Düsseldorf: Die Bolzplatzhelden spielen wieder

Fußball : Slalom, Finte, Schuss ins Tor: Die Bolzplatzhelden spielen wieder

An 16 Standorten in Düsseldorf gibt es wieder kostenloses Fußballtraining für Kinder – schon im neunten Jahr. Die Nachfrage steigt stetig.

„Trainer, ich will ins Tor“, ruft Niklas, der seinem Trainer Günter Thiele gleich auch noch erzählt, dass er diese Woche Geburtstag hatte. „Da singen wir später noch ein Lied“, sagt der darauf. Aber erstmal Slalom, Finte, Schuss ins Tor. Auf dem Bolzplatz an der Osterfelder Straße in Rath kommt Günter Thiele jeden Donnerstagnachmittag zum Fußballtraining mit Kindern zwischen sechs und 14 Jahren. „Ein Riesenglück“ sei das, sagt der Ex-Profi.

Und nicht nur für ihn, der sich freut, mit 57 Jahren immer noch mit Fußball zu tun haben zu dürfen. Denn das Training, das die Bürgerstiftung Düsseldorf schon seit 2013 organisiert, ist für die Kinder kostenlos, unkompliziert können sie zwischen 15 und 18 Uhr daran teilnehmen - und auch mal später kommen, wenn die Schule oder das Freizeitprogramm es nicht anders zulässt.

Es geht um Fairplay, Teamgeist, Rücksichtnahme. „Und darum, die Kinder mal ein paar Stunden von der Straße und vom Handy weg zu holen“, sagt Heribert Eisenburger, der bei der Bürgerstiftung für das Projekt Bolzplatzhelden zuständig ist. Kooperationspartner sind neben Fortuna auch Sociagoal, Rheinflanke und die Provinzialversicherung. Sie unterstützen das Projekt auch finanziell.

Am Zaun hängen schon die bunten Leibchen fürs kleine Turnier später. Auf dem Platz sind die Bälle schon in Bewegung, Hütchen fürs Techniktraining liegen bereit. All das wird durch das Geld der Stiftung und der Sponsoren finanziert. „Es kommt auch vor, dass Kinder hierherkommen, die haben keine richtigen Sportschuhe“, sagt Thiele. Dann besorgen die Bolzplatzhelden welche.  Ums Training kümmern sich die ehrenamtlichen Trainer - neben Günter Thiele sind auch andere Ex-Fortunen dabei, wie Gerd Zewe oder Egon Köhnen.

Thiele macht jede Woche ein bisschen andere Dinge im Training. Aufwärmen gehört natürlich dazu. Dann ein paar Technikübungen und auch Gymnastik. Am Ende gibt es meistens ein kleines Turnier, je nachdem wie viele Kinder gekommen sind. Meistens sind es in Rath zwölf bis 25 – sowohl Jungs als auch Mädchen sind bei den Bolzplatzhelden willkommen. Auch an den anderen Standorten sei das Training so gefragt, sagt Eisenburger.

Die meisten Kinder kommen aus der Umgebung der Bolzplätze. „Das werden doch später mal die besten Fußballer – die, die auf solchen Plätzen angefangen haben“, sagt Thiele. Ein paar Talente habe er auch schon gesehen. Ein Junge sei schon seit fünf Jahren dabei. „Der bringt alles mit“, sagt der erfahrene Trainer. Bald hat der Elfjährige sein erstes Probetraining bei Fortuna. „Leverkusen war auch an ihm dran – aber der soll zu Fortuna gehen“, sagt Thiele lächelnd.

Zu Beginn des Projekts sei die Nachfrage noch kleiner gewesen, doch dann habe sich eine Eigendynamik entwickelt. „Mittlerweile rufen mich immer wieder Trainer an und sagen, dass sie einen zusätzlichen Termin brauchen“, sagt Eisenburger. Weil zu viele Kinder kommen.

In Garath zum Beispiel ist er zudem auf der Suche nach einem passenden Standort. Gerade dort, wo wenige Kinder zum Vereinstraining gehen  oder gehen können, sind die Bolzplatzhelden richtig.

„Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles so viele Jahre machen darf“, sagt Günter Thiele. Den Kindern hier zu helfen, sei für ihn eine Art Lebensaufgabe – und er wolle weitermachen. Mindestens so lange, bis mal ein ganz großer Spieler dabei ist.

Infos zu den Plätzen und Trainingszeiten gibt es im Internet unter bolzplatzhelden-duesseldorf.de, regelmäßige Termine kann man außerdem in der Facebook-Gruppe „Bolzplatzhelden gesucht - Düsseldorf“ abonnieren.

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