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Düsseldorf arbeitet an einer Reform der Notfall-Medizin

Düsseldorf arbeitet an einer Reform der Notfall-Medizin

Notarzt, Notfallpraxis, Ambulanzen: Im System gibt es Schieflagen. Ein Tresen oder ein Tele-System könnten helfen.

Düsseldorf. Notarzt, Notfallpraxis, Klinik-Ambulanzen: Die notärztliche Versorgung in Düsseldorf basiert auf mehreren Säulen. Was freilich immer wieder mal zu Verwerfungen und Schieflagen führt. So wird immer öfter der Notarzt gerufen, die Zahl der Einsätze stieg von 16 292 im Jahr 2012 über 17 861 (2016) auf 19 053 im vergangenen Jahr. Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke sieht einen Grund dafür im „Missbrauch der Notrufnummer 112“, also in unnötigen Notrufen. Was in den meisten Fällen aus Unsicherheit und Unwissen der Anrufer resultiere.

Zugleich stagnieren die Zahlen in der Notfallpraxis, die — obschon unabhängig und getrennt — am Evangelischen Krankenhaus beheimatet ist. Zwar sind die Wartezeiten an manchen Abenden und Wochenenden lang, die Fallzahl liegt stabil bei etwa 78 000 im Jahr (davon 12 000 Kinder). Zugleich gehen immer mehr Menschen gleich in die Ambulanz einer Klinik — oder rufen wie gesagt die 112 an.

In die Diskussion kam die Notfallpraxis Anfang des Jahres durch den tragischen Todesfall eines siebenjährigen Jungen. Seine Mutter erhob schwere Vorwürfe gegen die Praxis und das EVK, weil die angeblich ihren Sohn nicht schnell und wirksam genug behandelt hätten. Im Gesundheitsausschuss der Stadt im Rathaus sagte danach Frank Bergmann, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, die letztlich der Träger der Notfallpraxen ist, zu, sich für Reformen und Verbesserungen bei der Notfallversorgung einzusetzen. Er kündigte an, dass auch die Einrichtung einer zweiten Notfallpraxis für Düsseldorf in Erwägung gezogen werde.

Entscheidend sei aber, dass die Notfallpraxis enger mit dem Krankenhaus kooperiere, in dem sie Räume angemietet hat. Bergmann: „Wir brauchen einen Tresen, an dem sofort entschieden wird, ob ein neuer Patient in den Krankenhaus-Apparat mit Labor oder EKG muss oder ob die Praxis für ihn genügt.“ Heißt: Die Praxis ist wirklich in die Klinik integriert, bietet auch die gleichen Fachrichtungen an — und ist nicht nur Untermieter. Dieses Modell wird seit Herbst 2017 am Krankenhaus in Frankfurt am Main getestet. Gesunheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke hälr das Modell für gut geeignet, wichtig sei die medizinische Qualität einer solchen Anlaufstelle, also die Expertise der dort Handelnden.

Im WZ-Interview sagte Meyer-Falcke: „Wir haben die Notfallpraxis, die Ambulanzen und die Notärzte beim Gesundheitsamt, an den Kliniken sowie auf Honorarbasis. Das muss man zusammendenken statt in drei getrennten Systemen.“ Meyer-Falcke verweist zudem auf ein denkbares Modell aus Aachen. Im dortigen Tele-Notarzt-System seien die Notfallassistenten sehr gut ausgebildet, deshalb fahren sie zum Teil — wenn das der konkrete Fall möglich erscheinen lässt — erst einmal ohne Arzt raus. Sie sind aber mit dem Doktor in der Wache verbunden, der sie elektronisch unterstützen kann, weil er alle Daten live übermittelt bekommt, und bei Bedarf natürlich auch ausrückt. Der Notarzt dort fährt aber nicht jede Strecke zu jedem Einsatz und kann sich so in derselben Zeit um mehr Patienten kümmern.