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Düsseldorf: Happy Ending nach dem Kino-Black Out?

Kino und Corona : Happy Ending nach dem Kino-Black Out?

Interview Seit zwei Wochen sind die Kinos in Düsseldorf geschlossen. Cineasten stillen ihren Filmhunger im Puschen-Kino über Streaming-Angebote. Aber was bedeutet der Leinwand-Lockdown für die Menschen, die im Kino arbeiten? Nico Elze, Geschäftsführer der Filmkunstkinos Düsseldorf, und Theaterleiter Daniel Bäldle vom Metropol-Kino hoffen auf ein Happy Ending der Corona-Krise.

Wie macht man denn Kino im Home Office?

Daniel Bäldle: Na ja, gar nicht! Die Kinos sind seit dem 16. März geschlossen, seitdem bin ich zu Hause Vollzeit-Kindergärtner. Meine 3-jährige Tochter Anna ist ja auch „ausgeschlossen“ und muss betreut werden, meine Frau Sandra kann immerhin weiter arbeiten gehen. Anna findet es bis jetzt klasse, den Papa ganz für sich zu haben. Dafür musste ich nicht einmal meinen Rhythmus groß umstellen, da ich als Theaterleiter schon relativ zivile Arbeitszeiten habe.

Nico Elze: Ich habe den Schreibtisch noch voll, es gibt jede Menge zu regeln. Wir mussten erst einmal die Kinos „herunterfahren“, dann sind wir dabei, die Personalfrage zu klären. Und dann müssen ja die laufenden Kosten bei null Einnahmen geordnet werden, da sind wir im Gespräch mit Vermietern und Energieversorgern. Eine große Hilfe war die Filmstiftung NRW, die schnell und unbürokratisch Zuschüsse gegeben hat, damit wir erst einmal über die Runden kommen.

Wenn der Papa mal kein Kino macht: Daniel Bäldle mit Tochter Anna im „Home Office“. Foto: ja/Sandra Bäldle

Wie sieht es denn aus für das Personal an den Kassen und der Theke?

Elze: Das ist eine ganz besondere Situation, weil wir einen sehr hohen Anteil an Minijobbern haben. Das sind mehrere Dutzend Personen. Die haben zunächst einmal einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Im schlimmsten Fall müssten sie dann betriebsbedingt gekündigt werden und hätten dann noch drei Monate Anspruch. Wir haben da eine kollegiale Lösung gewählt: die, die auf das Geld angewiesen sind, bekommen es weiter. Einige unserer Mitarbeiter, die schon lange einen anderen Job haben und das so mehr aus Liebhaberei machen, haben dann verzichtet. Das waren immerhin X Leute! Unser Team hat da sehr solidarisch gehandelt.

Und was macht ein hauptamtlicher Theaterleiter jetzt?

Bäldle: Wir haben im Betrieb erst einmal auf Kurzarbeit umgestellt, ich bleibe zuhause. Das bedeutet natürlich eine deutliche Gehaltseinbuße. Aber weil meine Frau weiter arbeiten kann, geht es noch. Reich wird man als Theaterleiter eines Kinos eh nicht. Wie und vor allem wann es mit dem Kino weitergeht, steht im Moment noch in den Sternen.

Eine behördliche Kinoschließung, war damit zu rechnen?

Elze: Nein, so etwas hat es noch nie gegeben. Für mich war das ein Schock, die Nachricht erreichte mich in den Niederlande, ich hatte grade meinen Urlaub angefangen. Dann ging es gleich los mit Telefonkonferenzen. Das ist für mich sozusagen die Feuertaufe in dem Job, obwohl ich schon seit 13 Jahren dabei bin und seit vier Jahren die Geschäftsführung mache. Aber das Tolle ist, dass uns eine Welle der Solidarität und Unterstützung erreichte, als wir noch praktisch in Schockstarre waren. Die Leute haben gespendet und viele haben Kinogutscheine für die Zeit danach gekauft, das hilft uns nicht nur finanziell sondern auch emotional.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Elze: Das steht ja in den Sternen. Wir richten den Blick jetzt erst einmal auf den 20. April, das ist das, was die Regierung sagt. Wenn die Kinos zu bleiben müssen, da entwickeln wir grade „worst-case“-Szenarien. Aber je länger die Schließung dauert, desto schwieriger wird es für uns, denn dann fallen wir mit einer Wiedereröffnung ins Sommerloch.
Bäldle: Natürlich mache ich mir Sorgen, aber ich finde die Situation immer noch irgendwie surreal. Irgendwie glaube ich an die Rückkehr zur Normalität, vielleicht ist das pragmatisches Wunschdenken. Natürlich ist das Kino nicht das Wichtigste in der Welt und andere Betriebe sind auch zu. Im Moment haben wir jede Menge Ideen, wie wir weiter Filme zeigen können. Manche davon kommen uns selbst verrückt vor. Lassen wir uns mal überraschen.