Glasfasernetzausbau in Düsseldorf Hellerhofer müssen länger auf schnelles Internet warten

Düsseldorf · Die im August 2022 begonnenen Arbeiten zum Verlegen des Glasfasernetzes musste die Telekom direkt wieder stoppen: Der Untergrund spielt nicht mit. Das Unternehmen will an den Ausbauplänen festhalten, sagt die Stadt.

 Der Stadtteil Hellerhof ist mit schnellem Internet unterversorgt. Deswegen hatte die Telekom im März 2022 mitgeteilt, dass sie den Stadtteil ans Glasfasernetz anschließen wolle. Doch es gibt Probleme beim Ausbau.

Der Stadtteil Hellerhof ist mit schnellem Internet unterversorgt. Deswegen hatte die Telekom im März 2022 mitgeteilt, dass sie den Stadtteil ans Glasfasernetz anschließen wolle. Doch es gibt Probleme beim Ausbau.

Foto: dpa/Matthias Rietschel

Eigentlich fühlt sich die Sitzung der Bezirksvertretung 10 nie an wie eine Werbeveranstaltung. Doch an einem Dienstagabend im März 2022 war alles anders. Zwei Mitarbeiter der Telekom stellten ein Konzept zum Anschluss von Hellerhof an das Glasfasernetz vor. Wenn die Stadtteilpolitiker mit die Werbetrommel rührten und bis Ende 2022 800 Hellerhofer einen entsprechenden Anschlussvertrag unterschrieben, sollten diese, unabhängig davon, ob sie Telekomkunden seien, bis Ende 2023 ans schnelle Internet angeschlossen sein.

Internettechnisch befindet sich der südlichste Stadtteil Düsseldorfs im digitalen Niemandsland. Hellerhofer berichten, dass sie ins Büro fahren müssten, um Online-Konferenzen mit Homeoffice-Kollegen wahrnehmen zu können. Da solche Beschwerden die Stadtteilpolitiker seit Jahren erreichen oder sie selber betroffen sind, rührten viele die Werbetrommel. Dazu zählt BV-Mitglied Monika Bos (CDU), die das aus Sorge um ihren guten Namen am liebsten ungeschehen machen würde. Unlängst bekam sie einen Brief der Telekom zu Gesicht. In diesem erklärt das Unternehmen: „Sie haben bei der Telekom einen Glasfaser-Hausanschluss bestellt, der Ihr Gebäude für eine spätere Nutzung eines Glasfaser-Tarifs vorbereiten soll. Aufgrund von fehlenden Bau- und Montagekapazitäten werden diese reinen Infrastruktur-Aufträge vorübergehend zurückgestellt.“

Das, teilte die Telekom auf Anfrage mit, „sei branchenüblich. Kunden, die den Anschluss heute nutzen wollen, sollten nicht warten müssen, weil andere Anschlüsse auf Vorrat gelegt und nicht direkt genutzt werden.“ Zudem legt das Unternehmen wert auf diese Feststellung: „Wir bieten auch weiterhin allen Kunden den Hausanschluss kostenfrei an, die einen Glasfaser-Tarif bei der Telekom oder einem der Telekommunikationsanbieter beauftragt haben, mit denen wir Nutzungsvereinbarungen abgeschlossen haben.“

Auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Klaus Erkelenz (CDU) gehörte damals zu denen, die für das Projekt warben. Er fühlt sich von der Telekom hintergangen. Wenn er sich auf der Internetseite des Unternehmens informiert, wann sein Haus ans Glasfasernetz angeschlossen werden soll, bekommt er die Auskunft „Voraussichtlich Ende 2025“.

Geärgert hat sich Erkelenz über eine Pressemitteilung der Telekom aus der vergangenen Woche. In dieser bejubelte das Unternehmen, das es in Düsseldorf bereits 50.000 Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen habe. Das Ziel seien 160.000 Anschlüsse bis 2025. Da scheint Hellerhof aber nicht dazu zugehören. Denn weiter heißt es: „Dafür konzentrieren sich die Ausbauaktivitäten derzeit auf die Stadtteile Bilk, Oberbilk, Flingern-Süd, Lierenfeld und Eller.“

Warum Hellerhof, obwohl die Telekom zunächst so auf die Tube drückte, später versorgt werden soll, erläuterte die städtische Pressestelle auf Anfrage. Die Verwaltung ist involviert, weil Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) im Wahlkampf 2020 versprach, dass ganz Düsseldorf so schnell wie möglich ans schnelle Internet angeschlossen werden soll. Doch das wird in Hellerhof nicht funktionieren: Die Telekom habe wie angekündigt Anfang 2023 mit der Ausbauplanung für Hellerhof begonnen, führt die Verwaltung in ihrer Stellungnahme aus: Die Streckenverläufe und Standorte für Netzverteiler seien mit der Stadt abgestimmt worden. Ab der zweiten Jahreshälfte sei von der Telekom mit dem Bau der ersten Schaltverteiler begonnen worden. „Dabei wurde festgestellt, dass die baulich notwendigen Maßnahmen möglicherweise umfangreicher werden könnten, als ursprünglich geplant. Dies wurde in einem nächsten Schritt durch Probeöffnungen bestätigt.“ Das Problem ist, dass Hellerhof teilweise in einer Wasserschutzzone liegt, so die Stadt, wodurch sich erhöhte Anforderungen bei Tiefbauarbeiten ergeben. Für die Telekom bedeute dies eine Umplanung des Projekts. Die Zusage für den Ausbau bestehe weiterhin.

Ähnliches antwortet auch die Deutsche Telekom auf Anfrage: „Auslöser für die aktuelle Verzögerung ist eine mehr als zehn Zentimeter dicke Asphaltschicht unter der Pflasteroberfläche. Diese zeigte sich zu Beginn der Tiefbauarbeiten. Mit weiteren Probebohrungen haben wir überprüft, ob diese Asphaltschicht auch an anderen Stellen entlang der Kabeltrassen vorhanden ist. Dies ist leider im gesamten Ausbaugebiet der Fall.“ Stadt und Telekom befänden sich im engen Austausch, heißt es von beiden Seiten.

Beide teilen mit, dass man gemeinsam eine Verbesserung der für alle Hellerhofer unbefriedigenden Situation zu erreichen versuche. „Dabei besprechen wir Verlegemethoden, die hoffentlich zu einer Erleichterung des Planungs- und Bauaufwands führen, ohne den Schutzanspruch der Wasserschutzzone einzuschränken“, so die Stadt.

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