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Düsseldorf: Ein Mutmach-Buch als Liebeserklärung

Kultur : Ein Mutmach-Buch als Liebeserklärung

Autor Michael Frey Dodillet hat über Eltern allein zu Hause geschrieben und wie sehr er seine Frau und die drei Kinder liebt.

Der Nachwuchs ist flügge, die Eltern sind allein zuhaus. Wie geht man mit dem plötzlichen Freiraum um? Für Michael Frey Dodillet, erfolgreicher Werbetexter und Autor, keine Frage. Am besten, Man(n) schreibt ein Buch über diese Erfahrung. Schließlich hat man jetzt sein Shampoo wieder für sich allein, den Rasierer übrigens auch.

Doch bis „Leeres Nest, volle Panik“ in diesen Tagen in die Buchläden kommt, rang Michael Frey Dodillet rund drei Jahre mit sich und dem Text.  Woran lag’s? „Daran, dass wir im Grunde noch mittendrin drin waren. Die Kinder waren außerdem zwischenzeitlich wieder zu Hause eingezogen“, resümiert er. Sohn Max hatte nach einer Lehre als Koch in einem Sternerestaurant im Düsseldorfer Hafen erst einmal das Weite gesucht und war nach Stuttgart gezogen. Schwester Lottas neue Destination hieß Sydney. Erst nur für ein paar Monate und dann wollte sie in „Down Under“ studieren. Marie, das dritte Dodillet-Kind, begann eine Ausbildung in München. Aber irgendwie zog es den Nachwuchs dann doch noch mal zurück ins Nest, wie übrigens auch derzeit. „Schule und Uni sind geschlossen, so sind die Mädchen wieder hier bei uns und Max hat Pause, bevor die neue Saison als Koch startet.“ Ein wenig ist der Papa schon froh, dass die Sippe wieder vereint in Erkrath ist.

Doch zurück zum kurzweiligen Buch, das ja eigentlich in den einschlägigen Läden liegen sollte. Die haben aber zu. So müssen die Fans des Autors, die seit Jahren die Geschichten aus dem Hause Frey Dodillet nebst vierbeinigen Untermietern, wie die berühmt-berüchtigten Krawallmaustagebücher „Herrchenjahre“ oder „Herrchentrubel“, über Hündin Luna und die Urlaubs-Trips ihres Herrchens mit seinen Kumpels („Toskana-Männer“, „Männer al dente“) mit Ungeduld erwarten, auf das Online-Angebot zurückgreifen. „Wenn der Paketbote überhaupt noch liefert“, unkt der Autor und verweist auf die elektronische Fassung als E-Book.

Er selbst beschreibt sein Werk so: „Es ist kein Ratgeber, sondern ein Mutmachbuch.“ Auf jeden Fall aber ist es eine Liebeserklärung an seine Frau Stella und die drei gemeinsamen Kinder. Frey Dodillet lässt die Leser teilhaben an Anekdoten aus zwei Jahrzehnten Familienalltag und an Ereignissen, die rückblickend nicht nur ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Gewürzt mit witzigen Illustrationen aus der Feder von Nathalie Brink. Was sagt denn die Familie dazu, wenn er so freizügig aus dem Nähkästchen plaudert? „Die durften das Manuskript alle vorher lesen“, gibt der Autor Einblick in seine Schreibwerkstatt und räumt ein: „Da waren schon ein paar bange Momente dabei, ob sie mit allem einverstanden sind, was ich da geschrieben habe“. Die Sippe gab grünes Licht und so dürfen auch andere teilhaben an den Dingen, die Eltern von ihren Kindern lernen können, wie unbedingtes Vertrauen, Mut, Neugier oder Humor. Aber sie erfahren auch, dass ein Paar, das die Sache mit den Kindern gestemmt hat, ganz plötzlich wieder auf sich selbst zurückgeworfen ist. Das kann gut gehen, aber genauso auch im Blues enden, wenn die beiden sich nicht mehr allzu viel zu sagen haben, weil das Zentrum von allem, die Kinder, nicht mehr da sind.

Zu Beginn seines Buches fragt sich Frey Dodillet, darf ich das überhaupt? Als Mann über ein Thema schreiben, dass eigentlich eher Redakteurinnen auflagenstarker Frauenmagazine vorbehalten bleibt? Klare Antwort: „Ja, weil die sich eigentlich nur mit sich selbst beschäftigen, von Hitzewallungen und Cellulite philosophieren, aber kaum etwas über ihre Kinder schreiben und Partner kommen auch nur am Rande vor“, bilanziert er. Natürlich hatte er vorab recherchiert, ob es schon Lesenswertes zum Thema Eltern allein zuhaus auf dem Markt gibt. „Das sind meist nur langweilige Ratgeber und Männer schreiben sowieso nicht drüber“, meint er. Aber wer weiß, vielleicht hat er bei seinen Geschlechtsgenossen ja nun den entscheidenden Impuls ausgelöst, auch mal in die Tasten zu hauen, um darüber zu sinnieren, wie es denn nun so ist, wieder zu zweit zu sein.

„Leeres Nest, volle Panik“ ist kurzweilige Unterhaltung mit vielen augenzwinkernden Denkanstößen. Genau die richtige Ablenkung in diesen schwierigen Zeiten.