„Wir sind sehr dankbar für eine erfüllte Zeit“ Ein Pfarrer-Ehepaar aus Düsseldorf nimmt Abschied

Düsseldorf · Hannelore Kuhlmann und Jörg Jerzembeck-Kuhlmann haben über drei Jahrzehnte die evangelische Kirchengemeinde in Heerdt geprägt. Nun gehen die beiden in Rente. Die Pfarrstelle wird wohl nicht neu besetzt.

 Jörg Jerzembeck-Kuhlmann und Hannelore Kuhlmann werden noch im Mai mit einem Gottesdienst geehrt und verabschiedet.

Jörg Jerzembeck-Kuhlmann und Hannelore Kuhlmann werden noch im Mai mit einem Gottesdienst geehrt und verabschiedet.

Foto: Jürgen Flakowski

Bereits in den ersten Minuten des Gesprächs mit Hannelore Kuhlmann und Jörg Jerzembeck-Kuhlmann wird klar: Das Wirken des Pfarrer-Ehepaares im Paul-Gerhardt-Haus der Evangelischen Kirchengemeinde Heerdt könnte viele Buchseiten füllen. Tatsache ist, dass die Theologen am 26. Mai mit einem Gottesdienst geehrt und offiziell verabschiedet werden.

Der Abschied kommt nun genau 33 Jahre nach ihrer Einführung am 26. Mai 1991. Hannelore Kuhlmann (64) und Jörg Jerzembeck-Kuhlmann (63) erinnern sich genau. „Das war für die Gemeinde neu“, sagen sie. „Im Pfarrhaus, dort, wo mehr als 30 Jahre ein alleinstehender Pfarrer gelebt hatte, wohnte nun bald eine Familie – denn 1993 und 1995 wurden unsere beiden Söhne geboren.“ Das Paar belegte je eine halbe Stelle und konnte somit Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren. „Wir waren in einer sehr pragmatisch denkenden Gemeinde tätig“, erklären sie. „Alle waren immer sehr wohlwollend und unsere unterschiedlichen Begabungen wurden von den Gemeindemitgliedern geschätzt.“ Vorbehalte gegenüber einer Frau habe es so gut wie gar nicht gegeben.

Jede Woche ist bekannt, wer am Sonntag den Gottesdienst hält. „Die Düsseldorfer Gottesdienst-Landschaft lebt von großer Vielfalt. Die Kirchgänger können wählerisch sein.“ Die Erziehung der Söhne machte dem Ehepaar keinen Druck: „Sie sind in der Gemeinde aufgewachsen.“ Und Hannelore Kuhlmann erinnert sich: „Ich musste keine Erziehungszeit nehmen, da ich mit meinem Mann alle Dienste absprechen konnte.“ Ihre seelsorgerischen Qualitäten brachte sie nicht nur in der Gemeinde, sondern seit 2007 auch im Heerdter Krankenhaus ein. Ihr Mann dagegen übernahm bereits vor 15 Jahren zweimal wöchentlich in der Anne-Frank-Realschule den Religionsunterricht. „Mit diesem Schuljahr geht für mich auch dort eine schöne Zeit zu Ende“, sagt Jörg Jerzembeck-Kuhlmann.

Im Kirchencafé gibt es günstig Waffeln mit Kirschen und Eis

Das Pfarrer-Ehepaar sieht in seinem Konzept den Erfolg in der Evangelischen Kirchengemeinde Heerdt. „Es gibt drei wichtige Punkte – das sind die Gottesdienste und die ‚Offene Kirche‘ mit vielen niedrigschwelligen Angeboten und ein Netzwerk im Stadtteil“, erklären sie. Die Gestaltung der Gottesdienste hat sich mit dem Umbau des Paul-Gerhardt-Hauses, der im Jahr 2008 erfolgte, und mehr Transparenz in den Räumlichkeiten verändert. „Der Gottesdienst als Mitte der Gemeinde reduziert sich nicht nur auf die Veranstaltung im Kirchenraum“, so das Paar. Wichtig sei auch das, was vorher und nachher passiere. „Beispielsweise haben wir als Alleinstellungsmerkmal einen ‚Gottesdienst für Ausgeschlafene’.“

Zum „bunten Strauß“ der Gottesdienste gehört auch der Gottesdienst zum Mitlesen, besonders geeignet für Gehörlose und Schwerhörige. Deshalb ist vor dem Altarraum ein großer Bildschirm angebracht. Dort sind grundsätzlich alle Texte mitzulesen – auch Gebete und die Predigt. „Die Aufnahme ist viel besser, als wenn die Menschen nur zuhören. Allerdings muss dazu immer eine Power-Point-Präsentation vorbereitet werden“, erklärt das engagierte Pfarrer-Ehepaar. Nach dem Gottesdienst gibt es Kaffee und am Abend auch mal ein Glas Wein. „Die dabei entstehenden Gespräche werden vor allem von alleinstehenden Gemeindemitgliedern sehr geschätzt.“

Die Vielfalt der Gottesdienste spielt im Kontext mit dem Konzept „Offene Kirche“ eine sehr wichtige Rolle. An jedem dritten Sonntag im Monat feiern drei Gemeinden ihre Gottesdienste. Morgens kommt die niederländisch-ökumenische Gemeinde, um 14.30 Uhr versammelt sich die indonesische Gemeinde und um 18 Uhr gibt es dann den „Gottesdienst für Ausgeschlafene“. Dieser werde sehr geschätzt. Beliebt ist auch das Kirchencafé, in dem einmal wöchentlich Waffeln mit heißen Kirschen und Eis zu einem niedrigen Preis angeboten werden. „Ehrenamtliche machen es möglich“, betont Hannelore Kuhlmann. Geburtstagskinder bekommen einen Gutschein als Geschenk.

Relativ neu ist das Stadtteil-Projekt „Heerdt hilft Senioren“. Ältere Menschen, die ein niedriges Einkommen haben, bekommen einmal im Monat Lebensmittel und Hygieneartikel, die von der Tafel Düsseldorf und Einzelpersonen gespendet werden. Die Bedürftigen können auswählen, was sie brauchen. Sie sind für die Unterstützung dankbar und sagen: „Gut, dass es euch gibt.“ Unter den engagierten Ehrenamtlichen sind auch viele Frauen der Heerdter Schützen und des Bürgervereins.

Wie dieses vielfältige Engagement des Pfarrer-Ehepaars nach dessen Abschied in das Rentenalter weitergeht, ist nicht sicher: „Zum Übergang wird es eine pastorale Versorgung geben. Die Pfarrerstelle wird wohl aufgrund der geringen Zahl der Gemeindemitglieder von 1280 nicht mehr besetzt.“

Hannelore Kuhlmann und Jörg Jerzembeck-Kuhlmann – er ist auch für das kulturelle Programm wie Ausstellungen und Konzerte zuständig – sagen: „Wir sind sehr dankbar für eine erfüllte Zeit. Wir haben viele wunderbare Menschen kennenlernen dürfen.“ Besondere Pläne für den nächsten Lebensabschnitt haben sie nicht: „Auf jeden Fall möchten wir unser Ferienhaus in Holland mehr nutzen und auch einiges Ehrenamtliches übernehmen – nicht nur in Heerdt.“

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