Schützenfest in Düsseldorf In Lierenfeld ist der Schützenchef auch König

Düsseldorf · Die Lierenfelder haben das 100-jährige Bestehen des St.-Sebastianus-Schützenvereins gefeiert. Zum Jubiläum gab es ein besonderes Konzert. Zudem ist der Schützenchef, Wolfgang Liembd, nun auch der König.

 Regimentskönig Wolfgang Liembd (links) mit seinem Vorgänger Marcel Nowak.

Regimentskönig Wolfgang Liembd (links) mit seinem Vorgänger Marcel Nowak.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Die wenigsten der mehr als 600 Kölsch-Rock-Fans im Festzelt am Wilhelm-Heinrich-Weg in Lierenfeld wussten, wem sie das Konzert der „Bläck Fööss“ zu verdanken hatten. „Meine Enkelin Johanna hatte die Idee. Sie ist Bläck Fööss-Fan und hat schon ein paar Konzerte gesehen“, erläutert Wolfgang Liembd, Vorsitzende der Lierenfelder Schützen. „Und weil wir in diesem Jahr das 100-Jährige des St.-Sebastianus-Schützenvereins Lierenfeld feiern, haben wir uns das gegönnt, obwohl es ein Risiko gewesen ist.“

Kein musikalisches Risiko, denn die Lierenfelder Schützen wissen seit 1978, als die Bläck Fööss zum ersten Mal beim Schützenfest im ehemaligen Industriestadtteil auftraten, was man von der kölschen Band erwarten kann. Es war ein finanzielles Risiko, gehören die „nackten Füße“, wie die hochdeutsche Übersetzung des Bandnamens lautet, doch zu den bekannteren Musikgruppen Deutschlands und demzufolge nicht für ‚n Appel und ‚n Ei zu einem Auftritt zu bewegen. „Wir haben das Risiko über Sponsoren abgefedert“, erläutert Liembd. „Aber als wir die 600 Karten verkauft hatten, mussten wir die Sponsorengelder nicht anrühren.“

Die Band bot genau das, was die Fans von ihr erwartet haben. Klassiker wie „Mer losse de Dom en Kölle“ wechselten sich ab mit neueren Liedern. Und die Fööss wussten über die gemeinsame Geschichte der Band mit den Schützen Bescheid, obwohl keiner der aktuellen Bandmitglieder vor 46 Jahren auf der Lierenfelder Bühne stand. „Das Lied hatten wir 1978 auch schon im Gepäck“, meinte Bläck Fööss-Frontmann Mirko Bäumer, nachdem sie „Drink doch eine mit“ intoniert hatten.

Musikkapellen sorgten
für schmissige Märsche

Zum Jubiläum der St.-Sebastianus-Schützen in Lierenfeld ist fast alles ein bisschen größer als sonst. So gesellten sich bei der Parade zu den 160 aktiven Lierenfelder Schützen noch viele befreundete Kompanien aus anderen Vereinen. Außerdem sorgten insgesamt zwölf Musikkapellen für schmissige Märsche während des Defilees. „Normalerweise marschieren so 200, 250 Leute bei uns mit. Diesmal haben wir 800 Schützen in der Parade“, verrät der Schriftführer der Lierenfelder Schützen Oliver Hendel. Die St. Sebastianus-Schützen feiern während ihres Jubiläums auch die Weltoffenheit ihres Vereins. „Bei uns ist es völlig egal, welche Nationalität jemand besitzt, welcher Religion er anhängt, welchem Geschlecht er oder sie angehört oder welche sexuelle Orientierung man besitzt, bei uns kann jeder und jede Mitglied werden. Und jeder und jede kann bei uns König oder Königin werden“, so Liembd. „Wir haben aktuell Mitglieder aus der Türkei, Kosovo-Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien. Viele von ihnen haben sich auch schon in verantwortlicher Position für uns engagiert.“

Das macht auch der Protektor des St.-Sebastianus-Schützenvereins Lierenfeld Wilhelm Graf von Spee. Die von Spees sind seit Gründung des Vereins die Protektoren. Wie und warum das passierte, weiß man nicht mehr so genau. „Ich wüsste nicht, das wir damals echte Verbindungen nach Lierenfeld gehabt haben. Vielleicht war mein Urgroßonkel der einzige Adlige, den sie gefunden haben, der bereit war, die Aufgabe zu übernehmen“, meinte von Spee augenzwinkernd. „Seitdem sind wir als Schirmherren immer dabei.“ Auch beim Schützenfest. „Ich versuche immer beim Schützenfest da zu sein“, erklärt der Protektor, der zugibt eher BAP als Bläck Fööss-Fan zu sein. „Aber das ist nicht der einzige Kontakt, den ich mit den Schützen habe. Ich telefoniere regelmäßig mit Wolfgang Liembd. Und wenn Not am Mann ist, gibt es auch weitere Gespräche.“ Aber es sei noch nie Not am Mann gewesen. „Liembd hat alles gut im Griff“, lobt Graf Spee.

Auch die Anmoderation der Bläck Fööss im Festzelt. „Die habe ich zusammen mit meiner Enkelin Johanna gemacht. Sie war ganz schön nervös“, gesteht Liembd. Verständlich, ist Johanna doch echter Fan von der Band aus Köln und stand nun erstmals mit ihnen zusammen auf der Bühne.

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