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Düsseldorf: Drohende Zwangsräumung: Ehemaliger Obdachloser zieht vorher aus

Düsseldorf : Drohende Zwangsräumung: Ehemaliger Obdachloser zieht vorher aus

56-Jähriger kommt bei den Franzfreunden unter. So entgeht er der für nächste Woche angekündigten Räumung.

Düsseldorf. Der drohenden Zwangsräumung am Mittwoch wollte sich Rolf Thenagels nicht mehr aussetzen. „Meine Nerven liegen blank“, sagte der 56-Jährige am Donnerstag, nachdem er im vergangenen Jahr mit Mietzahlungen in Rückstand geraten war. Am Freitag will er deshalb das Angebot der Franzfreunde (ehemals Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des Heiligen Franziskus) annehmen und in deren Unterkunft am Rather Broich ziehen.

Der Auszug aus seinen eigenen vier Wänden ist für ihn der traurige (zumindest vorläufige) Schlusspunkt einer Ereigniskette, die letztlich mit einem fehlgeschlagenen Investment der Armen Brüder begann. 7,2 Millionen Euro hatten sie 2013 bei riskanten Geldanlagegeschäften verloren, da der Finanzdienstleister Infinus pleitegegangen war. Teil des Konsolidierungsplans war dann vor mehr als einem Jahr unter anderem der Verkauf der Immobilie an der Lessingstraße an die HMS Zweite Grundstücksgesellschaft, was Fifty-Fifty heftig kritisierte. Unter anderem deshalb, weil der Hilfsorganisation nicht der Rückkauf angeboten wurde. Fifty-Fifty hatte das Haus zur Unterbringung von Wohnungslosen im Jahr 2000 spendenfinanziert erworben und später den Armen Brüdern geschenkt.

Zum Verkauf sagt Dirk Buttler, Vorstand der Franzfreunde: „Sollte durch den Verkauf eine Situation entstanden sein, die für die Mieter und die Struktur des Hauses eine Belastung darstellt, so bedauern wir dies und setzen uns an die Spitze der Bewegung, um eine Lösung herbeizuführen.“ Deshalb auch das Hilfsangebot für Thenagels. Das wiederum kritisierte Fifty-Fifty am Donnerstag heftig. In einer Pressemitteilung ist von Einknicken gegenüber der Grundstücksgesellschaft die Rede. „Das ist ein feiger Rückzug, um aus der Affäre zu kommen“, sagt Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei Fifty-Fifty, die bereits Blockade-Aktionen gegen eine Zwangsräumung angekündigt hatte.

Das Recht zur Zwangsräumung hatte dem neuen Eigentümer ein Gericht Anfang des Jahres eingeräumt. Grund: Thenagels war zwei Monatsmieten schuldig geblieben und danach auch die zweite von vier vereinbarten Ratennachzahlungen à 150 Euro. Zwar verfügte Thenagels über eine Quittung für seine Überweisung, die konnte allerdings aufgrund einer Unterdeckung seines Kontos von 70 Cent nicht ausgeführt werden. Laut von Lindern war das Thenagels nicht bewusst, er habe sich weiterhin im Recht gesehen. Von Lindern betont, das Wohnungslose von solchen Vorgängen oft überfordert wären.

Eytan Daniel Halfin, Geschäftsführer der HMS Zweite Grundstücksgesellschaft, stellt die Ereignisse anders dar. Immer wieder habe man versucht, eine Einigung mit Thenagels zu erzielen, ohne Erfolg. „Ich verstehe ich nicht, warum er und die ihn unterstützenden Organisationen die Energie, die sie in diese Medienkampagne investieren, nicht schon viel früher in die Lösung des über ein Jahr alten Problems gesteckt haben.“ Jetzt sei es zu spät, den juristischen Prozess zurückzudrehen.

Halfin wehrt sich auch gegen Vorwürfe, er würde die Mieter aus dem Haus drängen. Er bestätigt zwar, in zwei Fällen für einen Auszug Prämien von 2500 Euro gezahlt zu haben. Das sei aber im Sinne der Mieter gewesen. Ein Bewohner habe ganz ausziehen wollen, ihm habe aber das Geld dafür gefehlt. Ein anderer habe allein in einer Wohnung für zwei Mieter gelebt und dadurch zu hohe Nebenkosten gehabt. Er zog dann in eine größere Wohngemeinschaft um. „Das ist natürlich auch für uns von Vorteil, wenn wir so eine freie Wohnung zu marktüblichen Konditionen vermieten können“, sagt Halfin.

Als Schikane wertet Fifty-Fifty, dass eine Gemeinschaftstoilette auf einer Etage seit Monaten nicht nutzbar ist. Die Stadt will den Vermieter verpflichten, die Sanitäranlagen instand zu setzen. Dirk Buttler von den Franzfreunden will zudem das Gespräch mit dem Eigentümer suchen, der sich dazu auch bereiterklärt. Halfin: „Wir wollen eine Lösung finden, dass so etwas nicht wieder vorkommt.“