Am Samstag 30.000 Teilnehmer bei Demo gegen rechts in Düsseldorf erwartet

Düsseldorf · Der Protest am Samstag wächst. Wegen dieser neuen Größenordnung wird die Kundgebung auf die Rheinwiesen verlegt.

 Eine Kundgebung, die die Prüfung eines AfD-Verbots forderte, erhielt bereits Mitte Januar mehr Unterstützer als erwartet. 650 Demonstranten kamen – die Anmelder hatten mit nur 100 Personen gerechnet.

Eine Kundgebung, die die Prüfung eines AfD-Verbots forderte, erhielt bereits Mitte Januar mehr Unterstützer als erwartet. 650 Demonstranten kamen – die Anmelder hatten mit nur 100 Personen gerechnet.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Am Samstag werden in Düsseldorf voraussichtlich viel mehr Menschen für die Demokratie auf die Straßen gehen als zunächst erwartet. Immer mehr Organisationen, Vereine und bekannte Persönlichkeiten schließen sich dem Protest gegen Rechtsextremismus an – Polizei und Stadtspitze stellen sich auf eine fünfstellige Zahl an Teilnehmern ein. Die Abschlusskundgebung wird darum auf die Oberkasseler Rheinwiesen verlegt.

Das Bündnis Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ) hat die Demonstration angemeldet und rechnet mit großem Zulauf: 30 000 Teilnehmer werden erwartet, sagt Oliver Ongaro von DSSQ. Zuvor waren 5000 Demonstranten angemeldet, am Dienstag habe man die Zahl aber erhöht. „Ich habe selten etwas erlebt, das eine Stadtgesellschaft so eint“, sagt Ongaro. Die Polizei hält diese Größenordnung für „mindestens realistisch“, sagt ein Polizeisprecher. Mit Blick auf die große Mobilisierung in anderen Städten könnte die Demo in der Landeshauptstadt durchaus noch größer werden.

Los geht es um 12 Uhr am DGB-Haus an der Friedrich-Ebert-Straße. Die abschließende Kundgebung wird jedoch nicht auf dem Johannes-Rau-Platz stattfinden, da dort zu wenig Platz ist. Die Stadtspitze hat am Dienstagmorgen entschieden, die Oberkasseler Rheinwiesen für die Versammlung freizugeben.

Dort werden unter anderem Mona Neubaur (Grüne), stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin, Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), Karnevalsprinz Uwe I., der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, und die DGB-Vorsitzende des Landes, Anja Weber, sprechen. Auch Musiker der Deutschen Oper am Rhein werden auf der Bühne stehen. Die Toten Hosen wären bei der Kundgebung womöglich aufgetreten, aber Sänger Campino ist auf einer lange geplanten Fernreise. Die übrigen Mitglieder der Band wollen als Privatpersonen an der Demo teilnehmen und Flagge gegen rechts zeigen.

Am Treffpunkt soll sich trotz der neuen Größenordnung nichts ändern. Die Demonstranten sollen vom DGB-Haus gleich in Richtung Oststraße gelotst werden, so DSSQ. Wenn es zu voll werde, müsse der Protestzug schon früher starten, um das Geschehen zu entzerren.

Zahlreiche Organisationen und Vereine haben mittlerweile ihre Teilnahme angekündigt und zum Protest aufgerufen, unter anderem der Düsseldorfer Appell, ein überparteiliches Bündnis gegen Rassismus, Antisemitismus und religiösen und politischen Extremismus.

Sportvereine rufen
zur Teilnahme auf

Auch das Brauchtum und Kulturinstitutionen haben sich angeschlossen. So wird unter anderem der neue Schützenchef Andreas-Paul Stieber an der Kundgebung auf den Rheinwiesen teilnehmen, kündigten die Düsseldorfer Schützen am Dienstag an. Zu dieser werden auch Düsseldorfs Karnevalisten erwartet. „Wir haben alle unsere Mitgliedsvereine aufgerufen, sich zu beteiligen“, so Hans-Jürgen Tüllmann, Geschäftsführer des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC). Rund 10 000 Jecken sind im CC organisiert. „Wir hoffen, dass sehr viele Menschen am Samstag dabei sind.“

Die Düsseldorfer Bürgerstiftung, die sich für Bedürftige einsetzt, äußerte in den sozialen Medien, sie stehe für Mitmenschlichkeit, Toleranz und Völkerverständigung. „Wir haben das große Glück, diese Werte in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft leben zu können. Die Freiheiten werden zurzeit massiv bedroht und es ist Zeit, unsere Demokratie aktiv zu verteidigen.“ Die Stiftung rufe alle auf, mit ihrer Teilnahme ebenfalls ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und für Demokratie zu setzen.

Auch Fortuna Düsseldorf, DEG, Borussia Düsseldorf und Rhein Fire haben zur Teilnahme an der Demo aufgerufen. In einer Erklärung fordern die Sportvereine, gemeinsam ein Zeichen für die Demokratie zu setzen. „Es geht uns grundsätzlich darum, Haltung zu zeigen und für die Werte der Fortuna, die auch in der Satzung verankert sind, einzustehen“, sagt Kai Niemann, Sprecher des Fußballclubs. Den Aufruf haben die Vereine in den sozialen Medien geteilt, allein Fortuna Düsseldorf hat bei Facebook mit mehr als 219 000 Followern eine enorme Reichweite. Am Samstagabend wird um 20.30 Uhr in der Arena auch das für Zuschauer kostenlose „Fortuna für alle“-Spiel stattfinden. Damit dürfte es noch einmal voll werden in der Stadt. Davon, dass sich Fußballfans und Demonstranten in die Quere kommen könnten, geht Niemann nicht aus. „Im Gegenteil. Wir sind davon überzeugt, dass es eine große Schnittmenge geben wird“, sagt er.

Titel der Demo ist „Nie wieder ist jetzt – für Demokratie und Rechtsstaat“. Auslöser ist ein rechtes Geheimtreffen in Potsdam zur sogenannten Remigration, initiiert von einem ehemaligen Düsseldorfer Zahnarzt. „Das Treffen von Geldgebern, AfD-Funktionären und Führungsfiguren aus der extrem rechten Szene sorgte in den letzten Tagen für großes Entsetzen“, heißt es im Aufruf von DSSQ. „Offen wurde bei dem Zusammentreffen darüber spekuliert, wie man nach einer Machtübernahme durch die Rechte Menschen ohne deutschen Pass oder Deutsche mit Migrationsgeschichte zur ,Remigration’ in ihre vermeintlichen Herkunftsländer zwingen könne.“