb eines Tages so dramatisch“, kritisiert der 47-jährige.

Einen Benziner zu kaufen, wenn sein Wagen ihm den Dienst einmal quittiert, ist für Hartmuth Friese keine Option. „Vielleicht probiere ich es dann mal mit einem Hybrid.“ Einem reinen E-Mobil traut er „noch nicht so richtig über den Weg.“ Da müsse sich noch einiges tun. Beispielsweise mit einem größeren Stromtankstellenangebot.

Johannes Herbrand, Verkaufsberater in der Seat-Niederlassung, sieht keine nennenswerten Veränderungen in der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. „Da hat sich nicht viel getan in den letzten Monaten. Sie ist sogar ganz gut, bedingt durch das Leasing.“ Zwar seien Stickoxidbelastung und Fahrverbote auch bei seinen Kunden ein Thema, „aber nicht so, dass die Leute Abstand von einem Dieselkauf nehmen würden“. Denn am Ende seien es immer die gefahrenen Kilometer und die damit verbundenen Kosten, die eine Entscheidung pro Diesel begünstige. „Der rechnet sich einfach immer noch“, sagt Herbrand.

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