Neues Integrationsprojekt in Düsseldorf Im Hotel Friends sollen 40 Flüchtlinge wohnen und arbeiten

Düsseldorf · In dem leer stehenden Haus am Worringer Platz sollen Geflüchtete wie in einer WG zusammenleben und Hotellerie erlernen.

Der markante Eingang des „Hotel Friends“ am Worringer Platz, als es noch in Betrieb war. Dort sollen bald Flüchtlinge einziehen.

Der markante Eingang des „Hotel Friends“ am Worringer Platz, als es noch in Betrieb war. Dort sollen bald Flüchtlinge einziehen.

Foto: HFD/Hotel friends Düsseldorf

38 Zimmer, von denen keines dem anderen gleicht – dafür war das Hotel Friends am Worringer Platz bekannt. Im November hatte sich der Geschäftsführer nach 20 Jahren zurückgezogen und die Hoteltüren geschlossen. Nun möchte die Stadt Düsseldorf das Haus anmieten und dort ein neues Modellprojekt starten. Unter dem Namen „Building Friends“ soll dort eine Art Wohngemeinschaft für Geflüchtete entstehen, die gemeinsam in dem ehemaligen Hotel leben, dort Jobtrainings in Hotellerie und Gastronomie bekommen und schließlich auch das Haus bewirtschaften, etwa für Hotelgäste oder Events. Das übergeordnete Ziel: Die Geflüchteten sollen Ausbildungsplätze und Arbeitsstellen finden.

Dass die Stadt das ehemalige Hotel anmieten wolle, kursierte schon länger. Nun stecke man in Vertragsverhandlungen mit den Eigentümern, sagt Miriam Koch, Dezernentin für Kultur und Integration. Sie hatte das Haus besichtigt und wusste sofort, dass es kein Ort für eine reine Asylunterkunft sei, sagt sie. So sei die Idee für das neue Integrationsprojekt entstanden, das Leben, Lernen und Arbeiten verbinden soll.

Die Organisation Hispi (Hilfe bei der sprachlichen Integration) soll die Begleitung in dem Wohnprojekt übernehmen. Es richtet sich vor allem an geflüchtete Menschen aus benachteiligten Gruppen – etwa alleinreisende Frauen, Auszubildende, Wohnungslose mit Fluchtgeschichte und LSBTIQ+-Personen. Die Auswahl der Bewohnerinnen und Bewohner erfolgt über ein Bewerbungsverfahren, sagt Karin Diane Jungjohann, Geschäftsführerin von Hispi. Dafür wolle man in den Sprachkursen und in dem Netzwerk werben und anschließend Gespräche führen. Sie schließen dann einen Mietvertrag für ein Jahr ab mit Option auf Verlängerung.

In dem ehemaligen Hotel könnten dann etwa 40 Personen in kleinen Appartements leben, gekocht werde wie in einer WG in einer Gemeinschaftsküche. In dem Haus sollen die Bewohnerinnen und Bewohner dann auch Jobtrainings bekommen, passenderweise in Hotellerie und Gastronomie. Die Geflüchteten müssen sich für einen Bereich entscheiden, den sie mindestens zwei Monate testen: Housekeeping, Gebäudemanagement, Service und Küche. Kooperationspartner wie die Handwerkskammer, andere Hotelbetriebe und Gastronomen sollen die Schulungen übernehmen. Aktuell laufe die Suche nach weiteren geeigneten Kooperationspartnern, so Koch. Die Fähigkeiten könnten dann auch gleich genutzt werden. Die Bewohner sollen, so der langfristige Plan, das Hotel wieder neu bewirtschaften. So gibt es Eventräume, die für Veranstaltungen vermietet werden können. Je nach Belegung der Zimmer könnte das Hotel auch wieder Übernachtungsgäste aufnehmen.

Auf diese Weise sollen die Bewohner erste Erfahrungen in den Berufen gewinnen und leichter den Schritt in den Arbeitsmarkt schaffen. Das gelte nicht nur für Geflüchtete, die sich auch langfristig in der Hotellerie oder Gastronomie sehen, sagt Karin Diane Jungjohann, sondern andere Ziele haben, etwa die Anerkennung eines Abschlusses. Doch das Lernen der Sprache und ein Job seien die ersten Schritte.

Miriam Koch sieht das Projekt auch als Chance für den Worringer Platz, der als Treffpunkt für Wohnungslose und Suchtkranke gilt. Sie erhofft sich dadurch eine Stabilisierung, sagt die Dezernentin. „Jedes positiv besetzte Angebot am Worringer Platz verbessert den Sozialraum“, sagt Oberbürgermeister Stephan Keller.

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