Düsseldorf: Hauptschule Benrath freut sich auf den Neubau

Schulserie : Lernen in einem Bürogebäude: Hauptschule Benrath freut sich auf den Neubau

In unserer Serie stellen wir die Schulen der Stadt vor. Dieses Mal: die Hauptschule Benrath. Am Ende des Jahres wählt eine Jury die Träger des WZ-Schulpreises, den WZ und Stadtwerke vergeben.

Fällt der Blick beim Betreten des Geländes nicht unmittelbar auf das Schild am Metallzaun, lässt wirklich nichts darauf schließen, dass hier in dem schlichten Bürogebäude an der Kappeler Straße rund 360 Kinder und Jugendliche zur Schule gehen. Anfang des Jahres zog die Hauptschule Benrath aus ihrem maroden Gebäudekomplex an der Melanchthonstraße aus und in das leerstehende Firmengebäude um. Übergangsweise, bis am alten Schulstandort voraussichtlich Mitte 2021 ein rund 21 Millionen Euro teurer Neubau fertiggestellt ist und für Schüler, Lehrer und Schulleitung ein erneuter Umzug ansteht.

Drei Etagen hat die Hauptschule im Januar in dem ehemaligen Bürogebäude des Schleifmittelherstellers Carborundum bezogen. Im Erdgeschoss haben sich Schüler und Lehrer bemüht, ein wenig Schulatmosphäre herzustellen. Im Fenster hängen gebastelte Herzen, im gefliesten Treppenhaus fällt ein blaues Memoboard mit ausgeschnittenen und beschrifteten Wolken in den Blick: Das Wort „Willkommen“ ist darauf in elf Sprachen übersetzt worden.

Statt in der Klasse sitzten die Schüler auch gerne mal in der Mensa wie Devin (12), Freddy (12), Tobias (12) und Ilias (11). Foto: Michaelis, Judith (JM)

Und auch Schulleiter Hans-Jürgen Gürke bemühte sich, einen Farbtupfer in die graue Umgebung der Kappeler Straße zu bringen. Vor dem Gebäude hat der Hobbygärtner einige Blumenkübel bepflanzt. „Es sah doch sehr trostlos anfangs aus“, sagt er schließlich in seinem Büro sitzend. Trotz weit geöffneter Tür ist es fast unheimlich ruhig – ein Vorteil des Teppichbodens, wenn auch der einzige. „Wegen der Hygiene sollte es in einem Schulgebäude schon einen wischbaren Boden geben“, sagt Gürke. Das hatte man bei dem knapp zwei Millionen Euro teuren Umbau des Bürogebäudes in ein Schulprovisorium jedoch nicht bedacht. Wände wurden herausgerissen und neue gezogen, der Teppichboden aber blieb. Und so hängen an fast jeder Glastür Aushänge mit dem Hinweis „Kaugummifreie Zone“.

Lehrer und Schulleitung bemühen sich, in dem Bürogebäude um Schulatmosphäre - bei diesen Fluren ist das aber nicht leicht. Foto: ja/arn

„Wir leben hier mit Einschränkungen, das ist klar“, sagt Gürke. „Aber mit Einschränkungen zurecht zu kommen, das haben wir schon in unseren Zeiten an der Melanchthonstraße gelernt.“ Die Gebäude waren teilweise so marode, dass einige Trakte gesperrt werden mussten, der Unterricht fand rund zehn Jahre lang in Containern statt. 2015 hatte die Stadt die Hauptschule noch auflösen wollen. Es gab Protest – und den Vorschlag aus dem Stadtteil Garath, dort die Haupt- in eine Gesamtschule umzuwandeln. Die Hauptschule Benrath blieb verschont, der Neubau wurde beschlossen.

