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Düsseldorf geht härter gegen Wildpinkeln vor - Kölner Konzept soll helfen

Düsseldorf geht härter gegen Wildpinkeln vor - Kölner Konzept soll helfen

Karneval kam es in Düsseldorf wieder zu unschönen Szenen. Mehr WCs und höhere Bußgelder sollen sie vermeiden.

Schön ist es nicht, ganz im Gegenteil. Aber es ist so sicher wie das vielbesungene Amen in der Kirche: Zu allen Großveranstaltungen in der Stadt, ganz besonders an Karneval, gesellen sich auch die Wildpinkler. Und plötzlich ist nicht mal mehr die Kirche sicher: Sankt Lambertus am Rheinufer etwa wurde über die jecken Tage prophylaktisch eingezäunt, um nicht permanent bepinkelt zu werden.

Jetzt will die Stadt reagieren und dem wilden Urinieren grundsätzlich Einhalt gebieten. Das geht aus einer Antwort des Ordnungsdezernenten Christian Zaum auf die Anfrage der SPD-Fraktion im Ordnungs- und Verkehrsausschuss am Mittwoch hervor. Das Vorbild für das weitere Vorgehen: die Nachbarstadt Köln. Mehr WCs sollen zu weniger Wildpinklern führen, gleichzeitig sei eine Erhöhung des Verwarn- beziehungsweise Bußgeldes denkbar.

150 Wildpinkler hatte der Ordnungsdienst über die Karnevalstage erwischt und mit einem Bußgeld bedacht. „Ein Bruchteil von allen Wildpinklern“, sagte Zaum im Gespräch mit unserer Zeitung. Die OSD-Mitarbeiter hätten aber mit der Durchsetzung des Glasverbots und der Überwachung des Jugendschutzes so viel zu tun, dass nur die schwersten Verstöße hätten geahndet werden können. Zaum räumt aber ein: „Es gab ohne Zweifel viel zu wenig öffentliche Toiletten. Die Schlangen vor den Wagen und Dixie-Klos waren besonders an Altweiber so lang, dass viele unfreiwillig zu Wildpinklern wurden. Das ist dann auch für die Betroffenen, besonders für Frauen, mehr als unangenehm.“

Auch Köln hatte in den vergangenen Jahren mit den Massen an Wildpinklern im Straßenkarneval zu kämpfen und griff in diesem Jahr erstmals zu drastischen Mitteln: Die Zahl der öffentlichen Toiletten wurde von 80 auf 700 fast verzehnfacht, die Strafen fürs Wildpinkeln gleichzeitig erhöht. Der Gedanke: Wer jetzt noch auf die Straße macht, ist selber Schuld. Das Kölner Ordnungsamt zeigte sich nach den Karnevalstagen mehr als zufrieden mit den Maßnahmen.

„So ähnlich wollen wir auch vorgehen. Die Zahl der Toiletten muss an besonderen Stellen erhöht werden, etwa am Rathaus, am Bertha-von-Suttner-Platz oder an der Kö“, erklärt Christian Zaum. Zu den Umfängen konnte der Ordnungsdezernent noch keine Angaben machen, verzehnfachen könne man das Angebot aber sicher nicht, Köln sei eben doch noch etwas größer als Düsseldorf. Für die vergangenen Karnevalstage waren 17 WC-Wagen, 20 Urinale, 42 Dixi-Kabinen und drei behindertengerechte Toiletten aufgestellt worden.

Neben dem Rathaus-Platz etwa kann Zaum sich vorstellen, dass in dem kleinen Park um das Hoppeditz-Denkmal eine Rinne für die Männer installiert werden könne, einen Abfluss gebe es da schon. Den Toilettenwagen könnten Frauen dann alleine nutzen.

Eine Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr und dem Comitee Carneval soll jetzt das weitere Vorgehen für den Straßenkarneval 2019 klären. Denn zusätzliche Wagen kosten zusätzliches Geld und dürfen überdies Fluchtwege und Feuerwehrzufahrten nicht blockieren.

Ein Konzept gegen das Wildpinkeln außerhalb von Großveranstaltungen, etwa im Altstadtbetrieb am Wochenende, steht erst mal nicht auf der Agenda. „Dieses Klientel hört auch bei zusätzlichen öffentlichen Toiletten nicht damit auf“, befürchtet Zaum.

Losegelöst vom Karneval hatte SPD-Ratsherr Martin Volkenrath im Ausschuss aber noch einen weiteren Pinkel-Hotspot in die Diskussion gebracht: Am Schillerplatz gebe es dringend Handlungsbedarf.