Düsseldorf: Darum ist das Abkühlen im Rhein so gefährlich

Gefahr im Rhein : Die DLRG warnt: Darum ist das Abkühlen im Rhein so gefährlich

2019 wurden bereits sieben Tote aus dem Rhein geborgen. Die meisten Düsseldorfer beteuern, sich der Gefahren bewusst zu sein, erfrischen sich dann aber doch im Wasser. Für die DLRG ist die Aufklärungsarbeit mühsam.

Manch einer wird mit den Augen rollen. Nicht schon wieder die Warnungen und Appelle, nicht im Rhein zu baden. Gefährlich ist es, das wisse man doch. Nicht zu weit hineinwagen solle man sich, damit der Sog der vorbeifahrenden Schiffe einen nicht in den Fluss hinaus und unter Wasser drückt.

Selbst wenn das Wetter jetzt gerade nicht zum Schwimmen einlädt: Anscheinend wissen alle um die Gefahren, die von Fließgewässern ausgehen. Umso unverständlicher sind die Szenen, die sich an heißen Tagen beispielsweise am Paradiesstrand abspielen. Ältere, Jugendliche und sogar Kinder sind im Wasser zu beobachten. Viele wagen sich hüfthoch in das so friedlich wirkende kühle Nass hinaus, machen sogar einige Schwimmzüge. Kinder sitzen in Badesachen im Wasser, gehen tiefer hinein, um ihre Eimer zu füllen oder besondere Steine zu finden - teilweise unbeaufsichtigt. Und selbst wenn die Gefahr ganz bewusst wird, weil vor den Augen Retter nach vermissten Schwimmern suchen, wird der eigene Badespaß nicht oder nur kurz unterbrochen.

So zuletzt Ende Juli, als gleich zwei Personen vermisst wurden, die sich zuvor im Rhein erfrischt hatten. Innerhalb von wenigen Stunden war es zu zwei schweren Badeunfällen im Rhein gekommen. Ein 18-Jähriger wurde durch die Strömung am Paradiesstrand ins tiefere Wasser gezogen und konnte sich nicht mehr an Land retten. Wenig später ereilte einen 22-Jährigen bei Zons das gleiche Schicksal. Die Suchaktionen mit Hubschraubern und Rettungsbooten wurden nach mehreren Stunden abgebrochen. Beide Männer wurden Tage später tot aufgefunden.

Die Zahlen Im vergangenen Jahr rückten die Retter zu insgesamt 61 Einsätzen aus, bei der eine Person hilflos im Rhein gesehen wurde. Dabei konnten 18 Menschen gerettet werden, davon mussten 15 ins Krankenhaus transportierten werden, für zwei Menschen kam jede Hilfe zu spät. In diesem Jahr gab es bereits 39 Einsätze im Rhein. Sieben Personen wurden tot geborgen.

Verbote Im Rhein ist das Schwimmen in bestimmten Zonen generell verboten. So gelten 100 Meter oberhalb und unterhalb von Rheinhäfen Badeverbot. An Brücken, Schiffs- und Fährlandestellen, Schleusen, Vorhäfen, Umschlagstellen und Werften darf ebenfalls nicht geschwommen werden.

Gefahr Gefahr droht aber auch dort, wo eben keine Verbotsschilder stehen. „Wir wissen, dass es gefährlich sein kann. Aber so lange es nicht verboten ist, wird es auch nicht so schlimm sein“, sagte zuletzt eine junge Frau, die ihr Kind unter Aufsicht im seichten Wasser spielen lässt. Und mit dieser Ansicht steht sie nicht allein da. Selbst wenn Personen, die sich weit hinausgewagt haben, von Rettern der DLRG angesprochen das Wasser verlassen, werden sie kurze Zeit später wieder beim Baden gesichtet. Vielleicht auch, weil sie selbst nicht glauben können, wie schnell sich das scheinbar friedliche Wasser in eine reißende Strömung verwandeln kann. Die DLRG will den Menschen verständlich machen, warum der Rhein und das Baden in der meist befahrenen Wasserstraße der Welt lebensgefährlich ist. Und hat in einem rund 60 Seiten umfassenden Handbuch für Schwimmer, Rettungsschwimmer, aber auch Ausbilder und Bootsführer der DLRG anschaulich und wissenschaftlich erläutert, wieso vom Baden im Rhein dringend abgeraten wird und wie sich in Not geratene Personen verhalten sollten.

Grundsätzliches Steht man auf einer Brücke und blickt auf den Rhein sieht man die Fließbewegung ganz deutlich. „Für einen Schwimmer hat diese rollende Fließbewegung zur Folge, dass er größere Kräfte aufwenden muss, um sich an der Wasseroberfläche fortbewegen zu können“, heißt es in dem Schriftstück der DLRG-Ortsgruppe. Das allein macht aber nicht die Gefahr aus.

Strudel Gefährlich wird es laut DLRG erst dann, wenn es zu einem sogenannten Strömungsabriss kommt. Davon wird gesprochen, wenn das Wasser am natürlichen Weiterfließen gehindert wird, zum Beispiel durch sogenannte Buhnen (ins Wasser ragende Kiesflächen, wie sie auch am Paradiesstrand zu sehen sind). An den Buhnenköpfen kommt es zum Strömungsabriss, das bedeutet, dass unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und -richtungen zusammentreffen und sich Wirbel und Strudel bilden. Sie sind für Schwimmer gefährlich, weil sie plötzlich und mit Wucht auftreten. Sie können Schwimmer unter Wasser drücken.

Strömung An der gedachten Verbindungslinie zwischen den Buhnenköpfen kommt es zu einer starken Zunahme der Strömung. „Ein Schwimmer oder eine Luftmatratze können so sehr schnell abtreiben“, warnt die DLRG. Zwischen den Buhnen gibt es nur eine relativ geringe Strömung — das verleitet dazu, zu nah an die gefährlichen Buhnenköpfe heranzugehen.

Wassertiefe Zwischen den Buhnen kann auch die Wassertiefe sehr schnell zunehmen. Auch bei besonders niedrigem Wasserstand besteht Gefahr: So kommen Personen sehr nah an die Fahrrinne der Schiffe heran (Sogwirkung).

Verletzungsgefahr Zudem bestehen die Buhnen und der Grund in ihrer Nähe aus scharfkantigen und rutschigen Steinen. Es besteht Verletztungs- und Rutschgefahr.

Verhaltensempfehlungen Geraten Schwimmer in einen Wirbel, rät die DLRG, nicht panisch zu werden, sich in Rückenlage mit den Füßen voran (damit der Kopf vor Kollisionen geschützt ist) von der Strömung treiben zu lassen und um Hilfe zu rufen. Sollte man von dem Wirbel nach unten gezogen werden, „so sollte man versuchen, den Wirbel am Boden mit kräftigen, seitwärts gerichteten Tauchzügen zu verlassen“.

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