Düsseldorf: „Keine Angst, von den Großen geschluckt zu werden“

Literaturszene : „Keine Angst, von den Großen geschluckt zu werden“

Interview Seit 30 Jahren gibt es die Buchhandlung Müller & Böhm. Wir sprachen mit ihren beiden Machern.

30 Jahre Müller & Böhm, das ist in der Branche der kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen ein Grund zum Feiern. Wir sprachen mit den Leitern des Geschäfts an der Bolkstraße im Geburtshaus von Heinrich Heine. Selinde Böhm und Rudolf Müller sind 2006 von der Neustraße hierhin umgezogen.

Erinnern Sie sich noch an die Lage auf dem Buchmarkt vor 30 Jahren?

Selinde Böhm: Vor 30 Jahren gab es noch kein Internet, auch keinen Internethandel, insofern war das eine vollkommen andere Situation.

Wie hat sich Ihr Sortiment in den Jahren verändert?

Böhm: Das Sortiment hat sich bis heute nicht wesentlich verändert, vielmehr gibt es eine Kontinuität im Sortiment mit den Schwerpunkten in der Belletristik, Lyrik, Philosophie, dem Sachbuch in Geschichte und Kulturgeschichte, dem Kinder- und Jugendbuch und Graphic Novel. Nicht zu vergessen die Krimi-Abteilung!

Wie sieht Ihr Kundenspektrum aus?

Müller: Das Sortiment richtet sich an alle Literaturbegeisterten, es ist in dieser Breite und Tiefe auch überregional einzigartig.

Was ist das Besondere am Heine-Haus?

Böhm: Außergewöhnlich ist natürlich der Standort im Geburtshaus von Heinrich Heine, mit seinem Veranstaltungsraum, der nur durch die Buchhandlung zugänglich ist. Seit Ende 2017 ist dieser hintere Teil auch offiziell das Literaturhaus für Düsseldorf. Eine Literaturhandlung mit der Front zur Bolkerstraße , “der längsten Theke der Welt”, das ist wahrhaft einzigartig.

Was muss und kann eine inhabergeführte Buchhandlung tun, um sich gegen Online-Versandhändler zu behaupten?

Müller: Die Kundenberatung und Kundenbindung war immer schon unser zentrales Anliegen, dafür gibt es viele Beispiele, etwa die “Bücherkette” durch die Altstadt  beim Umzug von der Neu- auf die Bolkerstraße 2006 und nun das Foto-shooting und -präsentation mit Katharina Mayer “Volles Haus” 2019.

Gerade haben zwei Große (Mayerische und Thalia) ihre Fusion bekannt gegeben. Haben Sie Angst davor, von denen ‚geschluckt’ zu werden?

Böhm: Die Literaturhandlung hat vier mal in Folge den Deutschen Buchhandlungspreis gewonnen, 2015-2018. Sorge, von den “Großen” geschluckt zu werden, haben wir so gesehen nicht.

Wird es inhabergeführte Buchhandlungen in Zukunft noch geben?

Müller: Eine derart inhabergeführte Buchhandlung, die das Sortiment und die Kunden ernst nimmt, die wird es sicher auch in 20 Jahren noch geben.