Explosion und Brand in Düsseldorf-Flingern Tödliches Feuer in Kiosk war offenbar Brandstiftung

Düsseldorf · Die Ermittler haben deutliche Hinweise auf Brandbeschleuniger gefunden. Auf dem Boden des Kiosks war Benzin verschüttet worden.

 Die Polizei hatte das Brandhaus am Donnerstag für die Spurensicherung abgesperrt. Nun ist klar: Die Ermittler haben Brandbeschleuniger in dem Kiosk gefunden. Unter den Toten ist auch der Betreiber.

Die Polizei hatte das Brandhaus am Donnerstag für die Spurensicherung abgesperrt. Nun ist klar: Die Ermittler haben Brandbeschleuniger in dem Kiosk gefunden. Unter den Toten ist auch der Betreiber.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Der verheerende Brand in einem Wohnhaus in Düsseldorf-Flingern war offenbar kein Unfall. Erste kriminaltechnische und chemische Untersuchungen haben deutliche Hinweise auf Brandbeschleuniger, in diesem Fall Benzin, ergeben. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mitgeteilt. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die brennbare Flüssigkeit in dem Kiosk im Erdgeschoss des Hauses ausgeschüttet worden ist. So sei ein zündfähiges und gefährliches Benzin-Luft-Gemisch entstanden. Das habe zu einer Explosion mit Freisetzung hoher Energie geführt.

Man müsse von einer absichtlichen Tat ausgehen, so ein Polizeisprecher. Die Motivation sei aber noch unklar. Es gebe noch „viele Fragezeichen“. Die Ermittlungen zu der Tat und den Hintergründen dauern an. Derzeit gebe es keine Hinweise auf ein Delikt der politisch motivierten Kriminalität noch auf eine Einwirkung anderer Personen von außen. Es ist also davon auszugehen, dass der Kiosk-Betreiber das Benzin in seinem Laden verteilt hat.

Mittlerweile besteht auch Gewissheit darüber, dass der Geschäftsmann zu den drei Todesopfern zählt. Der 48-Jährige hatte den Laden mit seiner Ehefrau betrieben. Zum Zeitpunkt der Explosion muss er sich im Hausinneren, an einem Zugang zum Kiosk, befunden haben, heißt es von der Polizei. Rechtsmedizinische Befunde legen nahe, dass er unmittelbar an den Folgen der Detonation gestorben ist.

Nach Medieninformationen aus Ermittlerkreisen sind am Donnerstag bereits die Kioskbesitzerin sowie ihre Söhne bei der Polizei zur Vernehmung gewesen. Ihr Mann wurde zu dem Zeitpunkt noch vermisst. Ersten Ermittlungen zufolge soll es in der Familie Fälle von häuslicher Gewalt in den Jahren 2017 und 2022 gegeben haben; auch liegen wohl erste Erkenntnisse über eine mögliche psychische Erkrankung des Ehemannes der Kioskbesitzerin vor. Nachbarn hatten den Mann als „nett“ und „geschäftstüchtig“ beschrieben. Eine Anwohnerin des gegenüberliegenden Hauses hatte am Morgen nach dem Brand versucht, den Kiosk-Betreiber telefonisch zu erreichen, weil sie sich Sorgen machte.

Die Explosion hatte sich am frühen Donnerstagmorgen gegen 2.25 Uhr in dem Haus ereignet, das an der Ecke Grafenberger Allee und Lichtstraße liegt. Von dem Kiosk hatte sich ein Feuer ausgebreitet. Die Flammen schlugen auf die darüber liegenden Wohnungen über. Zwei weitere Menschen starben. Es handelt sich um einen 18-Jährigen und um einen Mann im Alter von 55 Jahren, die beide in dem Mehrfamilienhaus lebten, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Der 18-Jährige wurde leblos im Treppenhaus gefunden, der 55-Jährige lag laut Staatsanwaltschaft tot in seiner Wohnung. Nach dem ersten Befund sind die beiden Männer an den Folgen einer Rauchvergiftung gestorben.

Verletzungen eines
Opfers geben Rätsel auf

Um den 55-Jährigen ranken sich Gerüchte einer angeblichen Verdeckungstat. Denn der Mann hatte Verletzungen erlitten, die weder zur Explosion noch zum Feuer passten, wie Staatsanwalt Martin Stücker bestätigte. Es sei bislang nicht klar, woher diese Verletzungen stammen, eine Fremdeinwirkung lasse sich nicht ausschließen, so der Staatsanwalt. Die Untersuchungen der Sachverständigen sollten Genaueres ergeben. Mit der Theorie, es könnte sich um eine Gewalttat und eine anschließende Vertuschung handeln, stimmten sie jedoch nicht überein, so Stücker.

16 weitere Menschen wurden bei dem Brand verletzt. Sie werden in Krankenhäusern und teilweise in Spezialkliniken behandelt. Bei einer schwer verletzten Frau besteht nach wie vor akute Lebensgefahr. Alle Wohnungen im Gebäude sind nach dem Feuer unbewohnbar, aber nicht einsturzgefährdet. Die Stadt Düsseldorf hatte am Donnerstag 43 Schlafplätze in Hotels und Appartements bereitgehalten. Eine vierköpfige Familie, die sich derzeit noch in einer Klinik befinde, wolle das Angebot nach ihrer Entlassung nutzen, sagte ein Stadtsprecher. Alle anderen Betroffenen sind privat, bei Familienangehörigen oder Freunden, untergekommen.

Die Wucht der Explosion hatte die Fensterscheiben bis in die zweite Etage zerbersten lassen, der Kiosk ist völlig ausgebrannt. Das Feuer griff sogar auf Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite über, die Straße war bedeckt mit Scherben. Am Tag nach dem Brand waren die groben Spuren beseitigt – das Ladenlokal wurde mit Spanplatten verbarrikadiert, die beschädigten Autos abgeschleppt, die Straße gekehrt. Der Gehweg vor dem Haus blieb am Freitag aber nach wie vor gesperrt.

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