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Digitalcoach Markus Schaaf zieht Bilanz für Düsseldorf

Digitalcoach für den Einzelhandel: Markus Schaaf : „Es ist schwer, den Kurs zu ändern“

Der Digitalcoach für den Einzelhandel berichtet, wo Düsseldorf Nachholbedarf bei der Digitalisierung hat und wie er da helfen kann.

Markus Schaaf (26) ist seit einem Jahr Digitalcoach für Einzelhändler im gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf. Das Landeswirtschaftsministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie sowie der Handelsverband NRW haben das dreijährige Pilotprojekt initiiert. Insgesamt sind es vier Digitalcoaches, die für unterschiedliche Gebiete in NRW zuständig sind. Schaaf hat nach seinem Bachelor in BWL den Schwerpunkt E-Business studiert. Er bewarb sich auf die Stelle und bekam sie. Im November 2019 fing er an, jetzt zieht er nach einem Jahr Zwischenbilanz. Rund 350 Händler hat er beraten. Der Service ist komplett gratis.

Herr Schaaf, wie groß ist die digitale Baustelle ­Düsseldorf?

Markus Schaaf: Der Handel ist wie ein altes Frachtschiff. Es ist schwer, den Kurs zu ändern. Viele Händler müssen erst überzeugt werden, dass das Internet eine Chance für sie ist.

Was sind die größten ­Vorbehalte?

Schaaf: Es sind vor allem diffuse Ängste, die durch mangelndes Know-how hervorgerufen werden. Viele kleine Einzelhändler haben. zum Beispiel Sorge, beim Datenschutz Fehler zu machen, und vor Anwälten, die dagegen vorgehen.

Wie oft gelingt Ihnen die Überzeugungsarbeit nicht?

Schaaf: Es ist in etwa so: 20 Prozent sind digital richtig gut aufgestellt. 20 Prozent sind Verweigerer. Mit den restlichen 60 Prozent arbeite ich, sie sind aufgeschlossen und kommen auf uns zu. Wer diesen Schritt geht, macht dann auch weiter.

Wie genau helfen Sie den Händlern?

Schaaf: Das ist ganz unterschiedlich. Ich werde auch schon mal nur zu einem Feedback zu einem Internetauftritt gefragt. Oder wir schauen, warum eine Seite zu lange lädt, was mögliche Kunden sofort verjagt. Wir helfen oft bei der Suchmaschinen-Optimierung. Wir vermitteln Dienstleister, also eine Software, mit der etwa für eine monatliche Gebühr von rund 20 Euro der Händler die nötigsten Schritte selber erledigen kann. Beim Einstieg helfe ich und führe den Händler durchs Programm. Ich versuche klare Wege aufzuzeigen, es simpel zu halten. Das reicht oft schon. Manchmal gebe ich auch eine Einführung in Facebook und erkläre etwa, wie man ein Foto postet. Auch andere soziale Medien bringe ich den Händlern näher, damit sie sie nutzen können. Ich erkläre aber auch, wie man einen Online-Shop aufbaut, oder vermittel einen Anbieter. Denn es geht auch darum, dass wir ein Netzwerk verlässlicher Partner aufbauen, um Tipps geben zu können. Wie soll ein Händler allein entscheiden, welcher Anbieter kein schwarzes Schaf ist, die es auch gibt.

Ist Digitalisierung eigentlich immer gut?

Schaaf: Nicht immer. Sie kann auch zu Überforderung führen, da ist Vorsicht geboten. Wer zum Beispiel einen Online-Shop aufbaut, muss die Zeit dafür haben. Das ist ein ganz eigenes Business. Wer den ganzen Tag in seinem Laden stehen muss, schafft das nicht. Wir schauen dann, ob es eventuell sinnvoll ist, eine 450-Euro-Kraft einzustellen. Je nachdem, welche langfristigen Ziele der Händler verfolgt. Doch diese Fragen stellen sich viele gar nicht, sie leben von Tag zu Tag. Auch dafür sind wir da, eine Strategie zu entwickeln.

Wie schlägt sich Düsseldorf als so wirtschaftsstarke Stadt im Vergleich zu anderen Städten im ­Regierungsbezirk?

Schaaf: Es stimmt schon, die Probleme sind in anderen Städten größer. Aber auch in Düsseldorf gibt es viele Einzelkämpfer. Es ist jedoch ungeheuer schwierig, alles alleine zu machen. Es wäre viel besser, Netzwerke aufzubauen, sich in Verbänden zu organisieren. Sonst laufen viele Informationen an einem vorbei, etwa auch über Förderprogramme oder Service-Angebote wie den Digitalcoach. Wir organisieren ja auch Fortbildungen, wie zuletzt eine Google-Schulung, an der digital rund 215 Unternehmen teilgenommen haben.

Wie hat Corona Ihre
Arbeit verändert?

Schaaf: Es gab sofort deutlich mehr Anrufe. Es ging regelrecht ein Ruck durch die Branche. Die Themen haben sich etwas verändert. So ging es zum Beispiel mehr um digitale Terminbuchungen, die wir mit Händlern auf Ihrer Internetseite umgesetzt haben. Oder wir halfen dabei, mit einfachen Mitteln digital Beratungen über Produkte im Geschäft anzubieten. Über Whats-App-Business zum Beispiel, per Videotelefonie oder im Chat. Über den kann dann auch direkt über Paypal bezahlt werden.

Wie gut funktioniert
das für die Händler?

Schaaf: Wer seine Hausaufgaben macht, bei dem läuft es auch.

Ist Amazon nicht viel zu übermächtig? Hat ein kleiner Einzelhändler da mit seinem Shop überhaupt eine Chance?

Schaaf: Es hilft schon sehr, wenn der Händler durch eine Suchmaschinenoptimierung gefunden wird. Es wird ja nach Bedarf gesucht. Und wenn das gesuchte Produkt gleich unter Amazon vom lokalen Händler gefunden wird, sind die Chancen schon mal nicht schlecht. Und gerade in der Pandemie entsteht ja vielleicht mehr und mehr ein Bewusstsein für den lokalen Handel. Er zahlt ja am Ende auch die Gewerbesteuer in der Stadt, was Amazon nicht tut.

Wo läuft es aus Ihrer Sicht schon richtig gut bei den Händlern in Düsseldorf?

Schaaf: Die Lorettostraße macht einen richtig guten Eindruck. Mein Vorzeigebeispiel ist aber ein Kindermöbel-Händler in Wersten. Der Inhaber hat durch die Beratung seine Ängste verloren, jetzt ist sein Online-Auftritt sehr gepflegt und er hat sehr gute Bewertungen bei Google bekommen. Seine Produkte sind im Internet zu finden, wodurch er jetzt deutlich mehr Zulauf erfährt. Ein Foto mit Preisangabe und Telefonnummer reicht da schon. Das lässt sich alles bei Google hinterlegen, da braucht es gar keinen Online-Shop mehr.

Ein Digitalcoach für den gesamten Regierungsbezirk, ist das nicht zu wenig?

Schaaf: Es ist gerade noch händelbar. Im Sommer war die maximale Auslastung aber auch mal erreicht.

Sie sind also auch weiterhin und für neue Kunden ansprechbar?

Schaaf: Auf jeden Fall, per Telefon oder per E-Mail. Auf der Internetseite digitalcoachnrw.de lässt sich auch sofort ein Termin buchen. Die Treffen finden aufgrund der aktuellen Umstände überwiegend digital statt, per Live-­­Videokonferenz.