Nach anhaltender Kritik Ausländerbehörde in Düsseldorf soll größer, schneller und offener werden

Düsseldorf · Der neue Amtsleiter Rana Martin Bhattacharjee möchte die Ausländerbehörde reformieren. 2024 stehen Umzug und Umbau an.

Rana Martin Bhattacharjee leitet seit einem Jahr das Amt für Migration und Integration. Seine größte Baustelle: Die Ausländerbehörde.

Rana Martin Bhattacharjee leitet seit einem Jahr das Amt für Migration und Integration. Seine größte Baustelle: Die Ausländerbehörde.

Foto: Anne Orthen (orth)

Die Ausländerbehörde soll schneller und offener werden – dieses Ziel hat sich Rana Martin Bhattacharjee gesetzt. Er leitet seit einem Jahr das Amt für Migration und Integration und spricht von einer „kompletten Reorganisation“, einer „Reform“ der Behörde. „So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben“, sagt Bhattacharjee. Seine Vision ist ein großes Integrationszentrum an der Erkrather Straße. Ein erster Schritt ist dafür die Erweiterung der Räumlichkeiten, ein Umzug steht bevor.

Voraussichtlich im Juni 2024 werden mehrere Teile der Behörde mit 90 Arbeitsplätzen in die Redlichstraße ziehen, berichtete Bhattacharjee im jüngsten Anregungs- und Beschwerdeausschuss. Die Ausländerbehörde an der Erkrather Straße soll dann neu strukturiert werden und wieder für persönliche Vorsprachen öffnen. Der Publikumsverkehr war im Mai 2022 eingestellt worden. Nur noch mit Termin und für die Abholung von Dokumenten ist ein Besuch möglich. Das will Bhattacharjee ändern und die Ausländerbehörde wieder für Präsenztermine öffnen.

Um das zu bewältigen, möchte er den frei werdenden Platz im Gebäude nutzen, um die „Kundschaft“ anders zu steuern und deren Anliegen nach neuen Sachgebieten zu bearbeiten. Die klassischen Servicepoints fallen weg, stattdessen sollen die Mitarbeitenden nach Themen arbeiten, dazu gehören Ausbildung und Studium, Service für Firmen, Familienzusammenführung und Abschiebungen.

Das heißt aber nicht, dass die Ausländerbehörde von jetzt auf gleich für Laufkundschaft öffnet. „Komplett aufmachen als offenes Haus geht bei 160 000 Kundinnen und Kunden nicht“, sagt Bhattacharjee. Darum müsse man „sukzessive und zielführend öffnen“ und weiter mit Terminen arbeiten.

Die Hoffnung sei, bis dahin auch zusätzliches Personal gewonnen zu haben, so der Amtsleiter. Denn die Behörde hat schon lange gravierende Personalprobleme. Aktuell seien mehr als 40 Stellen unbesetzt, das entspreche einer Anwesenheitsquote von 70 Prozent. Hier kämpft das Amt mit seinem schlechten Ruf – deshalb soll eine Imagekampagne starten und man wolle auf Messen Personal anwerben.

Von Beginn an arbeitet der
neue Amtsleiter an der Reform

Lange Wartezeiten, verschleppte Anträge, schlechte Erreichbarkeit, unfreundliche Telefonate – seit Jahren gibt es Kritik an der Arbeit der Behörde. Schuld seien neben dem Personalmangel fehlerhafte Strukturen, mangelnde Digitalisierung und Transparenz, aber auch externe Faktoren wie die Corona-Pandemie, die zu einem Antragsstau führte, und der Krieg in der Ukraine mit Tausenden Flüchtlingen.

Ein weiterer Kritikpunkt war die vakante Leitung des Amts für Migration und Integration. Dieser Posten ist seit fast einem Jahr mit Rana Martin Bhattacharjee neu besetzt. „Seitdem begleitet mich die Reform“, sagt er. „Damit wir die Performance-Probleme, die es ohne Zweifel gibt, auch quitt werden.“ Bis die Verbesserungen für Antragsteller und Flüchtlingshelfer spürbar werden, brauche es aber noch etwas Geduld, sagt der Amtsleiter. Er hofft, dass in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres – nach dem Umzug und Umbau – die Prozesslaufzeiten kürzer werden. Für die gesamte Reform veranschlagt er drei bis fünf Jahre, merkliche Verbesserungen sollen aber früher eintreten.

Scharfe Kritik hatten immer wieder Flüchtlingshelfer geäußert. Sie erlebten regelmäßig, dass Ausbildungs- und Arbeitsverträge von Flüchtlingen wegen der langen Wartezeiten zu platzen drohten. Mehrfach klagten sie die Missstände in offenen Briefen an den Oberbürgermeister an. Nun aber schöpfen auch die Ehrenamtlichen offenbar Hoffnung auf Besserung. „Ich glaube erstmals, dass sich in dieser Behörde etwas verändern wird“, sagt Jürgen Pfister, der seit Jahren ehrenamtlich Geflüchtete betreut. „Ich bin der Überzeugung das Herr Bhattacharjee mit seiner Reform auf dem richtigen Weg ist.“

Um die Prozesse zu vereinfachen, werden Fiktionsbescheinigungen, vorläufige Aufenthaltserlaubnisse, für zwei Jahre ausgestellt. Das mindert den Andrang in der Behörde.

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