Die schönste Endhaltestelle in Düsseldorf

Stadtteil-Tour : Die schönste Haltestelle der Stadt

Radelnde Reporterin Auf Tour mit Fahrradfan Theo Hilger ab der Gleisschleife in Volmerswerth.

Als radelnde Reporterin hatte ich mir fest vorgenommen, mal eine Tour mit Theo Hilger zu unternehmen. Der Mann ist ein bekennender Radfahrer, setzt sich auf vielen öffentlichen Veranstaltungen für den Ausbau des Radwegenetzes ein. Um Hilger zu treffen, fahre ich in dieser Woche in den kleinen Stadtteil Volmerswerth. Damit ich dort auch heil auf zwei Rädern ankomme, steige ich an der Suitbertusstraße in Bilk lieber mit dem Rad in die U 72 ein. Denn der Radweg entlang der Aachener Straße endet bislang abrupt und je mehr man sich als Radfahrer der Kreuzung Südring nähert, desto gefährlicher wird es: Es ist schlicht zwischen Bahngleisen und parkenden Autos kein Platz. Der Ausbau des Radweges und die Verlegung der Bahnhaltestelle ist zwar längst geplant und politisch beschlossen, doch zu meinem Bedauern findet der Umbau sich nicht auf der aktuellen Liste der Sommerbaustellen.

Mit der U 72 also geht es nach Volmerswerth – und auch nicht weiter. Denn hier ist die Endhaltestelle Hellriegelstraße der U 72. Und nicht nur ich staune, wie schön diese Gleisschleife mit der großen Wiese geworden ist. Hier kommt Theo Hilger ins Spiel. Denn er ist nicht nur gerne Radfahrer, sondern auch der erste Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins Volmerswerth. Genau dieser Verein hat seit sieben Jahren die Pflege und Gestaltung der Endhaltestelle in Absprache mit der Rheinbahn übernommen. Eine schöne Geschichte, auf die ich aufmerksam wurde, als kürzlich die Stadtteilpolitiker der Bezirksvertretung 3 (u.a. zuständig für Volmerswerth und Bilk) dem Verein einen Zuschuss für einen Bücherschrank in Höhe von 7000 Euro gewährten. Für einen öffentlichen Bücherschrank eben direkt an dieser Gleisschleife an der Volmerswerther Straße.

Öffentlicher Bücherschrank soll im August aufgestellt werden

Der offene Bücherschrank soll im August aufgestellt werden. Ein kleines Plätzchen gegenüber der Gaststätte „En de Ehd“, die laut Plakat in diesem Jahr immerhin 170 Jahre alt wird. „Den Platz haben wir in Eigenleistung hergerichtet und auch eine Bank gespendet“, erzählt Theo Hilger, der sich hier später auch Lesungen im Freien vorstellen kann. Drei Bänke hat die Rheinbahn aufstellen lassen, der Chef des Unternehmens, Klaus Klar, war auch schon zum Ortstermin an der Gleisschleife und beeindruckt vom Engagement der Volmerswerther.

Der Verein hat sich bei der Stadt immer wieder dafür eingesetzt, dass weitere Radständer an der Haltestelle aufgestellt werden. Man hat eine Wildblumenwiese gesät, bewässert den Rasen in der Gleisschleife und das Wartehäuschen wird aktuell mit einem Volmerswerth-Graffiti gestaltet. Ein weiteres Kunstwerk steht bereits auf der Wiese: Es ist die Skulptur „Die Ackerschiene“ des Künstlers Karl Klefisch. Sie erinnert daran, dass Volmerswerth ehemals eine Insel war. Gestaltet wurde sie aus alten Gartengeräten, als Symbol für die landwirtschaftlichen Betriebe im Stadtteil. Theo Hilgers Familie hat auch Geräte für die Skulptur abgegeben und erinnert sich: „Meine Mutter wollte die erst nicht hergeben. Doch als sie erfuhr, dass der Pastor die Skulptur segnen würde, hat sie zugestimmt.“

