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Düsseldorf: Fassungslosigkeit macht sich bei dem Kabarettisten Frank Küster breit.

Düsseldorfer Kabarettist ist fassungslos : Frust über neue Corona-Regeln

Das Protokoll Fassungslosigkeit macht sich bei dem Kabarettisten Frank Küster breit. Seiner Einschätzung nach treiben die neuen Maßnahmen die Theater in den Ruin.

Ich mache seit 34 Jahren Kabarett, teils auftretend, teils schreibend. Seit beinahe
22 Jahren veranstalte ich im Brauhaus Uerige die Rückblickshow „Reiner Tisch“. Das ist immer am ersten Montag im Monat, und die Idee ist, kabarettistisch, humorvoll und geistreich mit dem Vormonat abzurechnen. Im März fand der letzte Abend im Uerige statt. Im März fand der letzte Abend im Uerige statt, wegen des Shutdowns zog ich mich in meine Dachkammer zurück und nahm eine Show auf, die online zu sehen ist.

Im September ging ich auf die Rennbahn, die Fans sind treu, 150 kamen – überhaupt glaube ich, dass den Open-Air-Veranstaltungen die Zukunft gehören wird, Corona bewirkte diesen Paradigmenwechsel. Für den Oktober wollte ich sicher gehen, dass mein Publikum nicht nass wird, und so trat ich unter dem Dach der Tribüne im BV04-Düsseldorfer-Stadions auf. Die kommende Veranstaltung musste ich absagen, weil ich nach neuer Corona-Schutzverordnung vor nur 21 Leuten auftreten könnte, und das rechnet sich einfach nicht. Ich bin gerade damit beschäftigt, das Geld für die Tickets zurückzuzahlen. Die neue Verordnung mit dem Zusatz ist nun der Todesstoß, da jetzt auch mit Maske unter freiem Himmel ein Abstand von 1,5 Meter gefordert wird.

Der „Reine Tisch“ ist nicht meine Haupteinnahmequelle, aber aus der Veranstaltung resultieren Auftritte auf Galas oder auf Firmenfeiern, die fallen auch alle weg. Ich sehe auch keinen Silberstreif am Horizont – bis Mitte kommenden Jahres wird es wohl so bleiben. Mein Geschäft ist kaputt, von der Landesregierung gibt es das Hilfsprogramm Plus mit 1000 Euro Soforthilfe im Moment, das ich glücklicherweise nicht zurückzahlen muss.

Am Freitagmorgen vor einer Woche gab es im Tanzhaus NRW ein Treffen der Düsseldorfer Bühnenbetreiber. Gut 30 Leute, alle namentlich registriert, alle mit desinfizierten Händen, alle im Abstand von 1,5 Metern sitzend, alle mit Atemmaske. Sie ließen sich sich vom Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe in die Feinheiten der neuesten Auflage der Corona-Schutzverordnung einführen. Wenn das Mikrofon weitergereicht wurde, durchlief es zunächst einen Desinfektionsprozess. Alle anwesenden Theaterleiter bestätigten: Es hat in all der Zeit seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht eine einzige Nachfrage vom Gesundheitsamt bezüglich der Corona-Rückverfolgung gegeben. Das Infektionsgeschehen in bundesdeutschen Theatern liegt nachweislich bei Null. Zeitgleich war durch die Fenster zu beobachten, wie ein Gerüst aufgebaut wurde. Sechs Arbeiter, keiner trug eine
Maske.

Aus diversen Wohnungen ist abends Stimmengewirr zu vernehmen, das auf viele dicht gedrängte Menschen schließen läßt. Und wo ist das Ordnungsamt? Nicht zu sehen. Es könnte so viel unternehmen im Kampf gegen Corona. Oder stehen seine Mitarbeiter vor allem mit der Stoppuhr vor Kneipen und beobachten, ob auch wirklich alle Gäste, die namentlich registriert sind, beim Rausgehen ihre Masken tragen?

An Hotspots treffen sich seit Monaten abends Hunderte junge, maskenlose Menschen und leeren Flaschen hochprozentigen Inhalts und grölen sich an. Sie tanzen und liegen sich in den Armen. Und es gibt sicherlich noch ähnliche Treffpunkte in der Stadt und sicherlich auch in anderen Städten. Wenn ich in den Supermarkt gehe, stehen da zig Einkaufswagen bereit – die werden nicht mehr desinfiziert. Und da will jemand allen Ernstes das Infektionsgeschehen dadurch in den Griff bekommen, dass er Theater bis zum Ruin reglementiert?

Ich will, dass Corona schnellstmöglich gestoppt wird, aber mit den Maßnahmen, die ergriffen werden, rennen wir sehenden Auges in den Untergang. Natürlich steigen die Zahlen, aber doch nicht, weil man den Theaterbetrieb so drastisch reduziert, sondern weil alles andere schief läuft. Im Bus, im Supermarkt, im Altenheim, überall sehe ich gerade auch ältere Herrschaften, die konsequent die Nase aus dem Mund-Nasen-Schutz heraushängen haben.

Nun müssen viele Theater schließen, weil sie mit den zugelassenen Zuschauerzahlen noch nicht einmal mehr die Heizkosten finanzieren können. Altstadt-Kneipen, die um 23 Uhr schließen müssen, brauchen eigentlich auch gar nicht mehr zu öffnen. Die frühe Sperrstunde drängt jetzt noch mehr Menschen ins Private ab. Und auch die Menschen, die nicht mehr in die Theater gehen können, werden sich intensiver privat treffen.

Fassungslosigkeit macht sich bei mir breit. Die verschärften Regelungen gegen Theater sind so, als wolle man den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr dadurch reduzieren, dass man die Zahl der Radfahrer halbiert.