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Düsseldorf: Bizzarer Prozess um christliche Rocker

Gericht : Versuchter Totschlag: Bizzarer Prozess um christliche Rocker

Opfer überlebte wohl nur, weil die Waffe klemmte. Selbst ernannter Apostel schwieg am ersten Verhandlungstag.

Es ist einer der bizzarsten Prozesse, der jemals vor dem Düsseldorfer Landgericht stattgefunden hat. Im Gang sitzen drei Frauen und singen „Hallelujah“. Vor dem Saal berichtet ein Pastor aus der Schweiz, wie er selbst knapp einem Mordanschlag entkommen ist. Und auf der Anklagebank sitzt ein zum Christentum konvertierter Türke, der sich Apostel nennt und eine eigene Freikirche gegründet hat. Zusammen mit drei Mitgliedern des christlichen Motorradclubs „True Life“. Was ihnen vorgeworfen wird, lässt sich mit ihrer Glaubenslehre kaum vereinbaren. Sie sollen versucht haben, einen 24-Jährigen umzubringen, der nur mit dem Leben davon kam, weil eine Pistole Ladehemmung hatte. Bis Ende August will das Gericht klären, was in der Nacht zum 28. August  vergangenen Jahres tatsächlich abgespielt hat.

Kurz nach 0.30 Uhr war an der Ecke Königsallee/ Steinstraße ein lebensgefährlich verletzter Mann gefunden wurden. Der 24-Jährige, der selbst Mitglied in einem Rockerclub sein soll, hatte mehrere Messerstiche abbekommen, einen davon knapp neben dem Herzen. Die Spur der Ermittler führte sehr schnell zu einer christlichen Sekte aus dem Schwarzwald, die mit „True Life“ eine eigene Motorradabteilung hat.

An der Spitze der Freikirche steht Turgay Y. , 36 Jahre alt, und Apostel von eigenen Gnaden. Zehn Jahre seines Lebens hat er wegen verschiedener Delikte im Gefängnis verbracht. Dann konvertierte er zum Christentum und begann ein neues Leben. So jedenfalls beschreibt er in einem Buch seine Läuterung. Um sich herum versammelte er rund 30 Anhänger, darunter auch die Mitangeklagten im Alter von 24 bis 28 Jahren.

Hinter den Kulissen der christlichen Sekten wird offenbar mit harten Bandagen gearbeitet. „Da geht es um die Auslegung des christlichen Glaubens“, erklärte der Schweizer Pastor Patrick Altendorfer. Er hatte die Freikirche des Hauptangeklagten heftig angegriffen, weil sie den Glauben für kriminelle Machenschaften nutze. Im September (da saß Turgay Y. schon in Haft) sei er von einem Maskierten mit einem Messer angegriffen und fast ermordet worden: „Die Schweizer Behörden haben noch keinen Täter ermitteln können.“

Nicht etwa um Drogen oder Prostitution, sondern um Glaubensfragen sei es auch  beim Streit mit dem 24-jährigen Rocker gegangen. Der sollte Reue zeigen, darum haben sich die Angeklagten angeblich nachts vor der  Johanneskirche mit ihm getroffen. Turgay Y. soll dem Mann eine 9mm-Pistole zunächst an die Brust und denn an den Kopf gehalten haben. Doch es löste sich kein Schuss, die Waffe hatte Ladehemmung.

Dann sollen die drei anderen Motorrad-Rocker dem Opfer zunächst eine Ladung Reizgas und dann mehrere Messerstiche verpasst haben. Als der 24-Jährige am Boden, wurde ihm nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch gegen den Kopf getreten. Schließlich sollen die vier Angeklagten geflüchtet sein. Turgay Y. machte am ersten Prozesstag keine Angaben.