Schulleiter Hans-Jürgen Gürke sieht über so manche Einschränkung im Schulprovisorium lächelnd hinweg. Die Verkehrssituation an der Kappeler Straße macht ihm hingegen Sorge. "Wir müssen die zwei Jahre ohne Unfall überstehen", sagt er. Foto: ja/arn

Die Perspektive, Mitte des Jahres 2021 einen modernen und komplett auf die Bedürfnisse der Hauptschule abgestimmten Neubau zu beziehen, lässt den Schulleiter nun über viele Stolpersteine im Provisorium hinwegsehen. Weil es keine Sporthalle gibt, wird die Anlage in Niederheid genutzt, für Bio und Chemie fehlen Fachräume mit entsprechender Ausstattung, der Unterricht findet aber trotzdem statt. Und selbst beim Blick auf den Schulhof verliert der Schulleiter nicht seinen Optimismus. Die umzäunte Betonwüste grenzt unmittelbar an eine Riesenbaustelle, auf der vor Kurzem der Startschuss für den Bau der neuen Benrather Eissporthalle gegeben wurde. Tischtennisplatten und Fußballtor wirken neben den Erde auftürmenden und dicht an den Schülern vorbeifahrenden Baggern deplatziert. „Es ist ja wirklich nur eine Übergangslösung“, wiederholt der Schulleiter und ergänzt: „Wenn wir in den Neubau gezogen sind, werden hier an dieser Stelle die Parkplätze für die neue Eissporthalle entstehen. Das Gebäude wird abgerissen.“

Während die Schüler an der Kappeler Straße lernen, ist am alten und künftigen Standort nichts mehr vom maroden Schulgebäude zu sehen. Ein 21 Millionen Euro teurer Neubau entsteht. Foto: ja/arn

Die wenigsten Schüler wissen, was nebenan entsteht, dass ihre aktuelle Bleibe bald abgerissen wird. Die meisten aber kennen die Pläne, dass sie in einen Neubau am alten Standort ziehen werden. „Wir bekommen eine neue Schule? Warum weiß ich nichts davon?“, ruft Murad gespielt empört. Er gewöhnt sich gerade an das aktuelle Gebäude. An eines will er sich aber nicht gewöhnen: dass die älteren Schüler um ihn herum rauchen. Auch Schulleiter Hans-Jürgen Gürke ist das ein Dorn im Auge, will er doch gerade im Hinblick auf die neue Schule das Thema „gesunde Lebensführung“ stärker in den Fokus rücken. Auch dass nur ein kleiner Kreis Schüler das Angebot des Mittagsessens in der Ganztagsschule in Anspruch nimmt, bedauert er. Der Imbisswagen, der keine 100 Meter von der Eingangstür der Schule entfernt mittags mit Pommes und Currywurst wirbt, ist laut Gürke aber nicht der Grund. Verlockungen böte da eher die Umgebung mit Aldi und Edeka – obwohl die jüngeren Schüler das Gelände ohnehin nicht verlassen dürfen. Eigentlich. Die stark befahrene Kappeler Straße birgt Gefahren. Um die Schüler zu schützen, werde dann auch das Schultor abgeschlossen und streng kontrolliert. „Wir müssen diese zwei Jahre ohne Unfälle überstehen“, sagt er.

Im Erdgeschoss befindet sich der Werkraum, in dem immer freitags ein Mitarbeiter des Baumaschinenherstellers Kamatsu Technik-Unterricht erteilt. „Das Unternehmen nimmt auch immer gerne Schüler als Praktikanten auf“, sagt Gürke. Der Technik-Unterricht sei ein Baustein der Berufsorientierung, auf die sehr viel Wert gelegt wird.

„Ziel ist es, jeder Schülerin und jedem Schüler nach dem Ende der Schulzeit eine Perspektive zu bieten“, sagt Gürke. Sei es auf dem Arbeitsmarkt oder an einer weiterführenden Schule. „Oft wird die weiterführende Schule aber nur gewählt, weil das System Schule schon bekannt und es vermeintlich bequemer ist“, sagt Gürke.

Durch mehrere Praktika, die Kontakte zu Ausbildungsbetrieben und die Berufsberatung vor Ort in der Schule soll die Bereitschaft erhöht werden, eine Ausbildung zu machen. Der Schulleiter sagt: „In vielen Fällen ist das der bessere Weg.“ So auch bei einem ehemaligen Schüler, der erst durch den Technikunterricht, später dann durch ein Praktikum die Firma Komatsu kennenlernte. Heute ist er dort im zweiten Ausbildungsjahr.

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