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Düsseldorf: Alternativen zum St. Martinszug in Heerdt und Niederkassel

St. Martin in Düsseldorf : Martinssingen auf dem Balkon

In Niederkassel wird St. Martin seinen Mantel gleich mehrfach auf dem Schulhof teilen. Die Kinder sollen in Gruppen zuschauen.

Lotta singt sich schon mal ein. Die Siebenjährige und ihre Schwester Frida warten auf dem erleuchteten Balkon darauf, dass es losgeht. Da dieses Jahr der Martinszug wegen Corona ausfallen muss, hat sich der Verein zur Förderung des katholischen Teilstandortes der Heinrich-Heine-Grundschule Heerdt etwas anderes einfallen lassen. Unter dem Motto „Lasst Heerdt leuchten! Lasst Heerdt singen!“ hat der Förderverein die Heerdter Bürger eingeladen, am Martinstag ihre Fenster mit Lichtern zu schmücken und gemeinsam, aber doch räumlich getrennt, vor oder in ihren Häusern zu singen.

Lotta und Frida haben gleich mehrere Mitsänger gefunden: Die Schwestern Fenja und Arja stehen mit ihren Eltern vor dem Haus. Auf der anderen Straßenseite stehen Hanna und Nils mit ihrer Mutter. „Es ist nett, dass wir uns hier zusammengefunden haben. Alleine hätten wir das niemals gemacht. Aber mit Abstand in der Gruppe ist es schön“, findet Barbara Rose. Punkt 17 Uhr geht es los. Dann wäre auch der Zug gestartet. Für die Laternen ist es noch ein wenig hell. Aber die Kinder haben Spaß. Musikalisch unterstützt von einem Film, den der Förderverein auf seine Homepage gestellt hat, singen Kinder und Erwachsene die Martinsklassiker, aber auch andere Lieder. Spontan kommt eine Nachbarin heraus und hängt eine Tüte mit Süßigkeiten an eine Bank. Die sollen die Kinder sich teilen. In Alt-Heerdt sieht man auch vereinzelt Familien, die ihren eigenen kleinen Familienzug veranstalten und durchs Dorf spazieren. Gerne halten sie am Kulturhafen, wo eine Laternen-Ausstellung zu sehen ist. Die älteste ist 75 Jahre alt: Toni Küppers Senior hat sie 1945 mit der Laubsäge gebastelt.

Die Kinder haben sich erstaunlich gut mit der neuen Situation abgefunden. „Ich wäre gerne mit meinen Freundinnen gelaufen, aber so ist es auch okay“, sagt Leni. „Mit der Maske kann man nicht richtig singen. Und das Gripschen fehlt. Aber wenn man Corona bekäme, wäre das noch viel schlimmer“, meint Lotta. Auch den Eltern gefällt die Aktion. „Wir sind dem Förderverein dankbar für sein Engagement. Das war heute sehr schön, und die Kinder konnten ihre Laternen zeigen“, sagt Christopher Heising. „Das Ganze hat sogar einen Vorteil. Man muss nicht so lange warten, bis sich der Zug in Bewegung setzt“, sagt Barbara Rose und lacht.

Auch in Niederkassel wurde der Gedanke, St. Martin mit einem großen Umzug zu feiern, vor längerer Zeit ad acta gelegt. „Wir haben uns Gedanken über eine andere Gestaltung gemacht. Wir haben uns überlegt, was wir innerhalb der vorgegebenen Einschränkungen tun können“, erzählt Stefanie Bessert, Mitglied der Arbeitsgruppe St. Martin des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf Niederkassel.

In Absprache mit der Leiterin der Katholischen Grundschule Niederkassel, Imke Hankammer, sowie dem Kindergarten St. Anna ist ein Konzept entstanden, das der Tradition gerecht wird. „Die Mantelteilung findet auf dem Schulhof statt - mehrfach“, erklärt Manuel Ziegner, ebenfalls in der Schützenvereins-Arbeitsgruppe. Geplant ist, am 10. November, dem ursprünglich für den Umzug vorgesehenen Termin, innerhalb der Schulzeit eine Mantelteilung live mit dem St. Martin auf seinem Pferd. Dabei treffen sich die Klassen mit genügend Abstand auf dem Schulhof und getrennt nach Jahrgang. „Jeweils ein Schüler trägt die Martinsgeschichte vor“, sagt Stefanie Bessert. Die Kindergartenkinder werden bei der Zeremonie für eine der Schuljahrgangsstufen dabei sein. Das Hygienekonzept sieht vor, dass die Kinder den Schulhof auf der einen Seite betreten und auf der anderen Seite verlassen. „Als Überraschung gibt es an einer Ausgabestelle für Schüler und Kindergartenkinder je einen Weckmann“, sagt Stefanie Bessert.

Dass auch die Tonnengarde Niederkassel 1887 mit ins Boot geholt wurde, freut Geschäftsführer Dino Conti Mica besonders: „Die Vereine, die aus einem Dorf kommen, müssen zusammenhalten. Das Miteinander ist wichtig, da sind wir auf einem sehr guten Weg.“ Die Idee, der St. Martins-Tradition derart kreativ gerecht zu werden, findet er super: „Wir sind immer dabei, wenn es um die Unterstützung von Kindern geht.“

Die in diesem Jahr per Flyer und über Social Media geworbenen Spenden gehen hälftig an die Düsseldorfer Kindertafel und das Projekt „Gesund und munter“ der Bürgerstiftung Düsseldorf. „Beides passt gut zum Martins-Gedanken“, finden Stefanie Bessert, Dino Conti Mica und Manuel Ziegner.