Düsseldorf hat sein erstes Vintage-Quartier

Mode: Wer alte Schätzchen mag, ist hier richtig: Düsseldorf hat sein erstes Vintage-Quartier

Kuchen, Kleider, Antiquitäten: 17 Läden rund um die Bilker Allee haben sich zum „Quartier Vintage“ zusammengeschlossen. Wir sind auf Entdeckungsreise gegangen.

„Quartier Vintage“: Schon der Name ist verführerisch und hip. Was nach einem Viertel in Berlins Prenzlauer Berg klingt oder ein Laden in Hamburgs Schanzenviertel sein könnte, befindet sich mitten in Düsseldorf. Genauer: in Unterbilk rund um die Bilker Allee. Dort wächst seit einigen Jahren eine ganz eigene Szene, die sich sehen lassen kann. Inhabergeführte Geschäfte, die sich mit ihren Ideen und Produkten ganz bewusst von den großen Ketten abheben, haben sich zum „Quartier Vintage“ zusammengetan. Vintage - ein Lebensgefühl, das durch schöne Dinge und Gebräuche aus vergangenen Jahrzehnten geprägt wird. Jedes Geschäft widmet sich dem Thema auf seine ganz eigene Weise.

Ein kostenloser Katalog gibt Orientierung übers Viertel

Ein neuer, kostenfreier Katalog, der alle Läden vorstellt und in der ganzen Stadt ausliegt, soll nun ein breiteres Klientel auf diesen besonderen Mix aufmerksam machen. Ein Kartenausschnitt gibt sofort Orientierung und mittels eines Zahlensystems können alle Geschäfte schnell gefunden werden. Sie sind im Katalog übersichtlich in die Kategorien Mode/Fashion, Möbel/Furniture, Schmuck/Geschenke/Jewelry-Gifts, Friseure/Hairdressing und Cafés/Bistro unterteilt. Wir haben eine Zeitreise zum Café „Wie im Himmel“, dem Geschenkkontor „Clara Randenbrook“ und dem Modelabel „Atelier DSigns“ unternommen.

Geschenkkontor Clara Randenbrook Was wie ein Geschäft aus Thomas Manns Roman „Die Buddenbrooks“ klingt, ist ein Geschenkeladen für kleine, feine Dinge, die große Freude bescheren sollen. Inhaberin Simone Rohrbach hat ihr Geschäft vor zwei Jahren eröffnet. Der Name - passend zum Motto des Quartiers - ist ein Mix aus ihren Urgroßmüttern. Die eine hieß Clara, die andere Randenbrook. Von der duftenden Rotweinseife, dem nostalgischen Holzbildchen, der verzierten Kachel bis hin zum alten Serviertisch: Simone Rohrbach legt Wert auf besondere, individuelle Produkte. Der Stadtteil hat sich in ihren Augen sehr zum Positiven verändert. „Das Viertel hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Die Mischung an den Geschäften macht es auch aus. Alles ist sehr individuell“, sagt sie. Denn, gerade als Inhaberin müsse man sich Gedanken um ein gutes Konzept machen. „Wo will der Kunde sein Geld ausgeben. In einem kleinen Laden oder einer großen Kette? Man muss das gewisse Extra bieten.“

Café „Wie im Himmel“ Ja, der Name ist wirklich Programm. Chefin Ulrike Mack hatte sich in den Film „Chocolat“ mit Juliette Binoche und Johnny Depp verliebt und ließ sich davon zu ihrem Café „Wie im Himmel“ inspirieren. Eröffnet hat sie es mit ihrem Partner Peter Hofstätter vor drei Jahren an der Bilker Allee 35. Auf der Karte stehen neben hausgemachten Kuchen, die die Inhaberin selbst backt, auch Galettes, Crepes und herzhafte Speisen. In den Räumlichkeiten eines alten Schuhladens aus den 50er-Jahren können die Gäste des französischen Vintage-Cafés nicht nur Delikatessen kosten oder aus der Candy-Bar von unzähligen Schokoladen naschen, jeden Freitag gibt es auch noch Live-Musik aus aller Welt in Wohnzimmeratmosphäre.

Atelier DSigns Das Atelier DSigns von Modedesignerin und Schneiderin Anne-Marie Morschek gibt es seit nunmehr 15 Jahren an der Friedensstraße 66. Vintage Mode aus den 50er und 60er-Jahren, stilecht mit Petticoat, aber auch Brautkleider werden hier groß geschrieben und von Hand gefertigt. Das Spektrum reicht von weit ausgestellten Kleidern über enganliegende Blusen und Röcke bis hin zu figurbetonten Kostümen. Besonders beliebt: die Brautkleider im Retro-Stil.

„Vintage und Retro ist ein Zeitgeist-Thema. Es ist kein Rückschritt, sondern eine Erinnerung und ein Hochlebenlassen von Werten“, sagt Anne-Marie Morschek. Die Entwicklung hin zum „Quartier Vintage“ beurteilt sie wie die anderen Inhaber als durchweg positiv - für den Stadtteil, für die Kunden und für die Betreiber selbst. „Das hat sich hier zu einem kleinen Zentrum entwickelt“, sagt sie.

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