Start-up aus Düsseldorf Ein Waffelbäcker setzt auf Inklusion

Flehe · Für das Unternehmen „Downtown Waffles“ muss noch ein Anhänger finanziert werden. Jetzt feierte das Team Back-Premiere.

 Waren bei der Waffel-Aktion des neuen Unternehmens auf der Kleeblatt-Weihnachtsfeier auch mit dabei: Pascal und die zweijährige Paulina Dickmann.

Waren bei der Waffel-Aktion des neuen Unternehmens auf der Kleeblatt-Weihnachtsfeier auch mit dabei: Pascal und die zweijährige Paulina Dickmann.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Das Konzept für „Downtown Waffles“ hat Vincent Wirxel als Bachelor-Arbeit seines Designstudiums entwickelt. Die Idee: mit einem Anhänger zu Events zu fahren, dort Waffeln verkaufen und so ein gewinnorientiertes Unternehmen betreiben. Eigentlich nichts Neues.

Doch die Waffelbäcker-Mannschaft soll eine außergewöhnliche Struktur haben: Das Dreier-Team soll aus zwei geistig Behinderten und einem Teamleiter bestehen. „Der Großteil der geistig behinderten Menschen wird im Sonderarbeitsmarkt wie den Werkstätten für angepasste Arbeit eingesetzt. Nur ein Prozent dieser Menschen wechselt einmal in den ersten Arbeitsmarkt und dann gibt es viele Rückläufer“, erläutert Wirxel. „Wir möchten zeigen, dass Inklusion und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können. Wir glauben, dass es möglich ist, behinderte Mitarbeiter fair zu bezahlen und gleichzeitig Gewinne zu erzielen.“

Und es würden Begegnungen geschaffen zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen, in denen die Leistungsfähigkeit der Minderheit gezeigt werden könne. Auch das würde das Thema Inklusion weiter in die Gesellschaft tragen und im Laufe der Zeit selbstverständlich machen. „Hauptziel des Projekts ist nicht die Maximierung des Gewinns, sondern die Förderung der Inklusion, indem wir einen positiven Beitrag zur Teilhabe von behinderten Menschen in der Gesellschaft leisten“, so Wirxel.

Wirxels Motivation, sich intensiv mit Inklusion zu beschäftigen, ist familienbedingt. Seine Schwester lebt mit dem Down-Syndrom. „Wir haben gesehen, wie schwierig es auf dem ersten Arbeitsmarkt ist. Sie hat viele unbezahlte Praktika gemacht aber keine Chance bekommen, sich als bezahlte Arbeitskraft zu beweisen“, erläutert Wirxel. „Jetzt arbeitet sie in einer Werkstatt für angepasste Arbeit.“

Das Downtown-Konzept inklusive Web- und Marketingauftritt steht, Wirxel und sein Studienkollege Tom Sion gaben die Initialzündung zur Umsetzung. Aber das Wichtigste fehlt noch: Der Anhänger, also die eigentliche Geschäftsgrundlage. So feierten die inklusiven Waffelbäcker ihre Premiere bei der Weihnachtsfeier von „Kleebatt Düsseldorf – Trisomie 21“. Das Netzwerk für Familien mit Kindern mit Downsyndrom, haben Eva Schwientek und Simone Eßer vor einigen Jahren gegründet und sind unter anderem erste Informations-Anlaufstelle für Familien, die ein Kind mit Downsyndrom erwarten oder ein Kind mit Downsyndrom bekommen haben.

Durch Spenden soll der
Waffel-Anhänger gekauft werden

Mittlerweile nutzen deutlich mehr als 100 Familien das Netzwerk und die Expertise von Schwientek und Eßer. „Es war purer Zufall, dass wir mit ‚Downtown Waffles‘ zusammenarbeiten. Eine Freundin hat uns auf die Website aufmerksam gemacht“, verrät Schwientek. „Wir wollten bei unserer Weihnachtsfeier sowieso Waffeln backen und waren froh, dass wir das nicht selber machen müssen, sondern uns um andere Dinge kümmern können.“

Bei dem Debüt der inklusiven Waffelbäcker stand auch Laura, Vincent Wirxels Schwester, an den Waffeleisen. Dass ihre Produkte schmackhaft sind, bewies die nicht enden wollende Schlange vor den Ausgabetischen. Die Backwaren wurden kostenfrei ausgegeben, aber Spenden gesammelt, damit demnächst der Anhänger gekauft werden kann.

Es wird wahrscheinlich nicht die einzige Gelegenheit gewesen sein, dass die beiden Wirxels und Sion bei den Kleeblättern die Waffeleisen angeschmissen haben. „Ich hoffe, es wird eine Neverending Story“, so Eßer. „Nicht nur, dass Waffeln immer lecker sind, vielleicht kann demnächst eines unserer Kinder mit Down-Syndrom bei Downtown-Waffles arbeiten.“ Und wie es sich für richtige Unternehmer gehört, planen Wirxel und Sion bereits eine Erweiterung des Angebots. „Wir denken über den Verkauf von Pizza und Flammkuchen nach“, verrät Jungunternehmer Wirxel.

Simone Eßer und Eva Schwientek haben für die Gründung und jahrelange Betreuung von „Kleeblatt Düsseldorf“ den „Martinstaler“ erhalten. Die Stadt Düsseldorf verleiht den Martinstaler an Personen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagiert haben. Sie erhielten die Ehrung in der Kategorie „Neue Wege des bürgerschaftlichen Engagements“. Dabei geht es darum, Personen, Vereine oder Initiativen zu ehren, die sich durch innovative Ideen und privates Handeln auf unbekannte Pfade ehrenamtlicher Tätigkeit begeben haben.

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