Sportangebote in Düsseldorf Neue Konzepte gegen den Platzmangel

Düsseldorf · Der Allgemeine Rather Turnverein gibt seine Vereinsgastronomie auf, um mehr Sportangebote machen zu können. Gleichzeitig sollen am Standort mehr Übungsleiter für ganz Düsseldorf ausgebildet werden.

Geschäftsführerin Claudia Näckel im ehemaligen Vereinssaal, der nun umgebaut wird.

Geschäftsführerin Claudia Näckel im ehemaligen Vereinssaal, der nun umgebaut wird.

Foto: Anne Orthen (orth)

Der Allgemeine Rather Turnverein (ART) hat, wie eigentlich alle Sportvereine in Düsseldorf, ein Platzproblem. Beheimatet ist der Verein an der Bezirkssportanlage Rather Waldstadion. Dort befindet sich die Geschäftsstelle in einem eigenen Haus, zudem ist der Verein Hauptnutzer der dortigen Halle und der Außenanlage. Doch dieser Platz reicht nicht aus für die Angebote für die rund 2200 Mitglieder; rund die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Und auch die Trainingsmöglichkeiten im Stadtteil sind beschränkt, sodass der Sportunterricht inzwischen an rund 35 Sportstätten in ganz Düsseldorf stattfindet, darunter sogar Hallen im von Rath weit entfernten Benrath. „So viele Standorte zu organisieren, bedeutet einen hohen logistischen Aufwand“, sagt Claudia Näckel, geschäftsführender Vorstand des Vereins.

Eine Lösungsmöglichkeit sieht sie in multifunktionalen Räumen. Sie möchte sich deshalb stärker mit anderen Institutionen vernetzen, um deren Räume nutzen und damit den Bedarf nach weiteren Flächen decken zu können. Im Sinn hat sie dabei zum Beispiel die Bewegungsräume in Kitas, die abends nicht genutzt werden, Versammlungsräume von Kirchen oder der Bezirksverwaltungsstelle sowie Seniorenzentren.

Der ART will aber selbst natürlich auch einen Beitrag leisten. Er will sich von seiner Vereinsgastronomie trennen, die es seit mehr als 50 Jahren gibt und die über den Geschäftsräumen liegt. „Die Mitglieder treffen sich immer weniger dort, zumal sie ja auch über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind“, sagt Näckel. Das Potenzial des Saals mit seinen rund 100 Quadratmetern hat sie während Corona erkannt. In dieser Zeit hat sie dort online Sportstunden aufgenommen. „Dort können sehr gut ruhige Sportarten angeboten werden wie Ballett, Tanz, Yoga, Pilates und Reha-Sport.“

Der Saal soll aber auch weiterhin für Versammlungen genutzt werden können. Deshalb sind eine Küche und eine Spülküche geplant. Die Kosten für den Umbau werden auf eine sechsstellige Summe geschätzt. Diese soll aber durch Eigenleistung gesenkt werden. So hat der Verein seine Mitglieder dazu aufgerufen, zum Beispiel bei der Entfernung von Wandverkleidungen, Tapeten und alten Einbauten zu helfen und Maler- und Schreinerarbeiten zu übernehmen.

Umgewandelt wird auch die rund 100 Quadratmeter große Fläche des ehemaligen Biergartens in eine Outdoorsportanlage, die beispielsweise für Rollstuhlbasketball genutzt werden kann. Für weitere Räume konnte bereits der Stadtsportbund als Mieter gewonnen werden. Dieser will dort Qualifizierungsmaßnahmen für Trainer, Vereinsmanager und Übungsleiter anbieten. „Wir brauchen dringend Übungsleiter und Räume für deren Ausbildung. Dafür ist das Rather Waldstadion ein toller Ort“, sagt Meinolf Grundmann, Vorstand beim Stadtsportbund. Bereits im Oktober ist in Rath eine Veranstaltung für Sporthelfer geplant. Das sind Jugendliche ab 13 Jahren, die diese Qualifikation im Verein oder der Schule erworben haben und bei dem Forum Möglichkeiten kennenlernen, wie sie ihr Wissen weiterentwickeln können.

Die umgestalteten Räume sollen möglichst im März 2025 fertig sein. „Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Sportangebote zu erweitern.“ So haben sich auch die Ziele des Vereins verändert – weg vom Leistungssport und mehr hin zum Breitensport. „Wir wollen vor allem Spaß an der Bewegung vermitteln.“ Sollten trotzdem noch Zeiten in der neuen Halle frei sein, will diese der ART anderen Gruppen überlassen. „Diese sollen die Chance haben, bei uns Unterschlupf zu finden. Erst Anfragen zum Beispiel von einer Square-Dance-Gruppe gibt es schon.“