Düsseldorf: Die Ressource Flüchtling

Düsseldorf : Die Ressource Flüchtling

Die Stadt will herausfinden, wo die Stärken und Hobbys jedes Einzelnen liegen, um ihn sinnvoll zu beschäftigen. Die Arbeitsagentur hilft bei der Jobsuche.

Düsseldorf. Eine pensionierte Lehrerin, die Flüchtlingskindern in den Unterkünften spielerisch das Alphabet beibringt, ein Rentner, der eine Familie aus dem Kosovo bei allen Behördengängen begleitet oder ein von Vereinen organisiertes Fußballcamp für Jugendliche — das ehrenamtliche Engagement in Düsseldorf ist enorm. „Wir haben zurzeit einen Pool von 3000 Ehrenamtlern“, sagt Frank Griese aus dem Büro der Flüchtlingsbeauftragten. „Sie stellen ganz tolle Dinge auf die Beine, um die Flüchtlinge in den Unterkünften sinnvoll zu beschäftigen.“

Experten sind sich einig, dass das ein wichtiger Schritt für erfolgreiche Integration ist — kaum etwas sei schlimmer, als die andauernde Beschäftigungslosigkeit in den Unterkünften. Deshalb komme solchen Aktionen oder der der Uni (siehe Text unten) besondere Bedeutung zu.

Mit einer Fragebogenaktion will die Stadt das Angebot nun optimieren. In Kooperation mit der Arbeitsagentur wurde ein Fragebogen entwickelt, der Interessen und Hobbys, aber auch Fähigkeiten und Ausbildung der Flüchtlinge abklopft. Die Umfrage wird von Ehrenamtlern in den Unterkünften durchgeführt.

„Die Ergebnisse sollen uns dabei helfen, mehr über die Flüchtlinge zu erfahren und sie entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen weiterzuvermitteln“, sagt Griese. Die Tonhalle hatte beispielsweise vorgeschlagen, ein Musikprojekt mit Flüchtlingen zu initiieren. „Aber wir wissen leider bisher gar nicht, wer ein Instrument beherrscht. Auch das wollen wir herausfinden“, sagt Griese. Bisher seien mehr als 150 Fragebögen ausgefüllt worden. „Wir hoffen, in etwa sechs Wochen 2000 zusammen zu haben. Dann beginnen wir mit der Auswertung“, so Griese.

Die Ergebnisse kommen auch der Arbeitsagentur zugute. Anfang September wurde dort der „Integration Point“ eingerichtet, der die schnelle Einbindung der Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zum Ziel hat. „150 Menschen haben das freiwillige Angebot bereits in Anspruch genommen“, sagt Sprecher Peter Wege.

Die meisten davon kommen aus Syrien, dem Irak oder Iran. „Viele haben einen Hochschulabschluss oder zumindest einen Schulabschluss. Und alle sind hochmotiviert und voller Hoffnung“, sagt er. Ein Syrer habe kurz nach seiner Ankunft in Deutschland sein letztes Geld in einen Sprachkurs investiert, um schnell eine Arbeit aufnehmen zu können. „Er sagte, er wolle dem Land, das ihn aufgenommen hat, unbedingt etwas zurückgeben“, so Wege.

Von den 150 Menschen, die der Integration Point bisher betreut hat, sind 50 noch im Asylverfahren. „Weil so ein Verfahren im Schnitt 5,5 Monate dauert, wollen wir diese Zeit sinnvoll nutzen. Das heißt: Zeugnisse oder Zertifikate anerkennen lassen und einen Sprachkurs vermitteln“, sagt Wege. Bei den restlichen 100 Menschen sei das Asylverfahren abgeschlossen.

In fünf Fällen steht laut Wege ein Job kurz bevor. „Ein IT-Kaufmann aus Syrien macht zurzeit ein bezahltes Praktikum mit Aussicht auf eine Anstellung“, sagt Wege. Auch ein irakischer Metallbauer werde nach einem Lehrgang zum Schweißer von einer Firma übernommen.

„Das sind allerdings Menschen, die schon vor knapp einem Jahr bei uns vorstellig wurden“, sagt Wege. In den meisten Fällen dauere es mehrere Monate zwischen der ersten Kontaktaufnahme und dem Einstieg ins Berufsleben. „Es braucht Zeit, die Berufsqualifikation anerkennen zu lassen und die deutsche Sprache zu erlernen.“

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