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Diese Tiere leben im Grafenberger Wald in Düsseldorf

Tiere in Düsseldorf : Hier sind Düsseldorfs Wildtiere zuhause

Im Grafenberger und Aaper Wald leben neben Rehen und Füchsen und Uhus oder Dachse.

Es ist voll im Wald, seitdem die Menschen im Lockdown nicht mehr in Kneipen, Restaurants, Theater, Kinos oder Fitness-Studios gehen dürfen. Jürgen Schultze betrachtet diese neue Lust am Wandern, Joggen und Radfahren unter Bäumen ein wenig mit Sorge, denn die gegenseitige Rücksicht sei dabei nicht immer gegeben, sagt der Betriebsleiter Forstrevier Mitte, zu dem neben Grafenberger und Aaper auch der Gerresheimer Wald zählt. „Dann weichen die Leute auch mal verstärkt ins Unterholz aus. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wald und die Wege, sondern auch auf die Tiere, die hier leben.“

Aber so ist das nun mal in einem Waldgebiet mit 50 Kilometern Wanderwegen, das vor allem der Naherholung und weniger der Holzwirtschaft dient, da bleiben Berührungs- und entsprechend viele Reibungspunkte nicht aus. Und damit, vor allem der höheren Geräuschkulisse, müssen auch die Tiere leben lernen, „das ist ja hier ihr Wohnzimmer und sie können schlecht mal eben umziehen“, sagt Schultze.

 Jürgen Schultze ist Revierleiter im Stadtwald.
Jürgen Schultze ist Revierleiter im Stadtwald. Foto: Marc Ingel

Das Rehwild ist natürlich stark vertreten im Grafenberger und Aaper Wald, der Dachs fühlt sich hier ebenso heimisch wie der Fuchs, der sein Revier bei der Nahrungssuche auch gerne mal etwas ausweitet und plötzlich in Kleingärten steht. Die breite Feldstruktur ist ideal für den Hasen, auch Feuersalamander und Ringelnatter haben den Stadtwald als ihr Zuhause auserkoren. Uhu und Buntspecht sind recht häufig anzutreffen, eine echte Rarität ist dagegen der Kolkrabe, der jetzt im Februar brütet. Fledermäuse finden genügend Unterschlupf. Der etwas Angst einflößende, bis zu neun Zentimeter lange Hirschkäfer erfreut sich an dem vielen Altholz im Wald, das Schultze und seine Mitarbeiter bewusst liegen lassen. Denn so kann eine hohe Bioversität, eine ausgeprägte biologische Vielfalt, erreicht werden – was wiederum den Lebensraum der Tiere positiv beeinflusst.

Das ist ohnehin eine ausgeprägte und bewusst verfolgte Eigenschaft des in kleine Flächen aufgeteilten, insgesamt aber 600 Hektar großen Stadtwaldes: Es gibt unglaublich viele verschiedene Baumarten, auch wenn Rotbuche und Eiche dominieren. Nadelbäume sind dagegen klar in der Minderheit, daher gibt es in Düsseldorf auch kaum Probleme mit dem gefürchteten Borkenkäfer. Und auf noch ein Tier kann Jürgen Schultze gerne verzichten: Wildschweine. „Die sind im Wildpark ganz gut aufgehoben. Auf Futtersuche neigen sie nämlich dazu, großen Schaden anzurichten. Müllers Wiese zum Beispiel würden die im Handumdrehen auf links drehen.“

 Feuersalamander fühlen sich im Grafenberger und Aaper Wald heimisch, auch wenn sie sich rar machen.
Feuersalamander fühlen sich im Grafenberger und Aaper Wald heimisch, auch wenn sie sich rar machen. Foto: Marc Ingel

Da solche Unruhestifter dem Wald in Düsseldorf erspart bleiben, ist es dann doch immer wieder der Mensch, der für Konflikte sorgt. „Wir hatten zuletzt zwei Rehe, die von Hunden totgebissen wurden“, berichtet Schultze. Zwar gibt es nur in Bereichen, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, eine Leinenpflicht, aber auch anderswo muss der Hundehalter natürlich jederzeit sein Haustier unter Kontrolle haben. Dem ist aber eben nicht so, auch wenn Schultze diesen unbelehrbaren Anteil auf allenfalls zehn Prozent schätzt. Mountainbikefahrer würden ebenfalls immer wieder mal ohne Rücksicht auf Verluste durch den Wald brettern, kritisiert der Förster.

Grundsätzlich gilt darüber hinaus: Das Betreten des Waldes geschieht auf eigene Gefahr. Das muss schon deswegen hervorgehoben werden, da hier zum Teil 250 Jahre alte Buchen stehen, deren absolute Verkehrssicherheit nicht immer gewährleistet ist. Genau das müssen Schultze und sein Team aber für die Bereiche rund um angelegte Wege garantieren können. „Das ist manchmal ein schmaler Grat“, betont der Revierleiter. Den Tieren ist das in der Regel ziemlich egal, je weniger der Mensch in ihr Lebensumfeld eingreift, desto besser. Und genau das wird im Grafenberger und Aaper Wald nach Kräften beherzigt.