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Dügida: Geschäftsleuten an der Graf-Adolf-Straße reicht es

Dügida: Geschäftsleuten an der Graf-Adolf-Straße reicht es

Anlieger der Aufmarsch-Route wollen Einbußen durch die Demonstrationszüge nicht länger hinnehmen.

Düsseldorf. Mehr als 50 Anlieger der Graf-Adolf-Straße stehen hinter den Forderungen der Anwältin Gülsen Çelebi, die wöchentlichen Dügida-Demonstrationen auf eine andere Route zu verlegen (WZ berichtete).

Dügida: Geschäftsleuten an der Graf-Adolf-Straße reicht es

So auch Hasan Gezek, Can Sahin und Erkan Erbogan. Ihre Geschäfte liegen genau an der Straße, die seit vier Wochen allmontäglich für die Protestmärsche abgesperrt wird, wodurch sie bereits enorme Umsatzeinbußen in Kauf nehmen mussten.

Dügida: Geschäftsleuten an der Graf-Adolf-Straße reicht es

Kioskbesitzer Gezek berichtet, jeweils zwischen 17 und 24 Uhr keine Kunden mehr zu haben. „In drei Wochen habe ich dadurch rund 2500 Euro verloren.“ Er hält den Aufwand rund um die Demonstrationen für unverhältnismäßig. „Es kann doch nicht sein, dass für die 100 Demonstranten 1000 Polizisten im Einsatz sind und die ganze Straße gesperrt wird.“

Dass Dügida ausgerechnet über die Graf-Adolf-Straße läuft, ist für ihn kein Zufall. „Hier hat fast jeder zweite Anlieger einen Migrationshintergrund, denen soll so geschadet werden.“ Die multikulturelle Zusammensetzung des Viertels wird auch in Gülsen Çelebis Schreiben thematisiert.

Es sei „unverantwortlich, diese gewaltgeneigten Demonstranten auf einer Straße laufen zu lassen, die hauptsächlich von Geschäften geschmückt ist, die von Düsseldorfern mit Migrationsgeschichte geführt werden“, heißt es dort.

Can Sahin vom Backwarengeschäft Güllüoglu sieht die Demonstrationen ambivalent. „Jeder sollte seine Meinung frei äußern dürfen, auch wenn ich persönlich mit dem Inhalt nicht einverstanden bin.“ Trotzdem habe auch er Çelebis Protestbrief unterschrieben. „Es geht darum, dass die Straße nicht mehr ständig blockiert wird.“ Seinen Laden schließen will Sahin während der Demonstration nicht. „Das wäre ein falsches Signal.“

Anders hat man sich im Restaurant Urfa Lahmacun & Kebaphaus entschieden. „Wir machen um 18 Uhr zu, weil uns eh keine Gäste mehr erreichen können“, sagt Erkan Erbogan. Dadurch fehlen dem Restaurant jeden Montag sechs Stunden Geschäftszeit. „Am besten sollten sie die Demos verbieten, die sind völlig sinnlos“, findet Erbogan. Hoffnungen, dass Çelebis Vorstoß tatsächlich zu Restriktionen für Dügida führt, hat er allerdings wenig. Dieser Einschätzung stimmt Polizeisprecher Andreas Czogalla zu. „Die Gerichte entscheiden meist zugunsten der Versammlungsfreiheit und stellen Anwohnerrechte zurück.“