Düsseldorf: Im Namen der Mutter, der Tochter und der Heiligen Geistin

Internationaler Frauentag : Im Namen der Mutter, der Tochter und der Heiligen Geistin? So steht’s um Frauen und Kirche

Eine Katholikin, eine Protestantin und eine Atheistin diskutieren über dringende Wünsche von Frauen in der Kirche, eine humanistische Alternative und die Chancen durch die Ökumene.

Frau Fehndrich, die Katholische Frauengemeinschaft in Münster plant unter dem Titel „Maria 2.0“ einen Kirchenstreik zwischen dem 11. und 18. Mai. Beteiligen sich die Düsseldorferinnen daran?

Kornelia Fehndrich: Wir haben dazu schon einige Anfragen bekommen und werden in der Stadtdekanatsversammlung am 13. März beraten, ob und wie wir uns beteiligen.

Was hat sich verändert, dass Frauen einen solchen Streik erwägen?

Fehndrich: Wir haben in den letzten Jahren eine Veränderung erlebt. Auch ältere Frauen in der Kirche sind kritisch geworden, vor allem aufgrund der Missbrauchsfälle.
Der Gehorsam bricht weg, der Missbrauchsskandal war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Was sind die damit verbundenen Forderungen oder Wünsche?

Fehndrich: Weibliche Spiritualität. Wir wünschen uns, dass eine Frau am Altar steht und predigt oder die Eucharistie leitet. Es geht um mehr Beteiligung, mehr Mitsprache, mehr Macht. Macht im Sinne von Machen. Frauen sind Macher.

Ricarda Hinz: Frauen werden in der Kirche seit 2000 Jahren zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Sexismus gehört zum Markenkern patriarchaler, religiöser Mythen.

Frau Albrecht, geht es der evangelischen Kirche in diesem Punkt besser als der katholischen?

Irmgard Albrecht: In der Öffentlichkeit wird kein großer Unterschied zwischen den beiden Konfessionen gemacht. Wenn wir nach dem Grund für einen Austritt fragen, werden oft die Missbrauchsfälle genannt.
In einem Punkt ist die Situation bei uns anders: Ein großer Teil der Pfarrstellen ist von Frauen besetzt. Im Ehrenamt dagegen haben Frauen eher dienende Aufgaben und Männer eher leitende. Das sehen Frauen sehr kritisch. Wenn die ehrenamtlich arbeitenden Frauen streiken würden, würde in den Gemeinden nicht mehr viel funktionieren.

Frau Hinz, wie beurteilen Sie als Atheistin die Situation?

Hinz: Ich halte es nicht für richtig, zu warten, dass die Machthaber einsehen, dass sie Fehler gemacht haben und etwas ändern müssen. Religion kann wie ein Gefängnis im Kopf sein. Wir müssen Auswege aus diesem Gefängnis aufzeigen, damit sich jede frei aussuchen kann, ob und was sie glaubt.

Fehndrich: Ich bin Kommunionhelferin und Lektorin, weil ich es wichtig finde, dass Frauen am Altar sind. Ich bin aber auch eine kritische Katholikin. Mir sagt kein Priester, was ich zu denken, leben und glauben habe.

Hinz: Die Zehn Gebote sind Gebote von Männern für Männer, in denen Frauen wie Sachen behandelt werden. Wenn man die ethisch-philosophisch analysiert, bleibt wenig Brauchbares übrig. Es gibt keine Göttinnen. Was macht das mit Mädchen, wenn es immer nur Vater, Sohn und Heiligen Geist gibt?

Albrecht: Das stimmt nicht mehr so ganz. Bei uns ist Gott nicht nur Vater, sondern auch Mutter, und es gibt auch die Heilige Geistin.

Fehndrich: In der Katholischen Frauengemeinschaft wird das auch gemacht, in der Amtskirche allerdings nicht.

Könnten Sie sich vorstellen, dass es soweit kommt, dass Sie auch aus der Kirche austreten?

Fehndrich: Ich bin stark katholisch sozialisiert. Es gab aber schon Phasen, in denen es mir wirklich schwer gemacht wurde, in der Kirche zu bleiben. Letztlich denke ich aber, dass ich nur etwas ändern kann, wenn ich in der Kirche bleibe.

Albrecht: Das ist bei mir auch der Grund. Die Institution Kirche ist für mich persönlich gar nicht so wichtig, mein Glaube ist mir wichtig. Aber nur in der Institution Kirche kann ich an den Machtstrukturen kratzen.

Fehndrich: Ich will Sand im Getriebe sein. Und zwar nicht nur ein Sandkorn, sondern ein Stein.

Frau Hinz, können Sie diese Haltung nachvollziehen?

Hinz: Meiner Meinung nach sollte man die Kirchen öffnen, das eine Buch rauswerfen und stattdessen Bibliotheken aufmachen und sie in demokratische sozio-kulturelle Zentren verwandeln. Ich mag es, dass sich Menschen dort treffen und austauschen. Aber es sollte ohne absolute Wahrheiten möglich sein, denn die gibt es nicht.

Was müsste denn passieren, damit Sie sich einer Institution anschließen?

Hinz: Ich habe mich einer angeschlossen, ich bin im Verband der säkularen Humanisten. Da ist der kritische Rationalismus eingebaut. Das einzige Dogma ist, dass es kein Dogma gibt.

Welche Chance bietet die Ökumene, die beschriebenen Probleme zu lösen?

Fehndrich: Sie ist unsere größte Chance.

Albrecht: Wir hören aufeinander, wir wissen von einander, wir machen uns gemeinsam auf den Weg. Ganz wichtig ist mir dabei: Frauen müssen nicht gefördert werden, sondern zu ihrem Recht kommen.

Fehndrich: Ich erlebe das immer wieder bei ökumenischen Gottesdiensten, welchen Unterschied es macht, wenn Frauen predigen.
Dann sagen ganz viele: Sie hat mir aus dem Herzen gesprochen.