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Düsseldorf: Familientreff will dank Spenden die Krise überstehen

Familien : Familientreff will dank Spenden die Krise überstehen

Vor wenigen Wochen eröffnete der Spielraum „Baby Bee“ in Pempelfort. Die Gründer haben rund 80 000 Euro investiert, nun stehen sie vor dem finanziellen Kollaps. Eine Spendenkampagne soll sie retten.

Jenna Witt traut sich kaum über das zu sprechen, was sie gerade bewegt. „Es geht zurzeit so vielen anderen Selbstständigen genauso“, sagt sie. „Ich schäme mich fast dafür, mich an die Öffentlichkeit zu wenden. Ich weiß aber einfach nicht mehr weiter.“

Vor gerade einmal zwei Monaten eröffneten Jenna Witt und ihr Ehemann Eduardo den Spielraum „Baby Bee“ in Pempelfort. Das Konzept, einen Waldorf- und Montessori-inspirierten Raum Eltern und Kindern zum Spielen und Entdecken anzubieten und darüber hinaus Eltern-Kind-Kurse abzuhalten, kam an.

Die Eltern rannten dem deutsch-amerikanischen Paar die Bude ein.

„Und dann kam Corona“, erzählt Jenna Witt traurig. Nach und nach kamen weniger Eltern ins „Baby Bee“ im Nordcarree. „Die Eltern waren verunsichert. Obwohl wir natürlich die Hygienemaßnahmen erhöhten. Aber ich kann die Eltern verstehen. Wir hätten es wahrscheinlich nicht anders gemacht.“

Bis zuletzt hielt Ehemann Eduardo dennoch die Stellung im Laden. Aus Angst, die Versicherung könnte sich beschweren, wenn sie vor dem offiziellen Erlass der Landesregierung das „Baby Bee“ schließen. „Wir hatten bei der Gründung nämlich extra eine Betriebsschließungs- und Ertragsausfallversicherung abgeschlossen.“

Rücklagen konnte das Paar in den wenigen Wochen nicht bilden

Doch dann erfuhr das Paar, dass die Versicherung nicht greift. „Denn das Coronavirus wurde erst nach Vertragsabschluss als Pandemie ins Infektionsschutzgesetz aufgenommen“, erklärt Witt. „Das ist wirklich alles unfassbar.“

Auch der Staat hat zur sozialen Entschädigung ebenso eine für das Paar enttäuschende Stellung bezogen: „Es gab keinen konkreten Ansteckungsfall im Spielraum, deshalb hat der Betreiber das Risiko einer Zwangsschließung selbst zu tragen.“

Für Jenna Witt und Eduardo Diaz bedeutet das den finanziellen Kollaps. „Wir haben mit Hilfe eines Kredites und allem was wir besaßen, einen Gesamtwert von knapp 80 000 Euro in die Eröffnung und Ausstattung des Spielraumes gesteckt. Unser Leben ist in Baby Bee“, sagt Witt. „Keiner weiß, wann und in welcher Form die Corona-Krise ihr Ende nehmen wird. Ohne Einnahmen müssen wir in ein paar Wochen Insolvenz anmelden, da wir unsere Fixkosten nicht mehr bezahlen können werden.“ Denn in den wenigen Wochen mit Publikumsverkehr konnten keine Rücklagen gebildet werden.

Das Paar hofft nun auf die Unterstützer des Ladens und hat eine Spendenkampagne, ein Crowdfunding, ins Leben gerufen. „Die Hoffnung ist, dass wir mit Spenden die Zeit bis zur Wiedereröffnung überbrücken können und unsere Fixkosten gedeckt bekommen“, sagt Witt. 1600 Euro sind bereits zusammengekommen. „Wir sind unendlich dankbar dafür.“

Auch die Stadt Düsseldorf hat Unterstützung für klein- und mittelständische Unternehmen angekündigt. „Diese wird im besten Fall bei so vielen Betroffenen sehr klein ausfallen“, sagt Witt. „Und bisher wissen wir auch überhaupt nicht, ob wir als Neugründer überhaupt Anspruch auf Hilfe haben. Aber natürlich versuchen wir alles.“

Das Paar will in jedem Fall alle Finanzierungshilfen in ihrer Kampagne offen legen. „Und sollten wir mehr Hilfe erhalten als wir zur Rettung brauchen, werden wir es nachweislich denen zukommen lassen, die es selbst zur Rettung brauchen.“