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Die Oberkasseler Brücke in Düsseldorf könnte zur Umweltbrücke werden

Stadtplanung in Düsseldorf : Die Oberkasseler Brücke könnte zur Umweltbrücke werden

Das Projekt „Blaugrüner Ring“ in Düsseldorf geht in die nächste Runde. Die Oberkasseler Brücke könnte neben der Rheinuferpromenade einen Schwerpunkt bilden. Eine Analyse.

Das Projekt „Blaugrüner Ring“ geht in die nächste Runde. Nachdem Ende vergangenen Jahres aus den Entwürfen der Architekten die Sieger bestimmt worden waren, beschäftigen sich die Politiker in diesen Tagen mit den Empfehlungen der Jury. Sie hat vier Schwerpunkte genannt, die berücksichtigt werden sollen, wenn es nun darum geht, welche Ideen machbar sind und vertieft werden: Neben den bekannten Punkten „Fortführung der Rheinuferpromenade“, „Standortsuche und Errichtung eines Fotoinstituts“ und „Standortsuche Deutsche Oper am Rhein“ taucht dabei auch explizit  „Attraktivierung der Oberkasseler Brücke einschließlich ihrer Verknüpfungen über die Heinrich-Heine-Allee bis zum Heinrich-Heine-Platz“ auf. Damit ist gemeint, dass nicht-motorisierte Verkehrsmittel sowie Bus und Bahn in dem genannten Abschnitt deutlich gestärkt werden sollen, wie es in allen ausgezeichneten Entwürfen vorgesehen ist. Das hat in den Fachausschüssen für Diskussionen gesorgt, der Stadtrat wird darüber in der kommenden Woche entscheiden. Die Idee im Detail:

Die Vorschläge der Architekten Die Oberkasseler Brücke taucht in allen Entwürfen auf, die im Dezember auf den ersten drei Plätzen gelandet sind. Die Sieger (Raumwerk GmbH mit Seehof) schlagen vor, dass die Oberkasseler Brücke eine Umweltbrücke wird: mit großzügigen Flächen für Fußgänger und einer Aufenthaltsmöglichkeit an der Südseite mit Blick auf die Altstadt, mit einem besonderen Radweg sowie einer Umweltspur für Elektrofahrzeuge und Busse bei nur noch je einem Fahrstreifen pro Richtung. Die Stadtbahntrasse in der Mitte wird begrünt und die Verkehrsarten mit Hilfe von Hecken getrennt.

Platz zwei (Team Manfred Kerler) möchte die Brücke zu einem Symbol für „ein gesellschaftliches und verkehrspolitisches Umdenken vor dem Hintergrund des Klimawandels“ machen und sie entsprechend begrünen. Der Verkehr soll über die Rheinknie- und die Theodor-Heuss-Brücke geführt werden. Das soll dazuführen, dass der „Blaugrüne Ring“ rund um die Oberkasseler Brücke nicht mehr wie heute durch die Straßen zerschnitten wird, zudem würden Oberkasseler Brücke und Luegallee entlastet. In diesem Zusammenhang sieht dieser Entwurf auch vor, den Rheinufertunnel bis zur Cecilienallee zu verlängern.

Die Drittplatzierten (Fritschi & Stahl) setzen auf Düsseldorf als Stadt der Alleen. Der Blaugrüne Ring soll durch neu geschaffene Alleen stärker erlebbar werden, deshalb entstehen an den Alleen auch neue Fuß- und Radwege. In den übergeordneten Strukturplänen der Architekten ist zu erkennen, dass kurz- und erst recht langfristig größere Teile des Düsseldorfer Zentrums autofrei werden sollen. Die entsprechenden Strecken sind rot markiert, eine davon ist die Oberkasseler Brücke. Unter der Karte steht „Kurzfristig“.

Die Reaktionen in der Politik Die Abstimmungen über die Fortsetzung des Konzepts „Blaugrüner Ring“ sind in den Fachausschüssen unterschiedlich gelaufen. Im Verkehrsausschuss gab es ein knappes 10:8 (bei einer Enthaltung) für die Empfehlungen, im Planungsausschuss ein einstimmiges Votum. Die zuständige Bezirksvertretung 1 (Stadtmitte) und der Kulturausschuss haben das Thema vertagt.

Die Bewertung Die Idee einer Umweltbrücke hat großen Charme, weil sie einen markanten Umbruch in der Verkehrspolitik bedeuten würde und weil Düsseldorf damit eine Aufmerksamkeit erhielte wie Venlo für sein grünes Rathaus oder Kopenhagen für sein Radwegenetz. Diese Einschätzung lässt sich mit zwei Argumenten untermauern: einem nicht ganz sachlichen, historischen Argument und mit einem nüchtern politischen. Das historische: Als die Entwürfe im Dezember präsentiert wurden, gab es deutliche Stimmen gegen die Pläne für die Oberkasseler Brücke. Alexander Fils, der Planungsexperte der CDU, sagte damals: „Das wäre ein Wahnsinn, eine Katastrophe“. Das erinnerte den Betrachter an die heftige Kritik, als einst das Konzept für die Rheinuferpromenade präsentiert wurde und sich viele nicht vorstellen wollten, dass es am Rheinufer keine Autos mehr gibt.

Das politische Argument: Nach der vom heutigen Standpunkt aus wahrscheinlichen Sitzverteilung im Stadtrat lässt sich ableiten, dass die Grünen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Teil der nächsten Ratsmehrheit sein werden, zusammen mit der CDU oder der SPD und einem weiteren Partner. Und für die Grünen könnte die Brücke genau eines der Projekte sein, das sie unbedingt in der nächsten Legislatur voranbringen wollen.