1. NRW
  2. Düsseldorf

Bauboom in Düsseldorf: Düsseldorf erlebt einen Bauboom

Bauboom in Düsseldorf : Düsseldorf erlebt einen Bauboom

Sowohl die Stadt als auch Privatleute geben teils rekordverdächtig viele Bauprojekte in Auftrag.

Düsseldorf. Der Schein trügt nicht: An allen Ecken und Enden der Stadt wird derzeit gebaut. Die Zahlen bestätigen das Gefühl, dass sich beim Gang durch die Stadt einstellt. Und das kommt vor allen Dingen der Handwerksbranche zugute.

Bauboom in Düsseldorf: Düsseldorf erlebt einen Bauboom

„Die Konjunkturlage im gebäudenahen Handwerk ist exquisit“, sagt Andreas Ehlert, der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. Der Konjunkturklima-Index für das Bauhauptgewerbe der Region lag im Frühjahr bei sehr guten 93 Prozent — noch zwei Prozentpunkte über dem Wert für das Handwerk allgemein. Der Wert wird aus der aktuellen Geschäftslage und den Zukunftserwartungen der Unternehmen ermittelt.

„In Düsseldorf boomt vor allem der Wohnungsbau. Das tut der Stadt grundsätzlich gut“, sagt Ehlert. „Wir müssen nur aufpassen, dass die Kirche im Dorf bleibt: Auch an Gewerbeflächen herrscht in der Landeshauptstadt besonders ausgeprägter Mangel.“ So könne es passieren, dass gerade die Unternehmen, die große Bauleistung erbringen, aus der Stadt gedrängt werden, weil sie von näherrückender Wohnbebauung erfasst werden und Lärm und Emissionen am bisherigen Standort nicht mehr toleriert werden.

„Unsere Kammer hat im Frühjahr per Umfrage festgestellt, dass gerade die etwas größeren Betriebe des Bau- und Ausbaugewerbes von der Knappheit an verwertbaren Gewerbeflächen betroffen sind“, so der Kammerpräsident.

Andreas Ehlert erklärt den Bauboom vor allem mit der unveränderten Nullzinsstrategie der Europäischen Zentralbank. Um Kapital produktiv zu machen, versprechen seit acht Jahren nicht mehr Aktienanlagen, sondern Investments in die Modernisierung und energetische Sanierung und in den Neubau eine gute Rendite. Das lasse allerdings aufgrund der hohen Nachfrage derzeit die Kosten für Dienstleistungen und Materialien steigen.

Bei der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer zeigte sich der Straßenbau als das Handwerk mit dem besten Konjunkturklima-Indexwert. Er lag bei 95 Prozent. 21 Prozent der befragten Unternehmen dieser Branche meldeten einen Beschäftigungsaufschwung seit Herbst 2016. Zweit- und drittbestes Branchenklima: Die Installateure und Heizungsbauer (SHK-Handwerk), dann die Elektrotechnik. Im SHK-Handwerk antworteten nur neun Prozent, ihr Betrieb habe gegenüber Herbst 2016 keine steigenden Umsätze erzielt.

Robert Wirtz, Geschäftsführer von Wirtz & Lück Wohnbau, spricht von einer beispiellosen Auftragslage. „Normalerweise haben wir bis Ende August etwa 15 Objekte verkauft. Dieses Jahr sind es 31. Das ist Höchststand in der Firmengeschichte.“ Seine Firma plant Ein- bis Mehrfamilienhäuser. Ob das am Ende auch ein Plus in die Kasse bringt, zeige sich erst bei der Nachkalkulation: „Die Kosten für die Gewerke und deren Materialien sind um fünf bis zehn Prozent gestiegen. Und ein verkauftes Haus kann ich ja im Nachhinein nicht teurer machen“, erklärt Wirtz. Die Handwerker, deren Leistung sein Planungsbüro dazubucht, müsse er sehr früh anfragen. Teilweise gebe es Vorläufe von einem Dreivierteljahr.

Auch die Stadt bestätigt: „In Düsseldorf werden in der Tat sehr viele Bauvorhaben in städtischem Auftrag realisiert“, so eine Sprecherin (mehr dazu siehe Kasten).

Die gute Auftragslage für die Handwerksbetriebe hat für die Kunden aber auch die Folge: Es ist nicht leicht, einen Handwerker zu finden, der zeitnah Kapazitäten hat — viele sind stark ausgebucht. Das bekommen nicht nur Privatleute zu spüren, sondern beispielsweise auch die Bädergesellschaft. „Es wird schwierig, für unseren Neubau des Allwetterbades Firmen zu finden, die noch Platz in ihren Auftragsbüchern haben. Das haben wir aus laufenden Bauprojekten gelernt“, erklärt Geschäftsführer Roland Kettler. „Wenn wir Glück haben, können wir nach einer Ausschreibung aus drei Angeboten wählen.“

Die Projekte der Bädergesellschaft sind ausschreibungspflichtig, sie kann die Aufträge nicht einfach vergeben. Die meisten Angebote kämen aber von Betrieben aus der Region, sagt Kettler. Oft mit dem Hinweis versehen, dass der vorgegebene Zeitrahmen nicht eingehalten werden kann. „Die Leute wundern sich immer, wenn sich der Eröffnungstermin für ein Schwimmbad nach hinten verschiebt. Aber genau das sind oft die Gründe, gegen die wir nichts machen können.“