Neues Jazz-Festival für Düsseldorf Lovebird-Festival feiert gelungene Premiere mit vielen Künstlern

Düsseldorf · Drei Tage lang gab es bei der ersten Auflage an unterschiedlichsten Orten in der Stadt Jazz zu entdecken.

Singer-Songwriterin Aurora Rays trat auf einer kleinen Bühne am Kö-Bogen auf – bei sonnigem Wochenendwetter waren alle Liegestühle besetzt.

Singer-Songwriterin Aurora Rays trat auf einer kleinen Bühne am Kö-Bogen auf – bei sonnigem Wochenendwetter waren alle Liegestühle besetzt.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

30 Konzerte, größtenteils ohne Eintritt, Specials und Stimmung – das ist das Rezept, mit dem das neue Lovebird-Festival am Wochenende seine große Premiere gefeiert hat. Das Event stieß dabei nicht nur in die Lücke, die das Aus der Jazz Rally gerissen hatte, sondern wollte auch den Blick und vor allem die Ohren schärfen für interessante Nachwuchstalente und spannende Musik-Formate.

Für die erste Auflage setzten die Veranstalter deshalb auf eine Mischung in der Auswahl von Künstlern und Auftrittsorten. Clubatmosphäre gehörte ebenso zum Programm wie kleine Bühnen zum Beispiel am Kö-Bogen, auf dem Marktplatz oder am Kunst- und Kulturstrand unterhalb der Oberkasseler Brücke. Bei angenehmen Temperaturen ließ sich dort besonders gut Jazz in unterschiedlichsten Facetten genießen. Dazu kamen etwa eine Sondervorführung des Dokumentarfilms „Jazz-Fieber – The Story of German Jazz“ im Cinema oder die Ausstellung „Painted Jazz“ in der Part2Gallery.

Zum Start hatte Rapper Thomas D. am Donnerstagabend die Bühne in den Rudas Studios übernommen. Unterstützt wurde der 55-jährige dabei von The KBCS, einem Quartett, das den Hip-Hop des Stuttgarters in ein entspanntes Jazzgewand kleidete, darunter Klassiker wie „Rückenwind“ oder „Liebesbrief“. Zwischendrin ließ Thomas D. der Band den Raum sich instrumental zu präsentieren. Natürlich gab es auch ein paar Fanta-Vier-Songs aus seiner Feder auf die Ohren, etwa „Es wird Regen geben“.

Am Freitagabend schauten die Moderatorinnen Käthe Lorenz und Pia Schwierz ins „musikalische Poesiealbum“ von Julia von Lindern vom Verband Housing First e.V. Das Karaoke-Format, das sechsmal im Jahr im Theatermuseum stattfindet, präsentierte anlassgemäß ein Jazz-Special samt gut aufgelegter Begleitband um Sängerin Franka von Werden. Julia von Lindern stellte ihre Lieblingssongs und ihr Engagement beim Festival Wacken vor, zu hören waren „Punk ist ...“ von den Ärzten oder „Y’all want a Single“ von Kron, die Franka von Werden und Band beide wunderbar verjazzten. Freddy Mercury hätte ihre Version von „I want it all“ bestimmt gefallen.

Im Foyer des Rubi Leni Hotels griff derweil Jon Kenzie in die Saiten seiner Akustikgitarre und stimmte eine Bluesnummer an. Schon vom ersten Moment war der Funke zwischen dem sympathischen Musiker aus Manchester, der inzwischen in Deutschland lebt, und seinem Publikum übergesprungen. Kenzie beherrscht nicht nur seine Gitarre, er überzeugte auch mit einer starken Stimme und emotionalen Texten. Die würzte der Brite mit kleinen Anekdoten aus seinem Leben.

Auftritt von Jimi Hendrix
in der Rheinhalle 1969

In der Jazz-Schmiede präsentierten Botticelli Baby am Samstagabend Jazz-Punk. Wem das zu experimentell war, der konnte im Goethe-Museum dem Christine Corvisier Quintett lauschen oder sich vom Latin Jazz des Duos Armengou & Macià mitreißen lassen. Im Theatermuseum gaben sich am Samstag Clemens Gottwald, Karoline Weidt und Elisa J. Mohr & Flavio Nunes das Mikro in die Hand. Parallel drehte sich auf der Studiobühne alles um die Geschichte des Latin-Jazz von den Anfängen in der Karibik bis zur Musikmetropole New York.

Düsseldorf hat einen ganz eigenen Sound, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist und durchaus Schnittmengen mit Jazz aufweist. Wie groß diese sind, erzählten Sven-André Dreyer und Michael Wenzel bei ihrer ebenso unterhaltsamen wie kurzweiligen Führung auf den Spuren von Kraftwerk, Doldinger und Co. Die beiden hatten so großen Spaß daran, sich gegenseitig die Bälle zuzuwerfen, dass aus den ursprünglich geplanten rund zwei Stunden, fast drei wurden. Langweilig wurde es dennoch nicht. Wer wusste, dass 1969 Jimi Hendrix in der Rheinhalle aufgetreten ist, Udo Lindenberg im Breitenbacher Hof mal Page war oder man auf einer musikalischen Stadtführung Ralf Dörper vor dem Ratinger Hof in die Arme laufen würde? Der Düsseldorfer war Anfang der 1980er Teil der Band Die Krupps und gründete 1982 die international erfolgreiche Formation Propaganda. Dörper verriet, dass es bald ein neues Album von Propaganda geben wird.

Die Veranstalter des Lovebird-Festivals ziehen eine positive Bilanz. Die Zeichen dafür, dass aus dem ambitionierten Single-Event ein Langplayer wird und das Lovebird bald zum festen Bestandteil des Festivalkalenders gehören wird, stehen demnach günstig.

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