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Dreck-weg-Tag für die ganz Harten

Dreck-weg-Tag für die ganz Harten

Bei Minusgraden und eisigem Wind sind die Düsseldorf losgezogen, um ihre Stadt vom Abfall zu befreien — so kalt war es am Dreck-weg-Tag noch nicht. Unser Autor war ausgerechnet jetzt zum ersten Mal dabei.

Neben Schneeweiß und Rest-Grün hat noch eine dritte Farbe am Samstag das Bild am linken Rheinufer geprägt: Orange. Dutzendfach war die Farbe auf den winterlichen Wiesen zu sehen, weil die Teilnehmer des Dreck-weg-Tages unterwegs waren, um am Fluss die Abfälle zu beseitigen. Dort wie an vielen anderen Stellen in der Stadt widerstanden die Bürger den fiesen Umständen: Temperaturen um minus zwei Grad und mit Schnee gefüllte Winde, die über den Fluss peitschten. Am Ende waren die Container trotz allem gut mit blauen Säcken und seltsamen Fundstücken gefüllt. So fanden Pascal Ströver und die Geschwister Timo und Eileen Bendel in Niederkassel ein verbogenes Rad, einen Rollschuh — und eine Duschwand.

Dreck-weg-Tag für die ganz Harten
Foto: Angelika Fröhling

Für meine Familie und mich bedeutete das Orange zunächst einmal die gute Nachricht: Wir sind nicht alleine. Es war unser erster Dreck-weg-Tag und als wir zum Treffpunkt an der Theodor-Heuss-Brücke fuhren, wussten wir nicht, wie viele andere dort sein würden. Die Profis waren sofort zu erkennen: Sie hatten Westen aus den Vorjahren dabei, eigene Müllsäcke und Greifzangen, um das Bücken zu vermeiden.

Dreck-weg-Tag für die ganz Harten
Foto: Judith Michaelis

Alle anderen wurden vom rustikal-charmanten Mitarbeiter der Awista auf dem Radweg unter der Brücke ausgestattet. Neben Weste (auch in Kindergröße vorhanden) und Sack gab es ein Paar Handschuhe, das bei den meisten über und unter die schon mitgebrachten Exemplare gezogen wurde. Dann ging es auf die Wiesen und zur Bestätigung, dass jede Lage von der Skiunterwäsche bis zum Fleece-Oberteil seine absolute Berechtigung hatte.

Die wichtigen Lektionen waren aber andere: Der Rhein hat in diesem Jahr zweimal sehr viel Wasser und damit auch jede Menge Müll geführt. Es gibt ganz offensichtlich nichts, was der Mensch nicht wegschmeißt. Wir finden Schuhe, Gummireifen, ein Rohr. In den ersten Minuten freuen wir uns richtig, wenn wir etwas finden, schließlich sind am Rheinufer viele Mithelfer unterwegs. „Ich hab was“ und „Hurra, da liegt Müll“, sind die Jubelsätze, die wir so auch noch nicht ausgesprochen hatten. Vom Zigarettenfilter und dem Flaschendeckel bis zu den genannten Großteilen reichen die Dinge, die wir in den blauen Sack stopfen. Und so geht es leicht gebückt am Rhein entlang und auf dem Deich wieder zurück. Die richtig Harten schaffen die Strecke bis zur Kniebrücke oder weit nach Lörick hinein.

Unsere Dreck-weg-Tag-Premiere ist wegen des März-Winters kürzer ausgefallen, als wir uns vorgenommen hatten. Wir haben aber auch in dieser Zeit verstanden, dass die Aktion des Vereins Pro Düsseldorf auch dem Bewusstsein dient. Wer einmal mitgemacht und sich nach all den Abfällen gebückt, sie geschleppt und im Container versenkt hat, der wird nicht mehr so leicht etwas auf den Boden oder in die Gegend werfen.

Wir wollen nächstes Jahr wieder dabei sein, dann vielleicht mit einer eigenen Aktion. Wer eine Gruppe für den Tag gründet, kann seine Ausrüstung schon in der Woche zuvor abholen und fährt dann nicht zu den allgemeinen Treffpunkten in Niederkassel oder Garath, sondern fängt in seinem Viertel an. So steht es übrigens auch auf der Rückseite der orangefarbenen Westen: „Vor der eigenen Türe kehren — ich bin dabei.“