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Düsseldorf: Der gastronomische Jahresrückblick

Düsseldorf: Der gastronomische Jahresrückblick

Die Gastro-Szene hat ein bewegtes Jahr hinter sich — wer geht, wer kommt und wer sich verändert.

Lange Zeit haben unsere Stadtoberen es zumindest erfreut zur Kenntnis genommen, dass Düsseldorf vor allem wegen seiner hervorragenden Gastronomie-Vielfalt ein Tourismus-Magnet ist. Thomas Geisel scheint der erste Gourmet unter den Düsseldorfer Oberbürgermeistern zu sein. Erst in seiner Ägide schenkt das Internetportal der Stadtverwaltung auch Düsseldorfs kulinarischer Seiten Beachtung.

Foto: mase

Im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten (wie etwa München) wirkt die Präsentation allerdings wie in Stein gemeißelt, wird selten aktualisiert und lässt auch Meldungen über die Vergabe von Sternen, Hauben oder andere Auszeichnungen vermissen. Dabei könnte man diesbezüglich völlig kostenlos noch viel mehr mit seinen Pfunden wuchern. Nicht nur weitgereiste Touristen lieben die urigen Brauhäuser mit eigenem Altbier und deftiger Hausmannskost sowie die schicken Szenelokale der City.

Foto: Sergej Lepke

Auch die enorme Anziehungskraft, die unsere qualitativ hochwertigen asiatischen (insbesondere japanischen und chinesischen), portugiesischen und spanischen Restaurants, viele Bistros und Steakhäuser auf Stammgäste aus den Niederlanden, dem Ruhrgebiet und den umliegenden Nachbarstädten ausübt, ist weitgehend unbekannt.

Objektiver zu belegen ist Düsseldorfs einsame Klasse in der gehobenen Gastronomie. Denn auch in der Spitze sind wir absolute Spitze! Über der Stadt leuchten elf Himmelskörper des wichtigsten Gourmetführers „Guide Michelin“. Das sind elf Mal so viele wie im etwas kleineren Dortmund. Gemeindet man das Meerbuscher Anthony’s (mit seinem Mix aus afrikanischer, arabischer, französischer und deutscher Küche) kurzerhand mit ein (schließlich ist der ghanaische Chefkoch Anthony Sarpong auch noch in Düsseldorf tätig), wären es sogar zwölf Sterne, und damit einer mehr, als in der vermeintlichen NRW-Genießer-Hochburg, der fast doppelt so großen Domstadt.

Ein Besuch im Nagaya ist ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt. Wären die Restaurantführer nicht französisch orientiert und finanziert, hätten die japanisch-europäischen Fusionen von Yoshizumi Nagaya längst den dritten Stern und 19 Punkte erarbeitet. Hier speist man nicht, hier weilt man im kulinarischen Himmel und labt sich an Ambrosia. Seinen zweiten Stern erkochte sich Nagaya San dafür mit seinem neuen Restaurant Yoshi innerhalb eines Jahres.

So bleibt weiterhin Jean-Claude Bourgueil der einzige Drei-Sternekoch der Stadt: Zwei der begehrten Himmelskörper zeichnen sein legendäres Gourmet-Paradies Im Schiffchen im ersten Stock des wunderschönen Backsteinhauses in Kaiserswerth aus, während im Erdgeschoss Enzo im Schiffchen den einzigen Stern für italienische Kochkunst der Stadt inne hat.

Doch wo viel Licht, ist auch Schatten. Die hiesige Veganer-Szene muss zwei weitere Verluste erleiden. Die Kneipe Butze schließt zum Ende des Jahres und auch die schöne Zeit von Dennis Riesen als Chefkoch des Amado Verde im Medienhafen ist dann vorbei. Der Spezialist für pflanzliche Ernährung im Fine Dining-Stil bleibt uns aber erhalten. Er wechselt ins Zurheide-Team an die Berliner Allee, wo er ab dem Frühjahr für leckere Alternativen jenseits der Fleischeslust sorgen will.

Und da kreative Köpfe nur selten beim traditionellen Standard bleiben können, fand in 2017 ein ständiges Kommen und Gehen statt. Ziemlich dumm aus der Wäsche schauten einige Stammgäste, als sie im November plötzlich vor verschlossenen Türen der Düsseldorfer Institution Victorian standen. Zunächst wurde ein Wasserschaden als Grund angegeben, doch schnell wurde klar, dass das Kö-Restaurant, das so viele junge und erfolgreiche Köche hervorgebracht hat, wohl schon Geschichte sein könnte. Der Betreiber, der das Lokal zuvor aufwendig umbaute, ist zwar ein erfahrener Geschäftsmann und Gastronom, doch um das innenstädtische Flagschiff der gehobenen Gastronomie wieder auf Kurs zu bringen, fehlte es anscheinend an Geduld, Mut und Know-How.

Auch Düsseldorfs dienstältester Promi-Padrone Pasqualino Palmieri schloss sein legendäres Ristorante Amalfi im vergangenen Herbst endgültig. Den 70-jährigen Lino kann man aber weiterhin als Koch für Caterings oder Private Dinings mieten. Und auch Marcel Schiefer, kurzzeitig Sternekoch (Schorn) und Erfinder der „Rheinischen Tapas“, hat aus gesundheitlichen Gründen die Pforten seiner zuletzt geführten Lokale Bruderhaus und S-Raum verschlossen. Ebenfalls vorbei ist es mit den Burgerbuden Butch Becker und Richie‘n Rose, die im aktuellen heimischen Restaurantführer „Düsseldorf geht aus“ noch die beiden ersten Plätze der Pattie-Charts belegen.

Neben vielen neuen Konzepten und frischen Winden in Traditionshäusern wie Dorfschänke, Lido Malkasten, Fleher Hof oder Landhaus Freemann wechselten 2017 Namen und Betreiber wie am Fließband (was nicht immer mit einer bessern Qualität einherging). Aus Fehrenbach wurde Zweierlei, La Terrazza: The Grill, Mario’s: Lupo, D´Vine: Rob’s Kitchen, Güzel Voyage: Byliny, Nooij: Franz, Papa Yong: Kim´s Core, Pocchino: Bonalumi und so weiter. Lediglich Miss Moneypenny behielt ihren alten Namen trotz des Betreiberwechsels.

Auch das Reul’s schließt nach einem Jahr, allerdings zieht Betreiberin Agata Reul im Frühjahr mit ihrem Gourmettempel Agata’s von Derendorf in die umgebauten Räumlichkeiten im Unterbilker Derag Living Hotel um. Freuen darf man sich zudem auf die Eröffnungen von Zurheide (im Crown), dem neuen Gourmet-Tempel auf der Berliner Allee, und die Eröffnung des gläsernen Pavillons Wilma Wunder, einer Rund-um-die-Uhr-Gastronomie am Martin-Luther-Platz gegenüber der Johanneskirche.

Auch die gegenwärtigen Trends wie edle Steakhäuser, südamerikanische Küche und Weinbars werden Klein Paris’ kulinarische Disposition auch in den kommenden zwölf Monaten noch erweitern. Aber welche tollen News auch immer noch kommen werden: Gegessen wird weiterhin, was auf den Tisch kommt. Guten Appetit.