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Düseldorf: Schumacher-Fest zum 150. Geburtstag

Düsseldorfer Brauerei feiert Jubiläum : Brauhaus Schumacher feiert 150-jähriges Bestehen

1871 zog die Brauerei an die Oststraße. Zum 150. Geburtstag gab es eine Feier und viele Erinnerungen.

Als die Geschichte der Brauerei Schumacher begann, da war alles noch in Männerhand: 1838 war es, da kaufte der gelernte Bierbrauer Matthias Schumacher in Düsseldorf die Brauerei „Im Sonnenaufgang“, ein stattliches Haus an der Citadellstraße 12. Hier wurde vor 183 Jahren der Grundstein für die älteste Hausbrauerei Düsseldorfs gelegt. Nach wie vor wird nach Matthias’ Rezept und dem Reinheitsgebot von 1516 das Schumacher Alt gebraut.

 Gertrud Schnitzler-Ungermann (l.) und Tochter Thea
Gertrud Schnitzler-Ungermann (l.) und Tochter Thea Foto: Brigitte Pavetic

Richtungsweisende Entscheidung im Jahre 1871

Dann übernahm die zweite Generation, das war Ferdinand. Der traf eine richtungsweisende Entscheidung, und zwar 1871, also in einem Jahr, das auch politisch bewegt war: Das Deutsche Kaiserreich wurde gegründet und Otto von Bismarck zum Reichskanzler ernannt. Zu der Zeit gab es noch 75 Hausbrauereien, heute sind es nur noch sieben in der Stadt. „Im Sonnenaufgang“ wurde vor 150 Jahren an die Oststraße verlagert und in die „Brauerei Ferdinand Schumacher“ umbenannt. 1902 kaufte Ferdinand außerdem die traditionsreiche Brauerei und Gaststätte „Im Goldenen Kessel“ im Herzen der Altstadt.

Viele Geschichten ereigneten sich seither, einige Anekdoten können Gertrud Schnitzler-Ungermann (5. Generation) und ihre Tochter Thea Ungermann (6. Generation) heute erzählen. Zum Beispiel diese, dass die Franziskaner-Ordensbrüder ihren Haustrunk immer bei Schumacher genommen haben. „Die waren ja mit ihrem Orden damals auch an die Oststraße gezogen“, sagt Thea Ungermann. Oder dass Ferdinand an die damals östliche Grenze der Stadtbebauung gezogen war und das Areal an der Oststraße „vollkommen plattes Land“ war. Es gab auch einen zweiten Ferdinand in 3. Generation der Schumacher-Familie, der kaufte eine spezielle Kühlmaschine und erweiterte die Gaststätte. Die Ehe dieses Ferdinands und dessen Gattin Gertrud, einer geborenen Schnitzler und von allen Traudchen genannt, blieb kinderlos. Ihr Neffe Hans Schnitzler, gelernter Braumeister, übernahm mit seiner Gattin Thea in 4. Generation – das Schumacher und der Uerige mit Michael Schnitzler an der Spitze sind also durch Verwandschaft verbunden. Nach dem Tod ihres Mannes Hans 1966 leitete dann Thea mit viel Beharrlichkeit, Weitsicht und Kraft die Brauerei, wie deren Tochter Gertrud Schnitzler-Ungermann voller Bewunderung sagt. „Die hat noch den Boden selber geschrubbt und die Bohnen selber geschnibbelt.“ Wie ihr Vater an der Kasse stand und die Kellner Biermarken bei ihm kauften – das ist eine der frühesten Erinnerungen von Gertrud Schnitzler-Ungermann. Und deren Tochter Thea (die Familie nennt sie Ninka – als Abkürzung für Nina Thea, denn so lautet ihr Name vollständig) kann sich an das Zubereiten von Frikadellen und Muscheln erinnern. „Und ich in meinem Kittelchen wollte mitmachen. Hier war mein Spielplatz, und hier schlug ich meiner Schwester aus Versehen den ersten Zahn aus.“ Und genau diese Schwester, die alle Flocke nennen, sorgte nun kürzlich dafür, dass Frauen die Brauerei wohl auch weiterhin leiten werden, denn im August kam die 7. Generation zur Welt: Charlotte. Am Donnerstagnachmittag war es der Dominikaner-Pater Wolfgang aus der Altstadt, der zum Start der großen Jubiläumsfeier mit Hunderten Gästen im Brauhaus und im Hof einen Gottesdienst abhielt an der Oststraße. Fürbitten waren vorbereitet worden. Dazu gab es ein buntes Musikprogramm mit Jazz, Brauchtumsmusik, Rock und dem „Schumacher-DJ“ Oliver Decker. Dazu organisierte die „Weiberwirtschaft“, wie Mutter Gertrud und Tochter Thea zu sagen pflegen, einen kleinen Oststraßen-Markt, außerdem schenkte das Brauer-Team ein eigens kreiertes Jubiläums-Alt aus. Auch die Ahnen feierten in gewisser Weise mit, denn Bilder von allen Schumachers – Matthias, die Ferdinands, die Thea – hängen an den Wänden im Brauhaus. Der Eintrittspreis im Schumacher soll den Flutopfern und den Schumacher-Mitarbeitern zugute kommen. „Schon meine Oma Thea hatte eine sehr soziale Ader, das wollen wir hier im Schumacher auf jeden Fall auch pflegen“, sagte die gleichnamige Nachfahrin.