Düsseldorf: Graf-Adolf-Straße soll wieder sichtbar werden

Ideen für Düsseldorf : Graf-Adolf-Straße soll wieder sichtbar werden

Der Künstler und Ausstellungsmacher Markus Ambach entwickelt ein Konzept, wie Kunstwerke im öffentlichen Raum die Vorzüge der Graf-Adolf-Straße zurück in die Wahrnehmung bringen.

Die Freunde der Graf-Adolf-Straße versuchen es diesmal über das Herz statt über den Verstand. In den vergangenen Jahren hatte die dort ansässige Interessengemeinschaft immer wieder mit rationalen Argumenten versucht, für die Straße zu werben, um ihr in Politik und Stadtplanung eine bessere Position zu verschaffen. Nun hat sie den Künstler und Ausstellungsmacher Markus Ambach engagiert, der das Ziel über Emotionen erreichen möchte. Sein Plan für die Straße sieht vor, vorhandene Vorzüge wieder sichtbar zu machen und mit einem guten Dutzend Kunstwerken im öffentlichen Raum zu verdichten. Dafür recherchiert Ambach derzeit an der Straße, spricht mit den Anliegern und sammelt Ideen. Ende des Jahres soll sein Konzept fertig sein.

Ambach ist in den vergangenen Jahren mit einigen Projekten im öffentlichen Raum bekannt geworden. Er hat für die Kulturhauptstadt Ruhr die Ausstellung „B1/A40. Die Schönheit der großen Straße“ entwickelt. Später war er auch beteiligt an dem Tag, an dem Autobahnen im Ruhrgebiet für Autos gesperrt und für die Bürger freigegeben wurden („Still-Leben Ruhrschnellweg“). In Düsseldorf war er im vergangenen Jahr für das Projekt „Von fremden Ländern in eigenen Städten“ verantwortlich, bei dem es ihm gelungen ist, mit Kunst das Bahnhofsviertel vom Bertha-von-Suttner-Platz bis zur Mintropstraße für Menschen spannend zu machen, die die Gegend sonst eher meiden.

Diese Ansicht zeigt die Graf-Adolf-Straße mit ihren Plätzen und besonderen Orten. Foto: Markus Ambach

Projekte am Hauptbahnhof könnten der Straße helfen

Der Zeitpunkt für Ambachs Ansatz ist günstig. Aktuell ist die Graf-Adolf-Straße eindeutig vom Verkehr geprägt, das Ziel eines aktiven und attraktiven Stadtraums aber scheint in Verbindung mit anderen Projekten gut möglich. Neben dem Hauptbahnhof entstehen derzeit drei Hotels, die mit einem Konzept verbunden sind, das vorsieht, dort auch für Leben im Viertel, also an einem Ende der Graf-Adolf-Straße zu sorgen. Hinzu kommt, dass die Stadt daran arbeitet, den Konrad-Adenauer-Platz neu zu gestalten. Dies wird mindestens mit der neuen Stadtbücherei gelingen, eventuell auch mit den Plänen für die Fläche vor dem Hauptbahnhof.

Ambach hat sechs versteckte Potentiale an der Graf-Adolf-Straße ausgemacht: Plätze (zum Beispiel den von der Gartenkünstlerin Tita Giese gestalteten Stresemannplatz), Architektur (zum Beispiel das Crown an der Ecke zur Berliner Allee), Parks und Grünanlagen, das Umfeld (etwa das K21), den Rhein am westlichen Ende sowie die Menschen, die dort heute schon aktiv sind. An dieser Stelle ist besonders deutlich zu merken, welche Freude der Künstler an seinen Entdeckungen bei der Recherche hat. Er erzählt von Angelsportlern am Schwanenspiegel, vom Hinterzimmer im Zigarrenhaus oder von den Kartenspielern im Mage Store.

Die Idee: Altes mitnehmen, Neues hinzufügen

Die Potentiale verändern das Bild von der Graf-Adolf-Straße. Aus einem Strich vom Hauptbahnhof bis zum Rhein wird ein Strich, an dem Dreiecke, Quadrate und Kreise liegen. Für diese Flächen möchte Ambach Themen definieren, die die Bereiche prägen, zum Beispiel Essen oder Musik. Ein Besucher der Graf-Adolf-Straße geht dann von einem Bereich zum nächsten oder von einem Erlebnis zum nächsten. Noch sind die Lücken dazwischen aber zu groß. An dieser Stelle sollen die Kunstwerke im öffentlichen Raum helfen. „Altes mitnehmen, Neues hinzufügen“ – so beschreibt Ambach die Idee, mit der er die Straße „verdichten“ und vom alles bestimmenden Verkehr ablenken möchte. Das Neue, also die Kunstwerke, sollen jeweils einen klaren Bezug zum Thema des Bereichs haben.

Auch wenn das Konzept noch am Anfang steht, hat Ambach schon ein paar Bilder vor Augen. Er kann sich gut vorstellen, die Videowände an der Straße für Kunst zu nutzen. Er hofft, mit Hilfe von Sammlungen, Stiftungen und Galerien temporäre Ausstellungen auf den Rasenpodesten des Graf-Adolf-Platzes zu organisieren. Und er würde gerne mit Aktionen darauf aufmerksam machen, dass die Straße sich verändert. Und wer schon mal 60 Kilometer Autobahn gesperrt hat, hat eine recht gute Vorstellung davon, dass auch auf einem vergleichsweise kleinen Stück Innenstadt-Achse hinzukriegen. Um dann dort Tische aufzustellen, an denen die Düsseldorfer ihr Herz für die Graf-Adolf-Straße entdecken können.

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