Schotten in der Altstadt „Düsseldorf is much nicer than Cologne“

Düsseldorf · Egal wer spielt, egal wie das Spiel ausgeht: Die Schotten feiern in der Altstadt. Düsseldorf mögen sie alle. Altbier nicht unbedingt.

EM-Resultate hin oder her. Die Schotten feiern in Düsseldorfs Altstadt (v.l.): Stewart, Scott, Anne-Marie, Lorraine, Lewy, Sandy, Scott, Rikki und Mark aus Aberdeen.

EM-Resultate hin oder her. Die Schotten feiern in Düsseldorfs Altstadt (v.l.): Stewart, Scott, Anne-Marie, Lorraine, Lewy, Sandy, Scott, Rikki und Mark aus Aberdeen.

Foto: Jakub Drogowski

Spätestens seit dem Eröffnungsspiel am vergangenen Freitag prägen Schotten vielerorts das Stadtbild. Teile der „Tartan Army“, wie sich die Fangemeinde auch wegen ihrer traditionellen Kilts im Karomuster nennt, scheinen seitdem in Düsseldorf zu wohnen. Immer wieder sind Schottenröcke und entsprechende Fußballtrikots in der Altstadt zu sehen – selbst, wenn Schottland gar nicht spielt. So zeigen etwa zahlreiche Videos vom Wochenende und auch von Montag die feiernden Fans. Bei Instagram sind etwa ein Dudelsack-Spieler und tanzende Menschen zu sehen, die den Fangesang „No Scotland, no party“ skandiert.

Selbst am verregneten Dienstagnachmittag, wo sich sonst wenige Fans in der Altstadt aufhalten, sind es die Schotten, die die Zapfhähne der längsten Theke der Welt weiter in Betrieb halten. Denn weder von der Auftaktniederlage, noch dem Dauerregen und schon gar nicht von einem dröhnenden Schädel nach durchzechter Nacht lassen sich die Anhänger der „Bravehearts“ von einer weiteren Tour durch Düsseldorfs Feiermeile abhalten.

Die 5:1-Schlappe gegen die deutsche Mannschaft am Freitag haben die meisten mittlerweile verdaut und nehmen sie hin mit schottischem Stoizismus. Als Schotten seien sie es gewohnt, zu verlieren, sagt Stewart aus Aberdeen. Er und seine Kameraden haben es sich in „Fatty‘s“ Irish Pub gemütlich gemacht. Ein bisschen betrübt, vielleicht auch ein wenig ermattet, aber dennoch hoffnungsvoll für das schon entscheidende Spiel am Mittwoch gegen die Schweiz in Köln. „Wir haben die verdammten Tickets für jedes Spiel, auch in Stuttgart gegen Ungarn“, ruft Liam. Dann wollen sie wieder in voller Montur ihre Mannschaft anfeuern – mit Schottenrock und allem, was dazugehört. Der einzige Kilt-Träger jener doch so typisch schottischen Männerbekleidung in der Runde ist aber eine Frau: Lorraine. Sie trägt ihr „kilted skirt“ auch stolz jenseits des Stadions. „Das Wetter hier ist schlimmer als in Schottland“, sagt sie. Aber die Düsseldorfer seien „immer sehr nett“.

Eine Übernachtungsmöglichkeit hätte die Gruppe nur noch in Wuppertal ergattern können. Zum Feiern wollen sie aber stets in die Landeshauptstadt kommen. Das Eröffnungsspiel haben Lorraine und Begleitung Anne-Marie am Burgplatz verfolgt, gegen die Schweiz haben sie Karten fürs Stadion. Ihr Tipp: Zwei zu Null für Schottland. Das schätzt Russel aus Hamilton, nahe Glasgow, der sich in O’Rileys Pub ein Guinness schmecken lässt, etwas anders ein. Schottland werde die Gruppenphase nicht überstehen. „Aber das macht nichts“, sagt Russel und schiebt ein schottisches Bonmot hinterher „Win or loose – we are on the Booze“, also „Gewinnen oder verlieren – wir sind auf Alkohol“. Die Zeit in Düsseldorf wolle er noch die ganze Woche genießen. Er und seine Kollegen konnten Zimmer im Düsseldorfer H2-Hotel bekommen. Überhaupt sei es für ihn ein teures Vergnügen, Schottlands erste EM-Endrundenteilnahme seit 1992 beizuwohnen. „Ich habe 400 Euro für das Ticket morgen bezahlt, um die Schotten verlieren zu sehen“, sagt Russel. Immerhin: Sein eigens für den Trip gekauftes 300-Pfund-Kilt will er bis zur Rückkehr nach Hause am kommenden Samstag nicht mehr ausziehen.