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Düsseldorf: Kit-Café wird zur Toilette der Altstadt

Achim Spyra im Interview : Café beklagt mehr „Fremdpinkler“

Das KIT-Café hat ein dringendes Problem: Viele Besucher nutzen die Toiletten, aber nicht die Gastronomie.

Seit neun Jahren führt Achim Spyra das Café im Kunst im Tunnel (KIT). Hier gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen, das Museumscafé ist auch ein Hotspot für Live-Musik – mit langen Öffnungszeiten. In Rheinlage am Mannesmannufer ist das KIT-Café so zum Anlaufpunkt für Besucher geworden, die dort nur eines wollen: auf Toilette gehen. Und das wird immer mehr zum Problem, sagt der
Wirt.

Wenn ich am Rhein unterwegs bin, zur Toilette muss und am KIT vorbeikomme – darf ich dann in Ihrem Café vorbeischauen?

Achim Spyra: Das durften Sie früher. Das haben wir so gehandhabt, als wir hier alleine waren, und die vielen Besucher der Promenade überhaupt keine andere Möglichkeit hatten.

Seit wann ist das ein
Problem?

Spyra: Mit der Eröffnung des Stadtstrands ist leider das eingetreten, was wir befürchtet hatten: Das Problem hat sich für uns vergrößert. 2019 sind viele Besucher der Rasengastronomie einfach weiter zu uns gekommen, weil die Toiletten dort nicht ausreichend kommuniziert waren. Die öffentlichen Toiletten in der Nähe wurden um 21 Uhr geschlossen. Ganz praktisch hat das für uns bedeutet: Jeden Montag musste eine Sanitärfirma vorbeikommen und die Abflussrohre reinigen. Deshalb haben wir Oberbürgermeister Thomas Geisel vor zwei Jahren einen Brief geschrieben mit der Bitte, sich diesem Problem
anzunehmen.

Warum hat sich die
Situation nun weiter
verschlimmert?

Spyra: Durch die zusätzliche Verkaufsstelle sind wir zur Außenstation der Altstadt geworden. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen müssen wir aber darauf achten, dass die Menschen Abstand halten und sich registrieren. Das ist kompliziert genug und nur bei den Gästen des Cafés möglich. Das heißt, wir müssen alle im Auge behalten, die das Café betreten und auf die Abstände und Regeln hinweisen. Manche Personen wollen das nicht wahrhaben, täuschen vor, sie seien Gäste, und diskutieren lautstark, werden ausfallend, beleidigend und versuchen sogar, sich den Zugang zu den Toiletten handgreiflich zu erzwingen.

Welche Folgen hat das für Sie?

Spyra: Wir haben Einschränkungen dadurch im Betrieb. Die Fremdpinkler müssen mitten durch das Café, um zu den Toiletten gelangen, durch das Herz unserer Gastronomie. Das ist auch für die zahlenden Café-Gäste an den Tischen unangenehm. Sie werden dann damit behelligt, wenn wir mit den Toiletten-Besuchern diskutieren. Das können wir nicht mehr akzeptieren. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Toiletten vom KIT einladender sind als Container. Aus Platzgründen können hier aber nicht alle auf Toilette gehen. Wir können nicht das Klo für die erweiterte Altstadt sein.

Warum trifft es gerade Ihr Café?

Spyra: Das liegt an den fehlenden Alternativen. Gerade bei gutem Wetter sind viele Leute am Rheinufer unterwegs. Hinter der Rheinkniebrücke gibt es eine öffentliche Toilette, die ist aber recht weit weg. Und am Stadtstrand gibt es Toiletten-Container, die schließen teilweise früher, als dort Getränke verkauft werden. In ihrer Not kommen die Leute dann zu uns. Inzwischen ist auch das Wildpinkeln derart verbreitet, dass viele Häuser in der Nachbarschaft inklusive das Gebäude des KIT an einigen Stellen unangenehm riechen.

Wie gehen Sie mit dieser
Problematik um?

Spyra: Wir haben zwar Schilder aufgehängt, dass die Toilettennutzung wegen Corona derzeit nur Café-Gästen vorbehalten ist. Daran halten sich aber die Wenigsten. Wir gehen auf die Leute zu und sprechen mit ihnen, was aber immer wieder zu Auseinandersetzungen führt. Das einzige, was helfen würde, wären mehr Toiletten am
Rheinufer.

Woran hapert es?

Spyra: Die Verantwortlichen der Stadt müssen einsehen, dass es nicht genügt, immer neue Gastronomie-Angebote zu schaffen. Das ist an dieser Stelle, am Mannesmannufer, kontraproduktiv. Der Stadtstrand wurde vor zwei Jahren politisch durchgesetzt. Im Ausschreibungstext ist explizit vermerkt worden, das wir als KIT-Café keine Nachteile haben sollen. Die Praxis sieht aber anders aus.