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Die Uni Düsseldorf und die Studentenbewegung 1968

Studentenbewegung 1968 : Düsseldorfs Uni lag 1968 nur an der Protest-Peripherie

Zwei Historiker beleuchten die Studentenbewegung in Düsseldorf in den 60er- und 70er-Jahren. Lief an der neuen Uni zunächst fast nichts, etablierte sich allmählich der Protest – wenn auch gegen andere Missstände.

Auf den ersten Blick schien Ende der 60er-Jahre auch die Studentenschaft dem Düsseldorf-Klischee zu entsprechen: politisch nicht gerade bewegt, geschweige denn revoluzzerhaft ging es an der Universität zu, ganz im Gegensatz zum Aufruhr in der Protesthochburg Berlin aber auch im Gegensatz zu Hamburg, Frankfurt am Main oder Heidelberg. Eine Vergleichsstudie zu den Studentenprotesten in NRW, in dem es insgesamt relativ ruhig blieb, ließ Düsseldorf sogar ganz außen vor, weil die Studentenbewegung in der Landeshauptstadt so rudimentär gewesen sei.

Zwar bestätigen Uta Hinz und Thomas Gerhards diesen Befund in ihrem aktuellen Aufsatz „Die Universität Düsseldorf und die Studentenbewegung seit den 1960er-Jahren“ (erschienen 2019 im „Düsseldorfer Jahrbuch“, Band 89, herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein), wenn sie zeitgenössische Kommentare von Studenten zitieren, die von einer „ausgesprochenen Trägheit und Gleichgültigkeit der meisten Düsseldorfer Studenten“ sprachen. Zugleich relativieren die beiden Historiker an der Heine-Universität solche Urteile. Denn die neue Uni Düsseldorf war 1967/68 vergleichsweise winzig mit ihren gerade mal 1350 Studenten, von denen auch noch 94 Prozent Mediziner waren, da die Philosophische Fakultät erst 1969 den Vorlesungsbetrieb aufnahm. Es habe außerdem zunächst noch gar keine organisatorische Basis für studentische Politik und Proteste gegeben, betonen Gerhard und Hinz, es gab kein Hochschulparlament, politische Gruppen waren kaum aktiv, kurzum: „Die strukturellen Voraussetzungen, zu einer Protestmetropole zu werden waren in Düsseldorf (..) denkbar schlecht“, schreiben sie.

Deshalb blieb es auch im Mai 1968, als der Protest gegen die Notstandsgesetzgebung an den viel größeren Universitäten wie Bonn, Köln oder Münster hohe Wellen schlug, an der Uni Düsseldorf ruhig. Allerdings betonen Gerhards und Hinz auch, dass in Düsseldorf andernorts deutlich stärkere Studentenproteste aufkamen, namentlich an der Kunstakademie (Joseph Beuys) oder an der staatlichen Ingenieurschule. Zudem gab es in der Stadt durchaus Demonstrationen, die größte fand mit 2000 Studenten am 8. Juni 1967 zum Gedenken an den kurz zuvor in Berlin erschossenen Benno Ohnesorg statt. Ansonsten waren Studenten zwar öfter beteiligt, initiiert wurden die Demos jedoch eher von Gewerkschaften und Schülern. Auf dem Grabbeplatz versammelten sich zum Beispiel Mitte Mai 68 rund 150 Schüler, wobei sich die vom Oberkassler Comenius-Gymnasium besonders hervortaten.

Zitat: „Festzuhalten ist, dass studentische Kritik und Protestaktionen sich an der Universität Düsseldorf mit Beginn der 1970er Jahre verstärkten.“ Allerdings bezogen die sich weniger auf gesellschafts- als auf hochschulpolitische Debatten, insbesondere gegen schlechte Studienbedingungen oder verschärfte Bafög-Regelungen. Ab 1969 verschärfte sich der Protest gegen das neue Landeshochschulgesetz in NRW, im April demonstrierten etwa 2500 Studenten vor dem alten Landtag und verbrannten dabei auch eine Strohpuppe, die den damaligen Kultusminister Fritz Holthoff darstellen sollte. Ab Mitte der 70er-Jahre wurde das vom Bund vorgelegte Hochschulrahmengesetz zum roten Tuch der Studentenschaft, weil es angeblich vor allem durch Druck (Regelstudienzeiten) verwertbares Wissen fördere und die Mitwirkungsrechte der Studenten beschneide. Im Sommersemester 1977 legte ein Vorlesungsstreik tagelang alle drei Fakultäten lahm. Anfang Mai 77 zogen 500 Medizinstudenten zum von Johannes Rau geleiteten Wissenschaftsministerium. Ein paar Tage später kam übrigens Rudi Dutschke nach Düsseldorf und diskutierte im überfüllten Hörsaal 3H mit dem damaligen Vize-Juso-Bundesvorsitzenden Ottmar Schreiner über Freiheitsrechte. Der Boykott von Vorlesungen und Seminaren oder deren Störung wurden dann zu Protestmitteln der Wahl, in diesen Mai 77 fiel auch der Versuch eine „Demokratische Gegen-Hochschule“ zu etablieren.

Am Berliner Bären an der Berliner Allee legten Studentenvertreter Kränze zum Gedenken an Benno Ohnesorg nieder. Foto: ULB/Jürgen Retzlaff ULB

Doch wie gesagt: So aufgeheizt die Stimmung im Sommer 1977 auch gewesen sein mag, die damals in der Presse gezogenen Parallelen zur 68er-Revolte waren laut Gerhards und Hinz nicht wirklich gedeckt, zu sehr sei der Protest auf den Bereich der Hochschulpolitik begrenzt geblieben.