Düsseldorf: Dirty Dancing: 500 Bewerber für acht heiß begehrte Jobs

Düsseldorf : Dirty Dancing: 500 Bewerber für acht heiß begehrte Jobs

Bei einem Casting im Capitol Theater in Düsseldorf werden die Tanzrollen für das populäre Musical vergeben - ein Zuckerschlecken ist das nicht.

Düsseldorf. Es ist wohl eine der schönsten Leinwand-Liebesgeschichten, die es je im Kino gegeben hat. Der Moment, in dem der attraktive Tänzer Johnny Castle die Teenagerin Frances „Baby“ Houseman mit einer Hebefigur aus dem Wasser hebt, ist den vielen Millionen Dirty Dancing-Fans unvergessen geblieben. Im kommenden Jahr gastiert das Musical im Capitol Theater. Die Hauptrollen sind besetzt. Doch am Montag und Dienstag läuft das Casting der Tanzrollen in Düsseldorf.

Insgesamt 500 Tänzerinnen und Tänzer haben sich beworben. 20 sind noch übrig geblieben und das Stellenangebot ist ziemlich stark limitiert. Acht Jobs sind nur noch zu haben. Das Musical ist international. Aus 13 Nationen kommen die Bewerber — zum Beispiel aus England, Holland, Italien, Australien, Neuseeland, Südafrika oder der Ukraine. Deshalb wird auch nur Englisch gesprochen. Natürlich sind auch einige aus Deutschland dabei. „Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Immer mehr Deutsche drängen auf die Bühne und ihr Niveau wird immer besser“, sagt Regisseur Alex Balga

Das läuft natürlich nicht so wie bei „Deutschland sucht den Superstar“, wo auch jeder absolut talentfreie Sänger hinkommen und sich blamieren kann. „Wir schreiben Künstleragenturen an und es kommen nur gute Leute“, erklärt Balga. Der Wiener ist Stammgast im Capitol. Der 45-Jährige war schon für sieben Produktionen verantwortlich, unter anderem für Cabaret, Kein Pardon und Saturday Night Fever.

Das Tänzerleben ist hart. „Jeden Tag vier Stunden Training und abends steht man auf der Bühne“, sagt Balga. Auch das Casting im Capitol ist kein Zuckerschlecken. Morgens um 9.30 Uhr geht es los, abends um 18 Uhr ist Feierabend. Danach steht vielen nicht mehr der Sinn nach einem Altstadtbesuch.

„Wir habe die Spreu schon vom Weizen getrennt. Jetzt kommt es auf die Harmonie der Tanzpaare an“, sagt Balga. Und dafür sind die Dance-Captains Steward Gannon und Dominique Brooks verantwortlich. Sie entscheiden mit dem Regisseur, wer die heiß begehrten Jobs bekommt. Da fließen auch schon mal Tränen. „Aber das gehört dazu“, sagt die 36-Jährige Brooks. Mit ihrem perfekt durchtrainierten Körper sieht sie weitaus jünger aus. Seit 30 Jahren steht sie inzwischen auf der Bühne. Genauestens beäugt sie die Paare, manchmal zieht sie die Augenbrauen kritisch hoch und gibt klare Anweisungen: „Ich habe natürlich meine Favoriten. Aber die behalte ich für mich.“

In der Garderobe wartet Mate Gyenei darauf, auf die Bühne zu kommen. Er spielt den Johnny Castle. Seine Partnerin wird Jenny Bach sein. Doch am Dienstag wird die Ersatz-Babe gesucht, falls Jenny ausfällt. Mate weiß, wie hart die Castings sind. „Ich war immer sehr aufgeregt und habe oft auch nur sehr schlecht geschlafen.“ Zumal das Risiko ja auch existenziell ist. „Normalerweise gehen die Verträge immer ein Jahr. Und danach fängt man wieder bei Null an. Man muss sich ständig neu beweisen, denn die Jobsuche geht wieder von vorne los. Es sei denn, man ist ein Star.“