Freies W-Lan Digitale Revolution im Klassenzimmer

Schüler des Gymnasiums in Rath können dank W-Lan nun flexibler arbeiten. Bis 2018 sollen alle Schulen drahtlosen Zugang zum Internet haben.

Freies W-Lan: Digitale Revolution im Klassenzimmer
Foto: Judith Michaelis

Düsseldorf. Bisher hatte Schulleiterin Dorothee Petzko ein schlechtes Gewissen, wenn sie zusehen musste, wie Schüler Justin (14) sich zum wiederholten Male Redoxreaktionen im Chemie-Unterricht erklären lassen musste. Justin hat eine Begabung für Naturwissenschaften und ist seinen Mitschülern meist einige Schritte voraus. Während die anderen Schüler eine Wiederholungsstunde einforderten, saß Justin also da und langweilte sich. Das hat jetzt ein Ende. „Mittlerweile kann sich Justin dann ein Tablet nehmen und sich mit einem Sprachlernproramm zurückziehen“, sagt Dorothee Pietzko. Möglich wurde diese flexible Art des Lernens durch die Ausstattung des Friedrich-Rückert-Gymnasiums mit W-Lan, 60 i-Pads und 60 Laptops. Sie werden im Unterricht oder in Freistunden genutzt. Schüler können sich die Geräte nach dem Prinzip einer Bibliothek ausleihen.

Und nicht nur Justin profitiert davon: Auch die rund 70 internationalen Schüler, die erst vor einiger Zeit nach Deutschland kamen, nutzen Tablets und Sprachlernprogramme, um ihr Deutsch zu verbessern.

Dabei soll der Einsatz der Laptops und i-Pads kein Ersatz für den regulären Unterricht sein. Vielmehr sollen die Sprachlernprogramme den Unterricht ergänzen und flexibler gestalten: Wenn die Schüler das Sprachlernprogramm im Unterricht, in Freistunden oder aber auch zu Hause am heimischen PC nutzen, kann ihr Lehrer mit einem Tutorenprogramm genau nachvollziehen, welche Aufgaben bewältigt wurden. „Man kann sich vor allem sehr gut selbst überprüfen“, sagt Schüler Belmin, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam und nun die neunte Klasse am Rückert-Gymnasium besucht.

Ob Grammatik, Schreibübungen oder Hörverständnis — die Schüler können die Übungen mit einem Mausklick wählen. „Wenn man im Unterricht mal etwas nicht verstanden hat, kann man es zu Hause noch einmal wiederholen“, sagt Belmin. Auch sein Deutschlehrer Patrick Trapp lobt den Einsatz der Medien. „Das Programm ermöglicht auch mir, individueller auf jeden einzugehen.“

Schüler, die ihre Noten im Fremdsprachenbereich verbessern wollen, nutzen die neuen Laptops und i-Pads ebenfalls gerne. Lydia aus der elften Klasse besucht den Englisch-Leistungskurs und bereitet sich mit den Lernprogrammen auf ihr „Cambridge-Certificate“ vor. Die Nutzung des Sprachlernprogramms ist für sie eine willkommene Abwechslung zum Frontalunterricht. „Das ist mal was anderes“, sagt sie schmunzelnd. Auch Gero aus der neunten Klasse nutzt Tablet und Sprachlernprogramm, um sich auf den „Sprachführerschein“ in Englisch vorzubereiten. „Ich denke, es wird mir bei Bewerbungen helfen. Denn es zeigt, dass man einen gewissen Sprachstandard beherrscht“, sagt der 14-Jährige. Außerdem habe er sich für einen Austausch nach Neuseeland beworben.

Drei Computerräume hatte das Gymnasium noch bis vor kurzem. Durch die Nutzung der mobilen Geräte können diese Räume nun als Klassenräume genutzt werden. „Wir brauchten dringend Platz für die Fünfklässler“, sagt Schulleiterin Dorothee Pietzko.

Bis 2018 soll jede der Düsseldorfer Schulen mit W-Lan ausgebaut sein. Bisher sind es etwa zwei Drittel. Bundesweit soll bis 2021 jedem Schüler der Zugang ins Internet möglich sein — mit einem eigenen Gerät oder mit einem, das die Schule zur Verfügung stellt. Zurzeit arbeitet die Stadt an einem Konzept, wie das bewerkstelligt werden kann. Denn: Bei 75 000 Düsseldorfer Schülern, die jeweils etwa drei Geräte mitbringen, ist das eine Größenordnung wie bei einem Großkonzern. „Das muss gut geplant sein“, sagt Florian Dirzus von der Stadt.

Die Bezirkspolitik unterstützte den technischen Ausbau: Von den 180 000 Euro, die für das Einrichten des W-Lan anfielen, übernahm sie die Hälfte. Die Ausstattung mit Laptops und i-Pads im Wert von 70 000 Euro finanzierte die Stadt.

Kasten Bibliothek in Rath, Termin von Donnerstag