Die SPD findet keinen Frieden

Die SPD findet keinen Frieden

Karin Kortmann wurde mit einem guten Ergebnis als Parteichefin bestätigt. Doch der interne Streit ist nicht beigelegt.

Düsseldorf. Kein Schulterschluss, kein Aufbruchssignal, keine Tabula rasa: Die Düsseldorfer SPD geht geschwächt in die Wahlkämpfe des Jahres (Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl). Zwar wurde die Vorsitzende Karin Kortmann bei einem Parteitag am Samstag mit rund 81Prozent der Stimmen im Amt bestätigt, doch der Streit der Vorwochen ist nicht beigelegt.

Wie berichtet, kämpften die Bundestagsabgeordneten Karin Kortmann und Michael Müller darum, wer den besseren Platz auf der Reserveliste für die Bundestagswahl bekommt. Zwar hatte es am Freitag noch einen Kompromiss gegeben, mit dem beide leben können, dennoch ist keine Versöhnung in Sicht. Allzu groß sind die Verletzungen, die sich die Kontrahenten zugefügt haben.

Daraus machten die Beteiligten auch beim Parteitag keinen Hehl. "Mir ist gesagt worden, meine Zeit sei doch vorbei. Ich empfinde das als erniedrigend", beschwerte sich Müller.

Gleichzeitig rechtfertigte er sein Beharren auf den besseren Listenplatz. Kortmann habe trotz allem gute Chancen, ihren Wahlkreis direkt zu gewinnen: Gefordert sei "Selbstbewusstsein statt Angst." Dafür gab es breiten Applaus - Kortmann aber rührte keine Hand.

Überhaupt gab es zwischen den beiden Parteigranden fast keinen direkten Kontakt. Auch die Bitte nach einem gemeinsamen Foto wurde abgelehnt. Das gab’s dann aber doch noch, als Schnappschuss: Nachdem Kortmanns Wahlergebnis verkündet wurde, kam Müller und gratulierte. Sie sagte "Danke", das war’s. Ein tiefer Graben ist offenbar das Einzige, was die beiden noch verbindet.

Warum das so ist, erklärte Kortmann den Delegierten so: "Manche haben mir etwas zugemutet, dass würde ich nicht mal meinem politischen Gegner zumuten." Sie habe Drohungen erhalten, auch von einem "verheulten Wochenende" sprach sie. Namentlich attackierte sie Ex-Parteichef Peter Knäpper.

Der rechtfertigte sich umgehend - und machte dabei eine unglückliche Figur. Gegenüber einer Zeitung hatte er vorige Woche mit Blick auf Kortmanns Wiederwahl als Parteichefin gesagt: "Wenn Michael Müller und Karin Kortmann auf der Liste abgesichert werden, wird Frau Kortmann auch ein sehr gutes Ergebnis bekommen." Dass dies im Umkehrschluss als Drohung verstanden wurde, mochte er auch am Samstag nicht einsehen.

Die Verabschiedung des Kommunalwahlprogramms wurde wegen des Streits von der Tagesordnung gekippt. Sie soll bei einem Sonder-Parteitag nachgeholt werden.

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