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Die Rückkehr der E-Scooter in Düsseldorf: Betreiber wollen bessere Bedingungen

Verkehr : Die Rückkehr der E-Scooter in Düsseldorf: Betreiber wollen bessere Bedingungen

Sie sind längst akzeptierter im Stadtbild als zu Beginn, wurden aber zuletzt in der Coronakrise deutlich weniger genutzt.

Das Coronavirus hat die Gesellschaft verändert – und die E-Scooter-Branche hat als vermeintlich aufstrebendes Geschäft durrch die Pause des öffentlichen Lebens eine echte Delle erhalten. Die elektronischen Roller – für die einen willkommene Wege-Abkürzung und Fahrspaß, für andere ein regellos umher liegendes Ärgernis – waren auch in Düsseldorf zuletzt zur Seltenheit verkommen: Fast alle Anbieter außer dem deutschen Marktführer „Tier Mobility“ hatten ihre Roller Mitte März aus dem Stadtgebiet abgezogen und zwischengelagert.

In der kommenden Woche soll es nun ein Treffen der E-Scooter-Anbieter mit Vertretern der Stadt Düsseldorf geben. Alexander Graf von Pfeil, Sprecher des kalifornischen Betreibers „Lime“, hat dazu eine klare Erwartung: „Wir wünschen uns, dass die Sondernutzungsgebühren für geteilte Fahrräder und E-Scooter in Düsseldorf für 2020 ausgesetzt werden.“ Auch „Voi“-Manager Claus Unterkircher will die „ausgerufene Sondernutzung in Zukunft möglichst optimal für alle Seiten“ gestaltet wissen. „Aktuell sehen wir hier von Seiten der aufgestellten Regularien noch deutlichen Verbesserungsbedarf.“ Soll heißen: Die Betreiber gehen in Düsseldorf auf die Barrikaden, fühlen sich zu sehr gegängelt. Auch was die zuletzt ausgebauten Parkverbotszonen für Roller in Düsseldorf anbelangt, wie Peter Huss, Standortverantwortlicher Rheinland bei „Tier“ sagt. Die Sondernutzungsgebühren für E-Scooter betragen in Düsseldorf seit dem laufenden Jahr 20 Euro pro Jahr und Fahrzeug. Pro Fahrrad sind hingegen fünf Euro pro Jahr fällig. Mit den Gebühren als Teil einer Sondernutzverordnung hatte die Stadt die Anbieter maßregeln wollen, weil der ungeregelte und uferlose Betrieb Bürgern zum Ärgernis geworden war.

Dabei haben die Anbieter derzeit in unterschiedlicher Ausprägung erheblich zu kämpfen. Düsseldorfs Marktführer „Tier Mobility“ hatte mit Beginn der Coronakrise seine Flotte von 2000 Scootern in Düsseldorf auf die Hälfte reduziert – und rüstete vor Ostern wieder voll auf. Andere verließen den Markt vorübergehend komplett. Wie „Lime“: Mitte März sammelten die Mitarbeiter die Flotte ein. Die Gründe laut Unternehmen: Sicherheit für Kunden in der Pandemie, rückläufige Nachfrage, ausbleibende Berufspendler – und das eingeschränkte öffentliche Leben. Man hört, Lime sei finanziell unter Druck.

Jetzt allerdings die Rückkehr: Düsseldorf ist nach Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart die siebte deutsche Stadt, die seit einigen Tagen wieder bespielt wird. „Wir starten mit einer reduzierten Anzahl an Scootern, die in verschiedenen Düsseldorfer Stadtteilen an Verkehrsknotenpunkten platziert werden“, sagt Lime-Sprecher von Pfeil. Man wolle das neue Nutzerverhalten kennenlernen und laufend anpassen, zudem Vertrauen gewinnen: Alle Scooter würden bei nächtlicher Wartung desinfiziert. Die Mitarbeiter trügen Handschuhe und Mundschutz. Und: Wer sich jetzt noch unsicher fühle, könne den Lenker desinfizieren.

Kein Zweifel: Die E-Roller-Industrie hofft darauf, verfestigter Teil einer neuen Verkehrsstruktur in den Städten nach der Corona-Pandemie zu werden. Und zum Beispiel von Mindestabständen und neuen Fahrradspuren zu profitieren, auch in Düsseldorf. Zudem zeige eine Studie, dass sich Nutzerverhalten ändere und Scooter-Fahrer auf ihren Strecken jetzt „rund 25 Prozent länger“ unterwegs seien als vor der Pandemie.

Deutlich ist, dass die E-Scooter als vermeintlicher Schrecken der Stadtbevölkerung inzwischen viel weniger Aufregung hervorrufen als zu Beginn im Juni 2019. Dass sie aber zugleich auch deutlich weniger genutzt werden. Der Markt scheint sich zu bereinigen. Der schwedische Anbieter „Voi“ etwa ist seit Mitte März in Düsseldorf verschwunden und bis heute nicht zurück, will das aber bis Mitte Juni in der Landeshauptstadt mit alter Flotte sein. Dann mit neuem Konzept: mit „Verfügbarkeit in Stadtteilzentren und weiter außerhalb der Innenstädte gelegenen Bezirken“, wie Unterkircher sagt. Der glaubt an die Roller-Zukunft: „Wir gehen davon aus, dass es eine gesteigerte Nachfrage nach Mobilitätsangeboten gibt, die Individualverkehr und Fortbewegung an der frischen Luft miteinander kombinieren. Denn hier ist das Ansteckungsrisiko am geringsten.“ Tatsächlich gibt es Untersuchungen, die E-Roller mittelfristig aus diesem Grund als mögliche Gewinner der Pandemie bezeichnen.

Passend dazu testet seit vergangener Woche das niederländische Unternehmen „Dott“, neben „Tier“, „Lime“, „Bird“ und „Voi“ der fünfte Anbieter in der Stadt, nach dem Start in Köln und Bonn eine kleine Flotte in Düsseldorf. Man habe „mit der Stadt kooperativ“ einen Plan aufgesetzt, um die optimale Anzahl an Rollern zur Verfügung zu stellen, heißt es. Bei „Tier“ ist man hoffnungsfroh, dank seiner Stärke in der Krise Gewinner auf dem Düsseldorfer Markt zu werden. Auch, weil der Akku an den „Tier“-Rollern inzwischen ausgetauscht werden kann und die Scooter so nicht mehr wenig umweltschonend mit schweren Fahrzeugen zur Nacht eingesammelt werden müssten. Stattdessen verteilten Elektrofahrzeuge die Akkus im Stadtgebiet.