1. NRW
  2. Düsseldorf

Düsseldorf: Das sind die Karnevals-Mottowagen 2021 von Jacques Tilly

Trotz Zug-Absage unterwegs : Und Tillys Wagen rollen doch

Düsseldorf verzichtet trotz der Zoch-Absage nicht auf seine berühmten politischen Mottowagen. Wagenbauer Jacques Tilly hat acht Motive gestaltet, die auf einer geheimen Route durch die Stadt unterwegs sind. Hier sind sie zu sehen.

Die Düsseldorfer Karnevalisten haben am Rosenmontag acht ihrer berühmten politischen Mottowagen durch die Stadt geschickt – als Ersatz für den wegen der Corona-Pandemie abgesagten Zug.

Am Morgen wurden die acht Motive von Wagenbauer Jacques Tilly in Bilk vorgestellt, danach fuhren die Wagen auf drei unterschiedlichen Routen durch die Stadt. Die Strecken blieben bis zuletzt geheim, um mögliche Menschenansammlungen zu vermeiden.

Erst am Freitag hatte das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) die Aktion angekündigt. Sie sollte den Düsseldorfern mitten im Lockdown eine schöne Überraschung bescheren. Tilly hatte für einen Fernsehbeitrag ohnehin einen Wagen bauen sollen – daraus wurden dann acht. „Wir sind für Überraschungen geboren“, sagte CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann. Zu den Kosten äußerte er sich nicht.

Eines der acht Motive hatten manche Karnevalskenner tatsächlich vorausgeahnt: das Corona-Virus. Im vergangenen Jahr hatte auf einem sehr ähnlichen Karnevalswagen noch ein Jeck dem Virus eine lange Nase gedreht – immerhin war der Zug 2020 trotz der aufziehenden Pandemie noch durch die Landeshauptstadt gefahren. In diesem Jahr aber sollte es damit nichts werden, und so hat Tilly das wohl berühmteste Motiv des vergangenen Jahres diesmal umgedreht: Das Virus verspottet diesmal den Narren.

Corona-Leugner und „Querdenker“ sind für Tilly ein Fall fürs Fremdschämen. „Bei denen geht das Gehirn fliegen“, sagt der Wagenbaumeister und stellt die Hardcore-Kritiker der Corona-Politik deshalb auf einem Wagen so dar: Schädel auf, Hirn ade – es fliegt mit Flügelchen davon. Dass das Virus vielleicht ein anderes Problem verdeckt, zeigt ein weiterer Wagen: Der Globus erzittert darauf vor dem Virus, merkt aber gar nicht, dass von hinten eine Monsterwelle naht, der Klimawandel.

US-Präsident Donald Trump wird am Spieß über einem Impeachment-Feuer gegrillt. Kanzlerin Angela Merkel und ihr möglicher Nachfolger Armin Laschet verschmelzen zu einer lächelnden Figur, natürlich mit Raute. Russlands Präsident Putin ist für die Düsseldorfer Wagenbauer unterdessen nur der scheinbare Sieger im Kampf mit seinem Kritiker Nawalny, der tritt ihm im Nahkampf nämlich dorthin, wo es einem Mann am meisten wehtut.

Kein Rosenmontag in Düsseldorf ohne Kirchenkritik: Tilly stellt sich an die Seite der Frauen in Polen, die sich durch das neue Abtreibungsrecht unterdrückt sehen. Ihnen wird auf einem Mottowagen mit Hilfe eines Kreuzes ein Pflock ins Herz getrieben, als seien sie des Teufels. Das Kernproblem der katholischen Kirche ist der Geschlechtsverkehr, findet der Düsseldorfer Meistersatiriker, deswegen entpuppt sich die Bischofsmütze auf einem Wagen als männliches Geschlechtsteil.

Den Wagen, der die Situation in der katholischen Kirche aufs Korn nahm, steuerte CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann selbst durch die Stadt; zunächst über die nördlichste der drei Routen, die bis zum Mörsenbroicher Ei führte – also deutlich weiter, als der eigentliche Zoch sonst unterwegs wäre. Anschließend ging es dann durch den Hafen und schließlich über die Oberkasseler Brücke auch kurz ins Linksrheinische.

Der eisige Regen sorgte während der ersten Stunde für weitgehend menschenleere Straßen, zufällige Passanten reagierten aber mit erstaunten Blicken und begeistertem Winken, die meisten zückten ihr Smartphone. Etwas voller wurde es am Burgplatz und an der Königsallee: Die zentralen Orte hatten einige Jecke offenbar als wahrscheinlichste Teile der Route vermutet, einige wenige standen sogar verkleidet am Rand und jubelten mit „Helau“-Rufen dem Wagen zu. Der Spaß war freilich schnell wieder vorbei, denn der Wagen bewegte sich zumeist in normalem Tempo durch den Straßenverkehr.

Nur an der Kö wurde die Geschwindigkeit zumindest einmal kurz gedrosselt, um den Zuschauern die Gelegenheit fürs Fotografieren zu geben. „Insgesamt bin ich zufrieden, es ist eine tolle Aktion“, befand Tüllmann. Ein paar mehr Zuschauer hätten es vermutlich auch sein dürfen bei etwas besserem Wetter: „Aber so ist zumindest alles ohne Ansammlungen abgelaufen, und wir konnten unsere Wagen trotzdem zeigen.“

(arl/bpa/ujr/wie)