Düsseldorf: Kann ein neues Schwimmbad den Stadtteil Unterrath retten?

Stadtplanung : Kann ein neues Schwimmbad den Stadtteil Unterrath retten?

Analyse Die dreistündige Diskussion im Bezirksrathaus Rath macht deutlich, dass mehr als ein neues Bad nötig ist, um das Zentrum an Kalkumer und Unterrather Straße mit neuem Leben zu erfüllen.

Vor fünf Jahren klagte die damalige Vorsitzende des Bürgervereins Unterrath, Erika Prill, ihr Leid: „Es wäre wunderschön, wenn Unterrath belebter wäre. Es wäre gut, wenn es ein blühender Stadtteil würde. Da sollten sich die Politiker endlich einmal Gedanken machen, schließlich wohnen hier 35 000 Menschen. Aber noch nicht einmal ein Café gibt es.“ Nun soll ausgerechnet ein neues Schwimmbad für den Aufschwung sorgen. Über drei Stunden diskutierten die Politiker im Rather Bezirksrathaus den Standort. Sie taten es so, als könnten Badenixen Wunder bewirken. Wir fragen: Wie kann man wirklich den Stadtteil aufwerten?

Der Rückblick zeigt, dass die Ideen für den Neuanfang fehlen

Die Alteingesessenen rund um die Unterrather und Kalkumer Straße leben gern in Unterrath, wie eine Analyse der damaligen Fachhochschule Düsseldorf bewiesen hat. Sie zahlen noch relativ preiswerte Mieten, haben oftmals große Gärten und wollen daher ein Leben lang dort bleiben. Der echte Unterrather möchte dort sein ganzes Leben verbringen.

Die Kehrseite aber ist, dass dort herzlich wenig los ist. Selbst die Karnevalisten halten ihre närrische Sitzung nicht mehr auf ihrem Schützenplatz ab, weil die Diebe ungestört die Musikanlagen demontieren können. Im Gegensatz zu Unterrath aber blühen Mörsenbroich und Rath dank des Projekts „Soziale Stadt“ auf. Soeben werden die Betonmauern für die Parkourläufer am Bunker Münsterstraße errichtet. Es gibt einen Dirtplatz, einen Abenteuerspielplatz, ein Jugendtheater in der Nachbarschaft und den  Rather Korso mit dem neu gestalteten Bolzplatz Osterfelder Straße und der neuen Picknick-Wiese. All diese Dinge sind in Unterrath Fehlanzeige.

Doch jetzt spüren die Politiker in der Bezirksvertretung 6: Wenn man den Unterrathern das Schwimmbad Mettlacher Straße abreißt, aber den Neubau an den Großmarkt (Piwipp/Ulmenstraße) setzt, fehlt das Einzige, was sie haben. Stundenlang debattierten sie jedoch nicht über den von der Verwaltung vorgeschlagenen Standort Ulmenstraße, sondern über ein Areal zwischen den sogenannten Unterrather Toren, also zwischen Thewissenweg und Piwipp, die direkt an den Standort Ulmenstraße grenzen.

Eigentümer der Unterrather Tore will sofort sein Areal bebauen

Dieses Areal möchte die SPD in die Überlegungen für einen Bäderstandort einbezogen haben, denn nur großräumig lasse sich Unterrath an der Grenze zu Derendorf entwickeln. Dazu muss allerdings der Investor auf seinem Privatgründstück mitmachen, und das tut er nicht. Er will  nach Paragraph 34 und mithin bauen und nicht warten, bis Verwaltung und Politik zu Potte kommen. Nach Auskunft von Stadtplaner Markus Stranzenbach steht sein Areal nicht mehr zur Verfügung.

Nach Meinung von SPD-Sprecher Peter Rasp könne der alte Standort des Bades an der Mettlacher Straße dem Stadtteil nicht mehr aufhelfen. Er pocht daher auf einen neuen Bebauungsplan, was eine zwei- bis dreijährige Verzögerung auch für das neue Bad bedeuten würde. Stadtplaner Stranzenbach versprach, man werde am Unterrather Tor etwas „Ordentliches“ entwickeln und die Leerstände abschaffen, gemeinsam mit dem Eigentümer. Das geschehe aber unabhängig von einem neuen Bad.

Nun musste Verwaltungsstellenleiter Ralf Hagelüken das Rechtsamt einschalten, um zu erreichen, dass endlich über den konkreten Standort für das Schwimmbad gesprochen wird. Hier sind die Fronten längst klar: Ablehnung des Standorts Großmarkt, bei dem die Bezirksvertretung 6 außen vor wäre, denn er liegt im Innenstadt-Derendorf-Bezirk. Über 1200 Unterschriften zeigen außerdem, wie die WZ berichtete, den Bürgerwillen. CDU, FDP und Linke bleiben beim Nein gegen den Verwaltungsvorschlag der Verlagerung des Bads an den Großmarkt. Die SPD zog den Kürzeren.

Die CDU möchte am alten Standort in Unterrath nicht nur das neue Bad, sondern auch die Verwaltungsstelle mit der Bezirksvertretung sowie den Bürgersaal haben. Auch eine Kita ist erwünscht. Zudem könnte die Stadtbücherei ins Nachbargebäude wechseln und wäre dort barrierefrei. Der allgemeine Tenor: Das Bad muss einen Mehrwert für Unterrath bringen. Ob dies erreicht wird, wenn dort die Bezirksvertretung tagt, ansonsten nur ein paar Stühle gerückt werden, sei dahingestellt. Der Rat trifft am 19. September seine Entscheidung.

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