Düsseldorf: Das Thema „Wohnen für alle“ ist eine zentrale Frage

Gastkommentar : Das Thema „Wohnen für alle“ ist eine zentrale Frage in Düsseldorf

Der Autor ist Geschäftsführer der Katholischen Kirche in Düsseldorf. Er beleuchtet das Thema Wohnen.

Ich bin noch beeindruckt von dem Podiumsgespräch des Katholikenrates in dieser Woche. „Wohnen für alle in Düsseldorf“ war das Thema und zugleich die politische Forderung des Katholikenrates.

Denn das Thema ist eine zentrale Frage in unserer Stadt. Eine Wohnung ist existenziell und nicht einfach austauschbar und daher besonders schützenswert. Das Problem, bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was bedeutet es für unsere Stadt, wenn sich auch Polizisten, Erzieher, Facharbeiter, Pflegekräfte, Verkäuferinnen und Verwaltungsmitarbeiterinnen das Wohnen in ihrer Heimatstadt nicht mehr leisten können?

Notwendigerweise sind gute Ideen und konstruktive Lösungen für diese sehr komplexe Problematik gefragt. Deshalb haben Katholiken begonnen, sich in unserer Stadt mit diesen Fragestellungen auseinanderzusetzen, gerade auch, um bei den Kommunalwahlen sprechfähig zu sein und kompetent die Kandidaten der einzelnen Parteien befragen zu können.

Zugestandenermaßen nehmen auch Christen viele Dinge erst wahr, wenn sie sie selbst betreffen. Wissen Sie und die Bürger in unserer Stadt eigentlich, wie viele Düsseldorfer Haushalte einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben – also Anspruch auf geförderten Wohnraum? Es ist mehr als jeder zweite Düsseldorfer Haushalt, also mehr als 170 000 Haushalte.

Bezahlbare Wohnungen sind ein Mangel in Düsseldorf. Was bedeutet das für die Menschen? Wer eine bezahlbare Wohnung hat, kann sich nicht mehr verändern. Schicksalsschläge, die jeden von uns treffen können, haben fatale Folgen: Der Partner stirbt, eine Trennung, Kinder kommen hinzu oder ziehen aus, die Treppe in die dritte Etage wird zum Hindernis, das Wohnhaus, in dem Menschen viele Jahrzehnte lebten, wird verkauft, die Mieten steigen in unbezahlbare Höhen, die Menschen werden aus ihren angestammten Wohnvierteln vertrieben, Eigenbedarfskündigungen drohen. Bauen scheint die eine Lösung für diese Situation zu sein, der Schutz des Wohnungsbestandes die andere.

Dabei ist Bauen aufgrund von fehlenden Grundstücken, hohen Bauauflagen, zeitintensiven Antragsverfahren und unterschiedlichen Anwohnerinteressen keine kurzfristige Lösung. Das wird immer wieder deutlich. Deshalb ist es genauso notwendig, den vorhandenen Wohnungsbestand zu erhalten und zu wahren.

Das Podiumsgespräch hat mir gezeigt, dass die Forderung „Wohnen für alle in Düsseldorf“ gar nicht so einfach umzusetzen ist. Viele rechtliche und gesetzliche Hürden sind zu überspringen. Aber es lohnt sich, wenn wir uns als Christen und als Stadtgesellschaft sachkundig und engagiert in diese Diskussion einbringen.

Michael Hänsch (Foto: Judith Michaelis) ist Geschäftsführer der Katholischen Kirche  Düsseldorf

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