Nach all den interessanten Informationen rund um Düsseldorfs schönster Endhaltestelle, die für die Volmerswerther die so wichtige Anbindung an Bilk und die Innenstadt bedeutet, radeln wir noch eine Weile durch den Stadtteil. Dabei führt ein Radweg sogar vom Südring entlang der gesamten Volmerswerther Straße bis zum Volmerswerther Deich. Dem beliebten Naherholungsziel für Spaziergänger (hier hält auch die Rheinbahnbuslinie 726, die zum Carlsplatz fährt), Skater und natürlich Radfahrer. An Wochenenden ist es hier ziemlich voll, und deshalb hält der Radfan Hilger nichts davon, dass der geplante Radschnellweg von Neuss über den Hammer, Volmerswerther und Fleher Deich geführt werden soll. Er favorisiert eine Strecke von der Südbrücke aus über den Südring und dann in Richtung Süden über die Münchener Straße sowie in Richtung City über die Umweltspur Merowinger Straße und die Friedrichstraße.

Zurück zum Volmerswerther Deich, von dem aus man einen schönen Blick auf die Gewächshäuser und den Rhein hat und neidisch auf zwei private Bootshäuser blickt. Eines war früher das „Bootshaus Bottke“, viele Volmerswerther vermissen die Gastronomie auf dem Schiff. Doch nur wenige Meter weiter tut sich etwas: Das Hotel Fährhaus am Deich ist in den vergangenen Monaten komplett saniert worden, das chinesische Restaurant ist verschwunden, aber schon bald soll hier neue Gastronomie eröffnen. Ich vermisse an diesem Tag jedoch den italienischen Eismann, der mit seinem alten Wagen seit Jahrzehnten zum Deich kommt. Dort, nahe der Volmerswerther Straße und auch dem Platz mit den Birken und dem Stein, der über die Geschichte des Stadtteils informiert. Ins Auge fallen hier die, ebenfalls vom Bürgerverein spendierten, frisch renovierten Holzbänke mit der Inschrift „Insula Volmari“.

Großer Wunsch: Ein Radweg bis zum Aachener Platz

Es geht nun zurück in den Stadtteil, in dem knapp 2400 Menschen leben. In älteren kleinen Einfamilienhäusern ebenso wie in modernsten neuen Eigentumswohnungen. All dies zwischen den landwirtschaftlichen Flächen. Es fällt auf, dass es kein Geschäft und keinen Kiosk gibt und auch keinen direkten Hofverkauf. Zum Einkaufen müssen die Volmerswerther nach Bilk und Flehe. Doch sie haben ja die gute Anbindung mit der U 72, das betont Hilger immer wieder. Er begleitet mich auf dem Heimweg ein Stück über die Stadtteilgrenze hinaus, weil er noch etwas zeigen möchte.

Wir erreichen in Flehe die Ecke Volmerswerther Straße/Aachener Straße. Hier befindet sich übrigens die nächste Einkaufsmöglichkeit der Volmerswerther, ein Kiosk mit vielfältigem Angebot. „Koreaner-Büdchen“, wird er von den Volmerswerthern seit langen Jahren in großer Wertschätzung für die freundlichen Betreiber genannt. Genau in dieser Kurve aber vermisst Theo Hilger etwas. Einen Radweg auf der Aachener Straße, der direkt zum Aachener Platz führt. Der sei, anders als der Radweg vom Südring zum Aachener Platz, leider noch nicht geplant. Für mich geht es nun zurück zum Aachener Platz, die Strecke führt wirklich über teilweise holprigen Asphalt. Um nicht von Fahrzeugen „gestreift“ zu werden, überlasse ich es auch auf der Rückfahrt der Rheinbahn, mich und mein Rad vom Aachener Platz bis zum Bilker S-Bahnhof zu transportieren. Sicher ist sicher.

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